«Zero-Marketing»

Zum Glück wohne ich an bevorzugter Lage, von wo aus mein Blick direkt auf den Rinderberg fällt. Mühelos sehe ich, ob die Gondelbahn fährt und welche Sektionen noch betrieben wer-den, ja ich erkenne sogar, wie schnell die Anlage läuft. So werde ich quasi auf Sichtweite motiviert, möglichst oft am attraktiven Zweisimmer Hausberg meine Bögen zu ziehen.

Nicht so der Schneesportler aus dem Unterland. Da dieser das Skigebiet von Zuhause aus nicht zu erblicken vermag, orientiert er sich an den Werbeauftritten. Und da wird ihm aus dem weissen Hochland wenig geboten. Während die Ski-Arena Adelboden-Lenk zur besten Sendezeit repetiert: «Wier tüe eifach alls für üser Gescht», vernimmt er zum Thema Gstaad Mountain Rides höchstens unschmeichelhafte Kommentare zur Fi-nanzlage.

Zugegeben, die Sanierung der Bergbahnen ist eine riesige Herausforderung, sie gleicht der Quadratur des Kreises. Während die Einen Gas geben und dreistellige Millionenbeträge, über die sie gar nicht verfügen, investieren wollen, setzen die Anderen auf Sparen. Der geniale Sanierer, der den bestmöglichen Ausweg aus dem Dreieck von Betriebsökonomie, Gemeindeinteressen und Kundenkomfort findet, grüsst weiterhin aus weiter Ferne. Von den vielen teuren Beratungsmandaten jedenfalls ist nichts geblieben.

Am Marketing für’s «weisse Hochland» (heute Gstaad Mountain Rides) fehlt es allenthalben. Für den Erfolg braucht es aber die Massen, sie sind entscheidend für die finanzielle Zukunft. Eine handvoll Gutbetuchte sind wohl willkommene Steuerzahler, sie bringen aber zu wenige Sektionsfahrten, auch wenn ihr Tag sogar 25 Stunden hätte. So scheint halt Sparen das Gebot der Stunde. Der Zubringer in St. Stephan und der Birmooslift gehören zu den ersten Opfern. Auch das Marketing scheint nicht ungeschoren davon zu kommen.

Hoffentlich geht es der BDG AG nicht so wie dem Bauern, der seine letzte Kuh hergeben musste, um die Melkmaschine zu bezahlen. Christoph Gerber, Givisiez

Zum Artikel

Erstellt:
09.01.2014, 00:00 Uhr
Lesedauer: ca. 1min 56sec
Kommentare