Grusswort und Dank von Roman Polanski

Am Filmfestival GstaadFilm, das am vergangenen Wochenende zum vierten Mal stattfand, gab es mehr als ein Highlight. Die Verleihung der Goldenen Kuh von Gstaad, die diesmal an die israelische Künstlerin Shelly Nadashi ging, war einer der Höhepunkte, mit dem das Publikum gerechnet hatte – das handschriftliche Grusswort von Roman Polanski dagegen war die grosse Überraschung.

Co-Festivalleiter Harald Reichenbach verlas eine handgeschriebenes Grusswort von Roman Polanski.

Co-Festivalleiter Harald Reichenbach verlas eine handgeschriebenes Grusswort von Roman Polanski.

Die vierte Ausgabe des Kurzfilmfestivals GstaadFilm begann am Freitag Abend mit einer grossen Überraschung: Co-Festivalleiter Harald Reichenbach konnte eine handschriftliche Depesche von Roman Polanski verlesen: «Ich bedauere es ausserordentlich, dass ich heute nicht anwesend sein kann, aber ich möchte den Festivalbesuchern einen sehr schönen Abend wünschen. Gerne nehme ich diese Gelegenheit auch wahr, um den Gstaadern für ihre Freundlichkeit und ihre Sympathie zu danken und für die Unterstützung, die ich immer von ihnen erhalten habe.»

Das Grusswort war für die Veranstalter von GstaadFilm eine besondere Ehre. Dies nicht zuletzt deshalb, weil er nach seiner Festnahme anlässlich des Zürich Film Festivals im vergangenen September Botschaften an die Öffentlichkeit skeptisch gegenüber steht. Selbst anlässlich der Preisverleihung des Silbernen Bären für seinen Film «Ghostwriter» im Februar hatte er keine persönliche Botschaft nach Berlin geschickt, wie sich dies die Veranstalter erhofft hatten.

Die Goldene Kuh geht nach Israel

In Anwesenheit der fünf nominierten Künstler wurden die 21 Filme des Festivalprogramms präsentiert. Ben Claremont (Australien), Jochen Kuhn (Deutschland), Mashaallah Mohammadi (Iran), Shelly Nadashi (Israel) und Masahiro Sugano (Japan) und nahmen die Gelegenheit wahr, ihre Werke mit ein paar persönlichen Worten anzukündigen.

Einer der Höhepunkte des Festivals war die Preisverleihung, die Marc Wehrlin übernahm. Der ehemalige stellvertretende Direktor des Bundesamtes für Kultur hatte als Mitglied der diesjährigen Jury gewirkt und freute sich, die Goldene Kuh von Gstaad persönlich zu überreichen. Überwältigte Siegerin war die 28-jährige israelische Künstlerin Shelly Nadashi, die in ihrem Experimentalfilm «Yellow Exercise» (»Gelbe Übung») verschiedene künstlerische Stilrichtungen zusammenführte. Ursprünglich als Live-Performance aufgeführt, traf der Film genau den konzeptionellen Nerv des Festivals, das keine professionellen Filmemacher zum Wettbewerb zulässt, sondern auf Filmer mit Künstlerbiographie fokussiert.

Der zweite Preis ging an den 21-jährigen Australier Ben Claremont, der in seinem Film «Eulogy» (»Grabrede») eine Sequenz von wenigen Sekunden zu einer siebenminütigen meditativen «Allegorie auf das Leben und die Vergänglichkeit» – so Claremont – ausdehnte. Ein Taubenschwarm, durch einen rennenden Mann aufgeschreckt, flattert auf und lässt sich wieder nieder – im Grund unspektakulär, doch in Zeitlupe sieht man zum ersten Mal, wie kraftvoll und majestätisch sich ein Taubenvogel in die Lüfte schwingen kann.

Die Erwartungen wurden mehr als erfüllt

Die Veranstalter zogen eine positive Bilanz der vierten Ausgabe des Festivals. «Unsere Erwartungen haben sich mehr als erfüllt. Wir hatten deutlich mehr Zuschauer als bei der letzten Ausgabe, und viele haben sich das Programm sogar mehrmals angesehen. Dass alle nominierten Künstler anwesend sein konnten, war für das Publikum sicher auch eine grosse Bereicherung. Und dann noch das Grusswort von Roman Polanski - was will man mehr?», strahlte Co-Festivalleiter Beat Michel am Samstag Abend.

Der Gstaader Club Split diente an den beiden Festivaltagen als Treffpunkt und Partylokal. Die Film-Projektionen des Berner Videokünstlers Peter Aerschmann sorgten dafür, dass auch ausserhalb des Kinosaals alle Zeichen auf Filmkunst standen. PD/GstaadFilm

Co-Festivalleiter Harald Reichenbach verlas eine handgeschriebenes Grusswort von Roman Polanski.

Co-Festivalleiter Harald Reichenbach verlas eine handgeschriebenes Grusswort von Roman Polanski.

Die fünf Nominierten entdeckten ihre Liebe zu Gstaader Kühen: Mashaallah Mohammadi, Shelly Nadashi, Ben Claremont, Jochen Kuhn und Masahiro Sugano (von links) in Gstaad.

Die fünf Nominierten entdeckten ihre Liebe zu Gstaader Kühen: Mashaallah Mohammadi, Shelly Nadashi, Ben Claremont, Jochen Kuhn und Masahiro Sugano (von links) in Gstaad.

Die fünf Nominierten entdeckten ihre Liebe zu Gstaader Kühen: Mashaallah Mohammadi, Shelly Nadashi, Ben Claremont, Jochen Kuhn und Masahiro Sugano (von links) in Gstaad.

Die fünf Nominierten entdeckten ihre Liebe zu Gstaader Kühen: Mashaallah Mohammadi, Shelly Nadashi, Ben Claremont, Jochen Kuhn und Masahiro Sugano (von links) in Gstaad.

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Erstellt:
15.03.2010, 00:00 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 29sec
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