Seit den 1970er-Jahren breiteten Wildschweine sich in der Schweiz immer mehr aus

Die Wildschweine bis in die hohen Berge

Spät wanderten die Wildschweine wieder in die Schweiz ein – noch später kamen sie dann auch im Simmental an: Erstmals wurde im 20. Jahrhundert in Boltigen eines erlegt. Sie sind wieder da.

Von Hans-Ueli Hählen

So werden die Alpweiden umgepflügt.

So werden die Alpweiden umgepflügt.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren Wildschweine in der Schweiz kaum ein Thema und vor allem im Elsass, im südlichen Deutschland und in den Oststaaten heimisch. Um 1850 galten sie als weitgehend ausgestorben. Sie wurden zum Teil sogar ausgerottet, indem sie mit vergifteten Ködern angelockt und getötet wurden. Eher als Ausnahme kann zur Kenntnis genommen werden, dass in den 1930/40er-Jahren, organisiert durch den Jägerverein Obersimmental, im Simmental, in der Gemeinde Boltigen, erstmals ein Wildschwein erlegt wurde. Hierzu existiert sogar noch ein Foto. In dieser Zeit konnten im Gebiet Erlenbach– Diemtigtal ebenfalls solche Tiere beobachtet werden, die jedoch nicht weiter gejagt wurden. Somit begaben sich Schweizer Jäger immer wieder ins nahe Ausland, um auf Wildschweine zu jagen.

Ab den 1970er-Jahren wanderten diese Wildtiere dann immer häufiger in die Schweiz ein und breiteten sich rasch aus. Wie ein einheimischer Jäger berichtete, sichtete er bereits in den 1980er-Jahren Wildschweine auf dem Rezliberg und konnte dann im Jahr 2023 in diesem Gebiet schliesslich einen Keiler erlegen.

Wieso kommt dieses Flachlandwild nun in die Berge

Mais ist eine der Lieblingsspeisen von Wildschweinen. In früheren Zeiten wurde Mais in der Schweiz nur im Unterland angepflanzt und in den Bergregionen noch kaum. Aufgrund des Klimawandels mit dem weniger kalten Winterwetter wird dieses Lebens- und Futtermittel jedoch immer häufiger angebaut, nun auch vermehrt in den Bergtälern. Dies könnte ein Grund dafür sein, dass die Tiere dies bemerkt haben und somit in höhere Lagen vordringen. Neben dieser Möglichkeit kann sicher auch das immer mildere Klima ein Grund dafür sein, dass immer mehr ganze Rotten bis über 2000 Metern über Meer bemerkt werden.

In Notlagen, beispielsweise wenn sie angeschossen oder durch das Treiben in die Enge getrieben werden, sind Wildschweine brutale und gefährliche Tiere. Eine Bache, also eine weibliche Sau, kann weit über 50 Kilogramm wiegen, ein Keiler, ein männliches Tier, sogar 100 bis 200 Kilogramm oder mehr. Es sei schon mehrmals vorgekommen, dass die Borstentiere Menschen und Treibhunde angegriffen haben – teils mit schwerwiegenden Folgen. Erstaunlich ist auch, dass ein Wildschwein einen Luchs im direkten Kampf verletzten oder sogar töten kann, auch wenn solche Vorfälle selten sind.

Die Folge

Wie der Jäger berichtet, hat das Aufkommen der Wildschweine in den Alpen auch negative Auswirkungen. Neben Mais lieben diese Allesfresser besonders auch Würmer und Engerlinge. Dabei umpflügen sie grosse Teile schöner Wiesen und Alpweiden, um diese Leckerbissen zu finden. Selbst auf dem Bummeregrat auf 2150 m ü. M., der Grenze zwischen Adelboden und der Lenk, mussten solche Landschäden festgestellt werden.

So müssen wir in Zukunft mit diesen Wildschweinen leben. Die Jäger, die in der offenen Jagdzeit zwischen dem 1. August und Ende Januar jagen dürfen, freuen sich, wenn sie gelegentlich ein solches Tier erlegen können und hierfür nicht in das Ausland fahren müssen.

Die in Boltigen erlegte Wildsau in den 1930/40er-Jahren.

Die in Boltigen erlegte Wildsau in den 1930/40er-Jahren.

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Erstellt:
04.09.2026, 00:30 Uhr
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