Es war einmal…

…eine Schweizer Post, zu der man mit Achtung aufschaute! Heute ist davon nicht mehr viel vorhanden, der Umwandlung in eine kapitalistische Aktiengesellschaft sei Dank! Wie sehr der Schreibende die Macht des gelben Riesen zu spüren bekam, erfuhr er am ersten Tag nach der Schliessung der Poststelle Erlenbach. Als nicht extrem obrigkeitshöriger Bürger liess ich es drauf ankommen, meinen Briefkasten nicht sofort an unser Strässchen zu transferieren.

Doch nach jahrelangem Gratismieten eines Postfachs konnte ich mich nicht dazu entschliessen, von nun an der Post jährlich 240 Franken für ein solches zu bezahlen. Aber siehe da, der Briefkasten war am Montag leer und die Nachfrage im Volg-Laden ergab dann, dass ich keine Postzustellung mehr erwarten könne, wenn der Briefkasten nicht nach den Forderungen der Post angebracht werde. Argumente, auch bei zwei Häusern an der Hauptstrasse seien die Briefkästen noch am Hause und nicht an der Strasse montiert, wurden nicht gelten gelassen, ergo eine eindeutige Rechtsungleichheit!

Der Schreibende erinnert sich noch gut an seine Schulzeit zurück, wo sein Taufpate, damals Briefträger bei Posthalter Peter und später bei Minnig, am 25. Dezember (!) jeweils auf seiner Tour das Weihnachtsgeschenk in Form eines Fünflibers vorbeibrachte!

Heute können Postkunden, die keinen Internetanschluss haben – selber bezahle ich meine Rechnungen schon seit Jahren online und trage eine gewisse Mitschuld am jetzigen Malaise! – keine Geldüberweisungen mehr am Schalter des Volg-Ladens tätigen. Die Post betrachtet diese Leute offenbar als aussterbende Spezies, die man gut als Quantité négligeable behandelt kann. Wenn man den Aussagen des eben in Pension gegangenen Posthalters in Oey glauben darf, gibt es bis in etwa sieben Jahren auch dort keine Post mehr. Also müssen Postkunden vom ganzen Niedersimmental dannzumal nach Spiez reisen, um eine Geldzahlung am Postschalter erledigen zu können! Gottfried Aegler, Erlenbach

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Erstellt:
21.01.2016, 00:00 Uhr
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