Kommentar von Ruth Oehrli, Berner Oberländer vom 1.2.2010

Totengräber des Akutspitals…

Als solche werden im Kommentar von Ruth Oehrli im Berner Oberländer vom 1. Februar diejenigen Bürger bezeichnet, die sich «erdreisten», kritische Fragen zu einem vom ersten Moment an unprofessionell und mangelhaft geführten Prozess der Spitalstandortwahl zu stellen, diese Vorgehensweise an sich zu hinterfragen und sachlich berechtigte, durchaus realisierbare Gegenvorschläge zumindest zur Überprüfung vorzuschlagen.

«Alle längst bekannten Fakten…» Wem waren diese Fakten bisher denn längst bekannt? Wer hat bisher die Öffentlichkeit denn einmal korrekt und umfassend orientiert? Sind hier nicht erhebliche Versäumnisse geschehen, wenn im November bereits der Standort «Bergmatte» in Saanenmöser als definitiv beschlossen aus der Presse zu entnehmen war, obwohl z. B. selbst zum jetzigen Zeitpunkt noch keinerlei Zahlen zur Erschliessung auch nur angedeutet wurden (warum wohl nicht)?

Tatsachen sind u. a.: es wurde eine von über 11 000 Unterschriften getragene Petition glattweg übergangen; für das in Zweisimmen für einen Spitalneubau zur Verfügung stehende Land wurde nicht einmal angefragt; die Vermutungen bezüglich der zu erwartenden Fallzahlen aus dem Pays-d’Enhaut sind nicht auf seriöse Abklärungen gestützt; in Saanenmöser wird nicht in erster Linie darüber gestritten, wer durch den Verkauf von Landwirtschaftsland «zum grossen Geld» kommen wird: es handelt sich bei den beiden Standorten «Bergmatte» und «Lanz» schlichtweg um solche Standorte, die jeder vernünftigen Grundlage entbehren und die bereits aus heutiger Sicht keinesfalls in nützlicher Frist (sprich vor Ablauf der Deadline über das entsprechende Kreditbegehren bei SIF) umgezont und erschlossen werden können.

Die vermutete «bessere Akzeptanz» des «Standorts Bergmatte» ist bisher lediglich vom Dorfverein Saanenmöser unter ihren Mitgliedern sowie den Einwohnern von Saanenmöser erhoben worden mit dem Ergebnis, dass der Dorfverein dafür harsche Kritik und Schelte von Vertretern der Bergregion über BDG und GST und nicht zuletzt vom Gemeinderat selbst einstecken musste. Das lässt tief blicken – wo bleibt hier eigentlich das Grundrecht des Bürgers auf freie Meinungsäusserung?

Wird es nicht vielmehr so sein, dass massive Schlamperei im Vorfeld sowie unerträgliche Arroganz und fehlende Einsicht bei den involvierten Stellen dazu führen wird, dass wir schlussendlich ohne Akutspital dastehen werden, was die Gegner des «Standortes Bergmatte» im übrigen sehr bedauern, den «Schwarzen Peter» dafür aber in jedem Fall wohl kassieren werden.

Um mit einem Zitat von Aldo Kropf zu schliessen: «Pech gehabt, Ihr nachfolgenden Generationen…»

Urs & Susanne Schwenter-Wolff,
Saanenmöser

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Erstellt:
10.02.2010, 17:00 Uhr
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