Gedanken zu Ostern: «Spürst du es auch?»

Es ist spür-, erkenn- und unübersehbar. Wer in den letzten Wochen das Simmental hinauf- oder hinuntergefahren ist, hat sie gesehen. Jung und Alt sind ab der historischen Leistung von Franjo von Allmen begeistert. Die Begeisterung und auch der Stolz zeigen sich in all den Plakaten, Fahnen und Spruchbändern: 3x Olympiagold bei denselben Olympischen Spielen. Das ist unglaublich!

Von Samuel Humm

Das «Läbereblüemli» als kleine/feine Botschafterin des wiederkehrenden Lebens.

Das «Läbereblüemli» als kleine/feine Botschafterin des wiederkehrenden Lebens.

Meine Begeisterung damals war auch riesig. Als Teenager liess ich mich mit hineinnehmen ob der Euphorie über die damals historische Qualifikation der Fussball-Nati im Jahr 1994 für die WM in den USA. Wenn ich mit anderen darüber ins Gespräch komme, ist meine Begeisterung noch heute spürbar. So wie auch die Euphorie über die Erfolge von Franjo noch ein paar Jahrzehnte nachhallen wird.

Egal wie historisch diese Ereignisse sein mögen, spätestens nach ein paar Generationen flacht diese Begeisterung ab. Und mit meinem eigenen Sterben hier auf Erden, stirbt auch meine Begeisterung. Vielleicht habe ich sie meinen Kindern weitergegeben, aber sie werden niemals mit denselben Emotionen sich an meine Erzählungen erinnern, wie ich damals selbst die Euphorie mitgetragen habe. Irgendwann ist das Ereignis zwar noch historischen Ausmasses, doch es bewegt nichts mehr. Im besten Fall noch ein anerkennendes Bejahen. Vielleicht noch ein Auswendiglernen von Daten, im Zusammenhang mit den Ereignissen, aber die Ereignisse von damals bleiben wirkungs- und kraftlos.

Damals, nicht vor ein paar Jahrzehnten, sondern vor über 2000 Jahren, mischte sich zur Begeisterung auch noch Staunen und Furcht. Die Frauen am leeren Grab von Jesus am Ostersonntag (beschrieben in der Bibel zum Beispiel in Markus 16,1–7). Die Bibel berichtet, dass Jesus seinen Jüngern mit den Worten «Friede sei mit euch» erschien (Johannes 20,19–21). Wie wohlklingend tönt dieser Satz in meinen Ohren im Jahr 2026.

«Friede sei mit euch»… aber da regen sich in mir spontan gedankliche Widerstände. Frieden kann ich also nicht produzieren. Frieden ist etwas, das ich mir selbst schenken lassen muss/darf. Und ist dieser Satz nicht bloss leere Religion, ein Auswendig-Lernen eines Ereignisses, das wir zwar jährlich feiern, aber in sich wirkungs- und kraftlos wurde?

Ostern löst in mir ein Spannungsfeld aus. Das Fest des Lebens, der Freude, der Furchtlosigkeit, ja, der Auferstehung. «Friede sei mit euch»! Im Bewusst-Werden, was dieser Satz bedeuten könnte, erkenne ich, wo die (Lebens)Freude fehlt. Ich entdecke um mich herum und erkenne auch in mir, wo kein Friede ist, die Begeisterung für das Leben der Verzweiflung Platz gemacht hat und wo Staunen und dem Sich-Berühren-Lassen einer inneren Abkapselung, depressiven Verstimmungen und Einsamkeit gewichen ist.

Genau da ist die Kraft der Auferstehung dringend nötig. Die Kraft, welche wieder neues Leben schenkt, neu belebt und einen neuen Geist einhaucht, um wieder Begeisterung zu empfangen, die wäre dringend notwendig. In mir, in unserer Gesellschaft, in der Welt. Aber ich kann es nicht «machen». Ich kann mir «Frieden sei mit euch» nur schenken lassen. Wo ist sie denn, diese «Kraft der Auferstehung»?

Etwas, das mich hoffnungsvoll stimmt, ist die Tatsache, dass die Begeisterung über die Auferstehung von Jesus, mit dem Ableben der ersten Zeugen und den nächsten paar Generationen, nicht verpufft ist. Diese Begeisterung ist also nicht menschlichen Ursprungs, sondern hat göttlichen Charakter. Wäre das Ostern-Fest bloss ein Datum, ein Ereignis von damals, so würden wir uns heute nicht daran erinnern. Die Erinnerung wäre längst ausgestorben – auch wenn es ein historisches Ereignis war.

Aber durch all die Jahrhunderte und Jahrzehnte haben Menschen erlebt, dass der Inhalt des Ostern-Festes nicht zu reduzieren ist auf damals und auf ein einziges Ereignis. Der göttliche Zuspruch «Friede sei mit euch» erklingt noch heute in jedes Land, jedes Tal, jedes Dorf, jedes Haus und in all unsere Herzen. Frieden trotz allem, in allem und gerade wegen all dem, wo der Frieden fehlt. Staunen, Begeisterung und auch Freude darf unseren Glauben über die Auferstehungsbotschaft nähren.

«Frieden» kann ich nicht machen, aber ich bin eingeladen, ihn mir schenken zu lassen. Ich kann mich und auch dich ermutigen, gerade an Ostern uns aufzumachen, uns dem auferstandenen Christus zu zuwenden und zu erbitten, dass seine Botschaft «Friede sei mit euch» heute mein und dein Herz erfüllen mag.

Seid herzlichst gegrüsst,

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Erstellt:
05.04.2026, 00:30 Uhr
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