Hahnenmoos – mit Erlebnisgastronomie in die Zukunft
Dieses Frühjahr wurden auf dem Hahnenmoospass die Arbeiten zur Erweiterung des Berghotels in Angriff genommen. Neu entsteht ein Anbau für ein Restaurant mit 400 Sitzplätzen und einem Free Flow Bereich. Teile des bestehenden Restaurants werden umgestaltet. Die Küche wird völlig neu mit der modernsten Infrastruktur eingerichtet. Den Sommer über wird der Betrieb im alten Berghaus aufrechterhalten. Die Eröffnung des umgebauten Hotels ist auf den Beginn der Wintersaison 2010/11 vorgesehen.
Das Hotelier-Ehepaar Bernhard und Marianne Spori zusammen mit Architekt Hans Grünenwald aus der Lenk vor dem Rohbau des Restaurants.
Mut beweist das Hotelier-Ehepaar Bernhard und Marianne Spori: Mitten in der Finanzkrise wurde der Entscheid gefällt, den seit längerem gehegten Traum zur Erweiterung ihres Berghotels zu verwirklichen. «Der Betrieb genügte den heutigen Anforderungen nicht mehr», meint Bernhard Spori, «an Tagen mit Grossandrang standen wir einander im Weg; das Platzangebot war an schönen Wintertagen nicht ausreichend, für die Waren hatte es zu wenig Stauraum. Im Gebiet Adelboden-Lenk sind neue Bahnen und Hotels entstanden, dementsprechend hat die Zahl der Gäste zugenommen. Deren Bedürfnisse sind ebenfalls gestiegen. Aus diesen Gründen haben wir uns entschlossen, antizyklisch zu reagieren und eine grosse Summe zu investieren, um unsere Gäste im Restaurant und Hotel besser und schneller bedienen zu können».
Ursprung der Herberge im Jahre 1905
Der Hahnenmoospass wurde in alter Zeit rege als Verbindung zwischen Adelboden und Lenk benutzt. 1681 wurde der Pass beschrieben als «Reyfpass oder Reyfstrasse». «Reyf» stand als Begriff für «La Rive», was die milden Gestade des Genfersees meinte. Von dort wurde nämlich von Säumern der Weisswein hertransportiert, der den Einheimischen besser mundete als der «saure Spiezer» der Herren von Erlach vom Schloss Spiez. Aktenkundig ist auch, dass gegen Ende des 19. Jahrhunderts Vieh über das Hahnenmoos getrieben wurde.
1905 erbaute ein Frutiger die erste Passherberge, die später von zwei Adelbodnern erworben wurde. Nach dem 1. Weltkrieg ersteigerte die Berner Handelsfirma Stuker & Zesiger das Haus, die es sofort wieder weiter verkaufte. Der neue Eigentümer hiess Jakob Reichen-Zeller, der Grossvater des heutigen Besitzers Bernhard Spori.
Der Plan, eine Eisenbahnverbindung von Montreux über die Lenk, das Hahnenmoos und Adelboden bis nach Frutigen und weiter zu erstellen, zerschlug sich. Einkäufe mussten nach wie vor zu Fuss oder mit dem Pferd nach der Lenk oder nach Adelboden erledigt werden, was jeweils fast einen ganzen Tag in Anspruch nahm.
Aufkommender Tourismus bringt Aufschwung
Der Tourismus brachte auch dem Berner Oberland neue Touristen, die Unterkunft und Verpflegung brauchten. 1928 erweiterte Jakob Reichen sein Berghaus von 10 auf 20 Zimmer. Die Besucher konnten sich bereits 1935/36 von Adelboden her von Geils aufs Hahnenmoos bequem befördern lassen: Der Framschlitten war eine Art Pendelbahn, ein Fahrzeug war bergwärts, das andere talwärts in Bewegung. 1954/55 wurde er durch eine Zweier-Sesselbahn ersetzt. An der Lenk bestanden auch Pläne für eine Bahn vom Bühlberg aufs Hahnenmoos; doch wurde einem andern Standort der Vorzug gegeben, nämlich dem Betelberg.
Die Strasse von Adelboden nach Geils war in schneereichen Wintern eine Herausforderung: Es dauerte manchmal Tage, bis «Peter» (die Schneeschleuder mit Raupen) den Weg für die Autobusse freigemacht hatte. An Spitzentagen pendelten bis zu 30 Busse von Adelboden nach Geils. Das vorderste Fahrzeug einer Kolonne hatte jeweils ein Funkgerät; ein Mann mit dem Funkcodenamen «Hannibal» sass im Büro oder in einem der Restaurants und gab den Bussen Anweisungen, bei welcher Ausweichstelle wie viele Busse kreuzen sollten.
Initiative Unternehmer aus der Lenk finanzierten und bauten 1961 einen Skilift vom Bühlberg aufs Hahnenmoos. Dies war die eigentliche Geburtsstunde der Skiregion «Adelboden-Lenk».
Schule auf dem Hahnenmoos
1966 bauten Bernhard Sporis Eltern ein neues Berghotel – das alte Berghaus wurde im 1. Stock umfunktioniert zu einem Schulhaus. Im einen Raum war die Schulstube, im andern die Turnhalle. Eine Lehrerin zügelte im Winter sogar mit ihren Kindern aufs Hahnenmoos, so dass manchmal bis zu 15 Kinder auf 1960 m ü. M. unterrichtet wurden. Eine Schule der andern Art wurde 1970 gegründet: die Modellflugschule Hahnenmoos. Jedes Jahr kommen viele Modellflugpiloten und pflegen ihr Hobby.
Schritt in die Zukunft
Fast 100 Jahre nach dem Bau der ersten Herberge wird nun der Erweiterungs- und Umbau des bestehenden Hotels realisiert. Im Neubau entsteht ein grosses Restaurant auf verschiedenen Ebenen mit verschiedenen Bereichen und einer vorgelagerten grossen Sonnenterrasse. Völlig neu konzipiert wird die Selbstbedienung: Im Free Flow Bereich kann sich der Gast (wie bei vielen Autobahnrestaurants) frei bewegen und sich an verschiedenen Stationen dasjenige Essen und Trinken aussuchen, das ihn «gluschtet». Köche bereiten an Stationen wie z. B. «Pasta», «Asia», «Grill» etc. die Speisen aus frischen Produkten direkt vor dem Gast zu.
Dass ein solches Projekt eine grosse Herausforderung für die Bauherrschaft ist – vor allem aber für den Architekten, den Ingenieur und die Handwerker – ist klar. Erschwerend kommen die Umstände hinzu: Die Bauzeit ist wegen der Höhenlage auf eine kurze Zeit beschränkt, die Zufahrt ist – je nach Witterung gerade für die Unternehmer aus der Lenk – oft ein Abenteuer. Auf die Frage, warum ausgerechnet Architekt und Ingenieur aus der Lenk stammen, antwortet Bernhard Spori: «Das ist eine Frage des Vertrauens. Hans Grünenwald hat schon unser Privathaus auf dem Hahnenmoos gebaut. Für uns muss nicht nur das Fachliche stimmen, sondern auch das Menschliche.» Und Hans Grünenwald, der verantwortlich zeichnet für Architektur und Bauleitung, meint: « Dieses Bauvorhaben ist aus verschiedenen Gründen sehr anspruchsvoll; aber dank des grossen Einsatzes der Handwerker von Adelboden und der Lenk sind wir trotz des langen Winters im Zeitplan. Falls nichts Unvorhergesehenes geschieht, kann zu Beginn der Wintersaison wie geplant eröffnet werden. Ich bin in dieser Hinsicht zuversichtlich.»
Die Besucher freuen sich bestimmt auf das moderne, aber doch gemütliche neue Hotel Hahnenmoos. Kathrin Moilliet