Gygerrain Wald(hoch)haus – Meinung aus Distanz
Seit 37 Jahren besitzen wir eine Zweitwohnung in Faulensee und verbringen regelmässig längere Zeit hier. Das geplante Gygerrain-Projekt betrifft uns persönlich kaum – von unserer Liegenschaft aus ist das Hochhaus kaum sichtbar. Diese Distanz erlaubt uns eine nicht von Eigeninteressen geleitete Beurteilung.
Für die Umzonung der Wohnzone mit Strukturerhaltung (W2S) in eine Zone mit Planungspflicht (ZPP) verlangt das Raumplanungsrecht ein überwiegendes öffentliches Interesse. Dieses ist beim 29 m hohen Waldhaus (es wäre das erste in einer Bäuert überhaupt) nicht erkennbar. Das Projekt schafft ausschliesslich Eigentumswohnungen für eine sehr wohlhabende Klientel; eine verbindliche Erstwohnungsnutzung ist nicht vorgesehen. Es entsteht kein dringend benötigter Wohnraum für Normalverdienende. Die finanzielle Beteiligung der Gemeinde an einem privaten Luxusprojekt ist rechtlich heikel und schwer mit Gleichbehandlung und Gemeinwohl vereinbar.
Auch der Standort spricht gegen das Projekt. Ein Hochhaus am geschützten Bürgwald widerspricht der ortsbildprägenden kleinteiligen Struktur der Bäuert. Die verbindliche Waldabstandsgrenze zum sensiblen Naturschutzreservat am Steilhang würde unterschritten. Der Riedweg ist schmal, ohne Trottoir, die Distanz zu ÖV, Volg und Schule beträgt über 1,2km und das Quartier könnte die zusätzliche Verkehrsbelastung kaum aufnehmen. Die Verdichtung am geologisch anspruchsvollen Kalkhang wirkt weniger planerisch begründet als renditegetrieben.
Planerisch ist das Projekt ebenfalls widersprüchlich. Die Gemeinde Spiez sollte das Prinzip haben, dass Verdichtung primär im Ortskern mit gut ausgebauter Infrastruktur erfolgen soll – genau so, wie es sämtliche Studien empfehlen (sanfte Verdichtung). Das Bewilligen eines Einzelprojekts dieser Grössenordnung auf einer einzelnen Parzelle setzt ein heikles Präjudiz und unterläuft eine strategische Planung.
Am Ende stellt sich die Frage, ob das Renditeinteresse eines Investors höher gewichtet werden soll als die Interessen der Gesamtbevölkerung – nämlich Natur- und Landschaftsschutz sowie der Erhalt der bisherigen ortsbildprägenden Struktur der Bäuert. ,
Baden/Faulensee