Ein gelungenes Beispiel von Waldrandpflege
Im «unteren Chaltenbrunnen», einer steilen Waldlichtung im Boltiger Grydwald stellten die Vertreter der Waldabteilung 2 und der Ortsbäuert Boltigen das Werk der gemeinsamen Zusammenarbeit in Sachen Biodiversität vor. Achtzig Aren Waldrand wurden dort nach ökologischen Vorgaben gestaltet und werden nun aktiv betreut.
Der Revierförster Heinz Jost (links) und der Holzpräsident der Ortsbäuert Boltigen zeichneten für das Aufwertungsprojekt verantwortlich.
2010 ist das UNO-Jahr der Biodiversität. Der Ursprung für Massnahmen im Bereich der Erhaltung und der Wiederherstellung der Biodiversität geht aber auf eine Konferenz der Umweltminister von 2003 in Kiew zurück. In der ukrainischen Hauptstadt wurde vor sieben Jahren eine Deklaration mit der Zielsetzung verabschiedet, den Verlust der Biodiversität bis ins Jahr 2010 zu stoppen. Der Kanton Bern leitete 2008 seinerseits ein Aktionsprogramm ein, das unter anderem die Pflege der Waldränder postulierte. Mit geeigneten Massnahmen soll dem Rückgang der Tier- und Pflanzenvielfalt Einhalt geboten werden. Diese Vorgaben erläuterte Oberförster Christian von Grünigen an einer Medien-Information in Anwesenheit des zuständigen Revierförsters und des Vertreters der Ortsbäuert Boltigen.
Boltigen als gutes Beispiel
Jetzt können die Verantwortlichen auch im Simmental Resultate vorweisen. Dank dem Einverständnis der Ortsbäuert Boltigen als Wald-, bzw. Grundbesitzer konnte Revierförster Heinz Jost von der Waldabteilung 2 des Kantons Bern in einer Waldlichtung im Boltiger Grydwald ein beispielhaftes Projekt umsetzen. Im ideal abgelegenen, schwer zugänglichen, von Wander- und Bikewegen und von Outdoorsportarten verschonten und deshalb sehr ruhigen «unteren Chaltenbrunnen» fand sich ein Superstandort für die von den Forstorganen geleiteten Massnahmen. Diese bestanden darin, den heiklen Saum zwischen dem Kulturland und dem eigentlichen Wald – noch durchsetzt mit Lotharschäden – mit verschiedensten Pflanzen, Sträuchern und Bäumen zu gestalten und so weiteren Lebensraum für Vögel, Insekten, Käfer, und Reptilien zu schaffen. Eine wichtige Funktion kam dabei Heinz Burri, dem Holzpräsidenten der Boltiger Ortsbäuert zu. Er leistete bei den fünfzig Mitgliedern viel Überzeugungsarbeit, erwirkte die Zustimmung der Bäuertversammlung und stand den Forstorganen mit seinen Kenntnissen zur Seite. Für die Forstorgane sind die Grundeigentümer die eigentlichen «Schlüsselpersonen».
Der «Neuntöter» ist wieder da
Als Folg der Massnahmen zieren nun kleinste Eichen (deren Rinde später als Brut- und Rückzugsorte für Kleinlebewesen dient), junge Vogelbeersträucher (als Nahrungsvorrat für sechzig Vogelarten), Fichten (als Deckung im Winter), kleine Ahorne (Aussichtsplattformen für den Mäusebussard) und Pappeln (als Pionierholz und Brutstätte für Spechte, Höhlenbrütler und Fledermäuse) den zwanzig bis dreissig Meter breiten Waldsaum.
In diesem Übergangsbereich finden sich auch verschiedene Dornbüsche, die dem «Neuntöter» für das Aufspiessen seines Nahrungsvorrats (Grossinsekten, Heuschrecken, usw.) dienen. Dem Heckenbrütler – einer in Kulturlandschaften arg dezimierten Vogelart – gefällt es offensichtlich in den Waldsäumen des Grydwaldes. Revierförster Heinz Jost konnte auf die verschiedenen «luftgetrockneten» Beutetiere des kleinsten europäischen Würgers hinweisen.
Gut auch für die Landwirtschaft.
Für die Landwirtschaft ergeben sich mit den sich nur allmählich in die Höhe reckenden Waldsäumen ebenfalls Vorteile. Holzpräsident Heinz Burri dazu: «Die eben gemähte Lichtung ist jetzt viel besser besonnt als vorher und als Nebeneffekt floss auch etwas Geld in die Bäuertkasse. Die «Zurverfügungstellung» des Waldrandes und die Durchführung der notwendigen Massnahmen konnten so in etwa finanziert werden. Das Anmeldeverfahren für interessierte Landwirte ist einfach, ein Formular dient der Antragstellung, der Bewilligung und für die Abrechnung. Noch hat es Unterstützungsmittel für die Aufwertung von geeigneten Waldflächen. Die im Kanton Bern festgelegten Ziele sind ehrgeizig. 210 Hektaren Waldränder möchte man bis 2011 nachhaltig ausgestalten und pflegen. «Wer einen geeigneten Waldrand anbieten kann, wird fast sicher zum Zug kommen» richtet Oberförster Christian von Grünigen einen Appell an die Landwirte und blickt dabei auf die vielen Waldsäume auf der gegenüberliegenden Talseite zwischen Jaunpass und Mittagfluh. Ernst Hodel
Forstorgane und der Vertreter der Grundeigentümer am aufgewerteten Waldsaum im «Unteren Chaltenbrunnen» des Grydwaldes.