11. Horeschlitten-Rennen auf dem Rossberg in Oberwil i.S.

Team Zäziwil 5 mit einem unglücklichen Verbremser

Team Zäziwil 5 mit einem unglücklichen Verbremser

Startnummer Vergabe

Voller Vorfreude auf ein sportliches Winterspektakel machten wir uns am Samstag, 23. Februar 2013 auf, um den waghalsigen Horeschlittenfahrern und ihrer Passion auf dem Oberwiler Rossberg auf den Grund zu gehen.

Als wir auf dem Rossberg ankamen, bei leichtem Schneefall, Nebel und Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt, war die Startnummernausgabe im Festzelt bereits im Gange. Gegen eine Gebühr von 40 Franken erhielten alle Teilnehmenden nebst ihren Startnummern ein kleines Geschenk. Angemeldet waren insgesamt 54 2er-Teams, davon 4 reine Damenteams. Obschon sich mehr Damen an den Start wagten, gilt hier die Regel: Sobald ein Mann mit auf dem Schlitten sitzt, wird bei den Herren gestartet. Bei lockerer Atmosphäre stärkten sich die Sportler vor dem Rennen im Festzelt. Leider waren nicht alle angemeldeten Teams am Start, so dass letztendlich in der Rangliste nur gerade drei Damen- und 42 Herrenteams aufgeführt wurden. Organisiert und durchgeführt wurde das 11. Horeschlittenrennen auf dem Rossberg vom Treichlerclub Oberwil, unter dem Präsidium von Toni Kropf, mit Unterstützung der Mitarbeiter der Skilift Rossberg AG und der SB-Quadsport von Stefan Boss aus Oey-Diemtigen.

Wie ernst geht es in diesem Sport zu?

Keine leichte Frage, die mir jedoch von den Teilnehmenden mit viel Geduld und Herzblut beantwortet wurde. So werden die Kufen der Schlitten, welche laut Reglement aus Holz oder Metall sein müssen, gehegt und gepflegt, geschmirgelt und gewachst bis sie spiegelglatt, geschmeidig und mit messerscharfen Kanten für den Start bereit sind. Gemessen wird mit modernster Zeitmessung, gekämpft um Hundertstelsekunden, gefeilt an Taktik und Fahrtechnik. Darüber hinaus liegt mir das Reglement des heutigen Rennens vor – Alles in allem eine wirklich ernst zu nehmende Sportart! Manche Kufen wurden ausserdem mit weichem Material eingepackt. Ich vermutete dahinter eine taktische Finesse, lag damit aber daneben, denn: Diese Verpackung dient allein zum Schutz der präparierten Kufen, die auf dem Transport mit den Pistenbullis hinauf zum Start den einen oder anderen Kratzer abbekommen können. So sollen neue Kratzer, welche die Geschwindigkeit oder die Spurgenauigkeit unterwegs beeinträchtigen könnten, vermieden werden. Neben dem Schmirgeln und Wachsen hat so manches Team noch seine eigenen «Hausmitteli», um den Schlitten schneller zu machen.

Gegen 11.00h mittags wurden die Schlitten von den Helfern der Skilifte mit einem Pistenbulli zum Start hinauf gebracht. Dieses Jahr wurde der Start tiefer angesetzt als in den Jahren zuvor, um zu verhindern, dass die Horenschlittler an Geschwindigkeiten von bis zu 80 oder gar 90 km/h herankommen, die als gefährlich einzustufen und zu riskant wären. Die Piloten rechneten heute mit Spitzen von etwa 60km/h. Um Ihnen, liebe Leser, einen Eindruck vom Start geben zu können, wurde ich von Stefan Boss, SB-QUADSPORT aus Oey Diemtigen mit einem Quad an den Start hinauf gebracht. Die Rennteilnehmer/innen mussten laut Reglement den Start zu Fuss und aus eigener Kraft erreichen und nutzten den Aufstieg, die Rennstrecke zu besichtigen und sich etwaige Schlüsselstellen einzuprägen. Inzwischen hat sich der Nebel gelichtet, der Schneefall hörte auf und gegen Rennstart um 12 Uhr zeigte sich die Sonne und schuf für alle Teilnehmenden perfekte Sicht und – dank der gut präparierten Piste – ausgezeichnete Rennverhältnisse vom ersten bis zum letzten Schlitten.

Am Start

Die Rennatmosphäre am Start war beeindruckend. Viele der Startenden versanken in Konzentration. Andere Teams gaben sich ihren Startriten hin, umarmten sich, klatschten sich ab, richteten Helme und Visiere und warteten auf den Countdown. Eröffnet wurde das Rennen durch die drei reinen Damenteams. Ich war gespannt, zu sehen, wie ein Horeschlitten am Start auf Tempo gebracht wird. Und da gab es deutliche Unterschiede. Der Augenfälligste war, dass manchmal der Vordermann sich zwischen die Kufen stellte, die Hörner des Schlittens packte und losrannte, um sich beim gewünschten Tempo auf den Schlitten zu setzen, während der Hintermann auf dem Schlitten sass. Gesteuert wird dann mittels Gewichtsverlagerung. Andere Teams machten es genau umgekehrt: Der Vordermann legte sich mit dem Rücken auf den Schlitten um den Luftwiderstand so gering wie möglich zu halten, währenddem der Hintermann den Schlitten anschob und sich dann bäuchlings auf den hinteren Teil des Schlittens warf, um mit den Beinen zu steuern. Die zweite Taktik dünkte mich, als Laien in dieser Sportart, etwas schneller und auch etwas ungefährlicher, weil keiner den Schlitten anziehen und damit rechnen muss, von demselben überfahren zu werden.

Schlüsselstelle Niderhornblick

Nachdem ich mir einige Starts angesehen hatte, begab ich mich zur Schlüsselstelle beim Berghaus Niderhornblick, wo die Teams eine starke Rechtskurve bewältigen mussten. Hier taten sich wieder grosse Unterschiede auf zwischen den einzelnen Piloten. Manche drehten zu stark, kamen ins Trudeln und Sportler wurden sogar von ihren Schlitten geschleudert oder sie kamen zum Stillstand und mussten den Schlitten wieder anschieben. Einige erwischten die Kurve besser und gelangten ohne grösseren Zeitverlust auf den unteren Teil der Rennstrecke. Spektakuläre Situationen mit gut gelaunten Sportlern auf ihren rasend schnellen Schlitten machten Spass beim Zusehen! Nach rund 90 Minuten war das Rennen gefahren und die Besucher und Sportler gaben sich dem gemütlichen Zusammensein bei Musik und Gaumenfreuden hin. Die Zeit zwischen Rennschluss und Rangverkündigung nutzte ich, um mich mit den Sportlern zu unterhalten. Einer erzählte, er sei heuer das erste Mal mit dabei gewesen und für das, was er hier erleben durfte gäbe es nur einen Ausdruck: «Eifach huerä geil!» Eine andere Fahrerin, die nur ausgeholfen hatte, weil der Schlitten-Partner ihres Freundes nicht anwesend war, setzte sich heute das aller-erste Mal überhaupt auf einen Horenschlitten. «Ich hatte schon etwas Angst vor dem Start», gestand sie. Sie belegte am Schluss mit ihrem Team Platz 19. Piste, Organisation und Rennbedingungen wurden durchwegs gelobt. Komplimente muss ich hier weitergeben an die Pisten- und Rennverantwortlichen, die ein Rennen durchführten, an dem es weder schlimme Stürze noch Verletzungen zu verzeichnen gab, dem Treichlerklub Oberwil, der an diesem Samstag Volksfeststimmung auf den Rossberg gezaubert hat und natürlich den Sportlern und Sportlerinnen, die sich mit Mut und Ehrgeiz auf ihren Horeschlitten den Hang runterstürzten und damit für Ruhm, Ehre, Gaudi und Spektakel sorgten.

Rangverkündigung und Siegerehrung

Gewonnen haben das Rennen bei den Damen Daniela Kobel mit Susanne Sommer mit einer Zeit von 1:28.79 und 6.69 Sekunden Vorsprung auf die zweitplazierten Heidi Ambauen und Moni Bachmann. Damit lagen zwei Schlitten der Beggrieder Hornschlittler vor den bestklassierten einheimischen Rosmarie Kropf und Karin Wäfler aus Oberwil, die das Ziel als dritte mit einem Rückstand von 9.33 Sekunden erreichten.

Bei den Herren gewannen die schon im Vorfeld als Favoriten gehandelten Schlittler aus Heiligchrüz die ersten beiden Plätze. Stefan Roos mit Bremser Nick Riedweg siegte mit einer Zeit von 1:14,64 und 1.39 Sekunden Vorsprung auf Hubert Schärli mit Beat Vogel. Dritte wurden Hermann Nebiker und Hanspeter Baumann von den Eigerfüchsen aus Grindelwald mit einem Rückstand von 3.47 Sekunden.

Schade sei gewesen, dass es verglichen mit früheren Rennen auf dem Rossberg mit bis zu 90 Schlitten, dieses Jahr viel weniger am Start hatte. Schade auch, dass der Nachwuchs fehlte und es nicht zuletzt so wenig Frauenteams hatte. Das Wetter war gut, die Piste hat gehalten. Der eine oder andere Sportler hätte sich einen zweiten Lauf gewünscht. Man hätte auch für Interessierte Schnupperläufe anbieten können, um dem einen oder anderen Zuschauer diese Sportart mit Spassfaktor näher zu bringen. Ich schreibe das hier deshalb, weil ich dank den Organisatoren eine solche Schnupperfahrt geniessen durfte. Ich wurde mit einem Helm ausgestattet, und mit dem Quad der SB Quadsport aus Oey-Diemtigen, zusammen mit meinem Steuermann und seinem Schlitten noch einmal bis zum Niderhornblick hinaufgebracht. Mir klopfte vor dem Start ordentlich das Herz, bevor wir in annähernder Rennmanier den Berg hinunter sausten. Es war toll! Ein grossartiges Erlebnis und eines meiner persönlichen Highlights des heutigen Tages! Das einigermassen geringe Zuschauerinteresse erstaunte mich angesichts der guten Stimmung heute auf dem Rossberg. Liebe Simmentalerinnen und Simmentaler, schaut Euch doch nächstes Jahr dieses Rennen auf dem Rossberg an, wenn ihr Lust dazu habt. Es ist das einzige seiner Art im Simmental und helfen Sie mit, diese traditionelle, rasante Sportart in unserem Tal zu erhalten. Nicht zuletzt deshalb, weil die sympathischen Oberwiler Horeschlittler gut mit den besten mithalten konnten. Die Frauen fuhren als 3. aufs Podest und die Männer schafften 4 Top-Ten Plätze mit den Rängen 5, 7, 9 und 10.

Mir gab das 11. Horeschlittenrennen auf dem Rossberg einen guten Einblick in eine Sportart, die ich heute kennen lernen durfte.

Zum Schluss möchte ich mich bei Toni Kropf und seinen freundlichen Mitarbeitern bedanken, die mir mit ihrer offenen Art diesen Einblick in ihren Sport gewährt haben und mich so toll unterstützt haben, um diesen Bericht zu schreiben und natürlich an meinen Steuermann, der mir meine erste Horeschlittenfahrt beschert hat und last but not least äs ‚merci vilmal’ an Stefan Boss, der mich an diesem Tag mit seinem Quad chauffiert hatte, und allen Anderen, die uns so freundlich begegnet waren. Kerem S. Maurer

Team Beggrieder schaffte die Schlüsselstelle problemlos

Team Beggrieder schaffte die Schlüsselstelle problemlos

Zieleinfahrt von Heidi Ambauen und Moni Bachmann von den Beggrieder Hornschlittler

Zieleinfahrt von Heidi Ambauen und Moni Bachmann von den Beggrieder Hornschlittler

Pistenbulli der Skilift Rossberg AG bringt die Horeschlitten an den Start

Pistenbulli der Skilift Rossberg AG bringt die Horeschlitten an den Start

Für alle Teilnehmer/innen gab’s ein Geschenk vom Veranstalter. Die ersten 10 dazu noch einen Früchtekorb und die ersten 3 gewannen eine Trophäe.

Für alle Teilnehmer/innen gab’s ein Geschenk vom Veranstalter. Die ersten 10 dazu noch einen Früchtekorb und die ersten 3 gewannen eine Trophäe.

Team aus Oberwil i.S.. Der Vordermann zieht beim Start den Schlitten

Team aus Oberwil i.S.. Der Vordermann zieht beim Start den Schlitten

Die Kufen werden geschmirgelt und gewachst bis sie spiegelglatt, geschmeidig und schnell sind.

Die Kufen werden geschmirgelt und gewachst bis sie spiegelglatt, geschmeidig und schnell sind.

Team Heiligchrüz 1. Der Hintermann schiebt den Schlitten beim Start an

Team Heiligchrüz 1. Der Hintermann schiebt den Schlitten beim Start an

Siegerehrung Herren: 1. Rang Stefan Roos und Nick Riedweg, Heiligchrüz 6; 2. Rang Hubert Schärli und Beat Vogt, Heiligenchrüz 1 (Vorjahressieger); 3. Rang Hermann Nebiker und Hanspeter Baumann, Eigerfüchse Grindelwald

Siegerehrung Herren: 1. Rang Stefan Roos und Nick Riedweg, Heiligchrüz 6; 2. Rang Hubert Schärli und Beat Vogt, Heiligenchrüz 1 (Vorjahressieger); 3. Rang Hermann Nebiker und Hanspeter Baumann, Eigerfüchse Grindelwald

Siegerehrung Damen: 1. Rang Daniela Kobel und Susanne Sommer, 2. Rang Heidi Ambauen und Moni Bachmann (beide Beggrieder Hornschlitter), 3. Rang Rosmarie Kropf und Karin Wäfler, Oberwil i.S.

Siegerehrung Damen: 1. Rang Daniela Kobel und Susanne Sommer, 2. Rang Heidi Ambauen und Moni Bachmann (beide Beggrieder Hornschlitter), 3. Rang Rosmarie Kropf und Karin Wäfler, Oberwil i.S.