Sommerwanderung von Pro Simmental

Vereins-Ausflug ans Simmewehr mit viel Wissenszuwachs

Die Schweiz gewinnt viel Strom aus Wasserkraft – das ist erneuerbare Energie. Für Fische jedoch sind Staumauern und Wehre ein Hindernis: Sie müssen in ihre Laichgebiete wandern können. Auch deshalb sind die Fischbestände in der Schweiz drastisch zurückgegangen. Um diese Wanderungen wieder zu ermöglichen, hat sich die Schweiz vorgenommen, alle Hindernisse an Wasserkraftwerken bis 2030 zu beseitigen. Ein ehrgeiziger Plan! Über diese Problematik wollten wir Näheres wissen und luden kurzerhand zu einer Wehrwanderung ein.

Von Kilian Gobeli

Die interessierten Teilnehmenden erfuhren von den beiden Referenten Roger Lüönd (3. von rechts) und Hanspeter Güntensperger (2. von rechts) viele neue Fakten über und um das Wehr.

Die interessierten Teilnehmenden erfuhren von den beiden Referenten Roger Lüönd (3. von rechts) und Hanspeter Güntensperger (2. von rechts) viele neue Fakten über und um das Wehr.

© Kilian Gobeli

Das Simmewehr gibt es seit 1906, in den 1980er-Jahren wurde es umfassend renoviert. Letzten Dezember wurde die Idee publik, dass das Stauwehr aus ökologischen Gründen zurückgebaut werden könnte. Die Wogen der Entrüstung schlugen hoch, einige Gemeinden sistierten gar die Mitarbeit am regionalen Gewässer-Richtplan.

Die Fischgängigkeit von Fliessgewässern ist seitdem wieder Thema, wenn auch diesen Sommer eher aus Trockenheitsgründen. Zu reden gab auch die grosse Summe Geld (rund 55 Mio. Franken), welche ein Abbau des Wehrs kosten würde: Abriss, Einbau einer Blockrampe im Flussbett und drunter noch eine Überleitung des Turbinenwassers aus dem Kraftwerk Simmefluh direkt in die bestehende Leitung in den Spiezmoos-Weiher (von dort fliesst das Wasser weiter zum Kraftwerk Spiez, wo es verstromt wird). Ein Teil der Summe wäre als Entschädigung für die Ertragseinbussen der BKW während der Bau- und Betriebszeit gedacht.

Einige denkbar Varianten scheiden schon aus: Fischtreppe und Umgehungsgerinne gehen nicht, weil es für den zu bewältigenden Höhenunterschied zu wenig Platz hat. Ein Fischlift jedoch könnte Tiere nach oben befördern. Dafür werden Fische via Strömung in eine Transportbox geleitet und oben entlassen. Die installierte Kamera merkt, wann wie viele Fische drin sind und welche Arten. An anderen Orten wird diese Aufstiegshilfe bereits mit Erfolg angewendet.

Eine bisher noch ungelöste Aufgabe ist aber der Fischabstieg. Wie kommen die Fische gesund die Wehre hinunter? Laut Roger Lüönd gibt es für den Fischabstieg an mittelgrossen Flusskraftwerken bis heute keine technisch ausgereifte Standardlösung. «Man kann bisher lediglich die Anzahl verletzter Fische reduzieren, indem man Gitter strömungsangepasst montiert», ergänzte Hanspeter Güntensperger. Er vertrat die fischereiliche Seite am Infoanlass von Pro Simmental. Der frühere langjährige Präsident der Pachtvereinigung Spiez weiss, was Fische wollen: «Die Bachforelle laicht im kiesigen Bachbett, wo viel Wasser durchströmt.» Zu erfahren war auch, dass Bachforellen bei Überpopulation in nahe gelegene Seen abwandern und nur zur Fortpflanzung den Fluss wieder hoch schwimmen.

Die Sachlage erscheint komplex und eine einfache Lösung ist nicht in Sicht. Durchaus möglich also, dass sich noch einige Kubikmeter Wasser im Stausee versammeln, um in der Leitung gen Spiezmoos zu fliessen. Hätten Sie gewusst, dass direkt am Wehr gar nicht grosse Mengen Strom gemacht werden? Nur von der kleinen Restwasser-Turbine am Fusse der Mauer.

Dieses Kleinkraftwerk ist der einzige Stromerzeuger am Wehr(!). Es wird mit der sogenannten Restwassermenge betrieben.

Dieses Kleinkraftwerk ist der einzige Stromerzeuger am Wehr(!). Es wird mit der sogenannten Restwassermenge betrieben.

© Hanspeter Güntensperger

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Erstellt:
25.09.2026, 00:30 Uhr
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