Architekturwettbewerb Les Arts Gstaad

Eine Holzskulptur als Wahrzeichen

Der Architekturwettbewerb für das Kulturzentrum «Les Arts Gstaad» hat einen klaren Gewinner. Herausragendes und mit dem ersten Rang prämiertes Projekt ist der Beitrag von Rudy Ricciotti. Der Vorschlag des international renommierten französischen Architekten schafft auf dem Baugelände eine einzigartige Holzskulptur. Er gliedert das grosse erforderliche Raumvolumen geschickt in die umliegende Topografie und Dörflichkeit ein und schafft für Gstaad einen neuen, markanten visuellen Bezugspunkt. Neben dem Siegerprojekt wurde ein zweiter Preis vergeben und weitere fünf Vorschläge hinsichtlich ihrem Beitrag zur herausfordernden Aufgabe gewürdigt, mitten im Dorf Gstaad hinter dem Bahnhofsareal ein Kulturzentrum zu realisieren.

Rudi Ricchiotti gewinnt den Architekturwettbewerb

Der konzeptionelle Ansatz des Projektes des französischen renommierten Architekten Rudy Ricciotti fesselt und verleitet zum Träumen. Er besteht aus einer sichtbaren organischen, wellenähnlichen Kubatur, die in Holz eingekleidet ist. Diese beinhaltet einen in seiner Ausgestaltung einzigartigen und spannenden Konzertsaal mit dem Charakter einer grossen Kristallgrotte. Alle weiteren Räumlichkeiten wie Kunsthalle, Foyer etc. sind unterirdisch angelegt und treten dadurch nicht in Erscheinung. Dadurch wird einerseits schonend mit der anspruchsvollen lokalen Topographie und dem Dorfumfeld umgegangen. Andererseits verstärkt diese Projekt-Anlage die Dramatik und Alleinstellung des Konzerthaus-Baukörpers deutlich. Der Wettbewerbsgewinner Rudy Ricciotti ist freischaffender Architekt im südfranzösischen Bandol. 1995 erhielt er einen Ruf als Professor an die Kunsthochschule Marseille. 2006 wurde er vom französischen Kultusministerium mit dem höchsten Architekturpreis Frankreichs geehrt. Ricciotti hat zahlreiche international beachtete Architekturprojekte umgesetzt. Dazu gehören zum Beispiel das Centre National de Choréografie in Aix en Provence oder das Palais des Festivals de la Mostra in Venedig oder die Neugestaltung des Nikolai-Saals in Potsdam. Rudy Ricciotti ist bekannt für aussergewöhnliche Bauten und ihre Integration in ein anspruchsvolles Umfeld.

Fünf weiteren Preise und ein Projektankauf

Die Jury hat fünf weitere Anerkennungspreise für diejenigen Projekteingaben vergeben, die die Aufgabenstellung besonders gut lösten. Sie würdigt damit diese Arbeiten als Lösungsansätze für die besonders herausfordernde Aufgabenstellung eines grossräumigen Bauprojektes mitten im Dorf und direkt auf dem Bahnhofgelände bei gleichzeitig hohem Anspruch an das inhaltliche und visuelle Resultat. Der aus diesen Arbeiten herausragende zweite Preis geht dabei an das Architekturbüro SLIK in Zürich, das zwei gegliederte Baukörper mit Reminiszenz zum Gstaader Festivalzelt schafft und ihnen durch Anordnung auf einer Terrasse das sichtbare Volumen nimmt. Mit einem Projektankauf anerkennt die Jury schliesslich neben den fünf Preisen ein weiteres Projekt, das eine Erschliessung des Geländes von einer anderen Seite vorschlägt.

Einundzwanzig zu bewertende Projekte

Die mit internationalen Persönlichkeiten der Architekturszene besetzte Jury wurde durch den Architekten und Architekturhistoriker Prof. Dr. Vittorio Lampugnani präsidiert. Ihr lagen insgesamt einundzwanzig Projekte zur Beurteilung vor. Sie stammten von Architekten aus neun Ländern. Bei der Gewichtung der eingereichten Arbeiten ging es darum, ein Projekt auszuwählen, das einerseits die inhaltlichen und funktionalen Anforderungen an das Bauprojekt erfüllt. Andererseits soll es Gewähr bieten, das Jahhundertbauwerk eines Konzert-, Kunst und Begegnungszentrums in Gstaad architektonisch so umzusetzen, dass es zu einer eigenen Marke werden kann. Dabei war die Beziehung zur umgebenden Landschaft und den kleinräumigen Dorfgebäuden speziell zu beachten.

Die nächsten Schritte

Rudy Ricciotti wird sein Projekt in Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft, unterstützt durch eine Delegation der Jury, weiter entwickeln. Insbesondere müssen die Fragen der FussgängerErschliessung von der Bahnhofseite und die Beziehung zum Aussenraum noch detailliert ausgearbeitet werden. Parallel dazu wurde die Finanzierung des Projektes in Angriff genommen. Markus Kappeler

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Erstellt:
08.02.2010, 11:00 Uhr
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