Kultur am Oberstufenzentrum

Im Rahmen eines Projektes, das dem bernischen Erziehungsdirektor Bernhard Pulver besonders am Herzen liegt, wird am Oberstufenzentrum Lenk den Schülern Kultur von professionellen Kunstschaffenden näher gebracht. Das vom Amt für Kultur lancierte Verrmittlungsangebot TANZkompakt soll den Jugendlichen Zugang zu zeitgenössischer Tanzkunst verschaffen und sie die eigene Körperlichkeit erfahren lassen, wie einer Mitteilung des Erziehungsdirektors zu entnehmen ist.

Die Kunstschaffenden Cristine Teuscher und Franz Klee arbeiten mit Lenkern Jugendlichen im Rahmen des Projekts TANZkompakt.

Die Kunstschaffenden Cristine Teuscher und Franz Klee arbeiten mit Lenkern Jugendlichen im Rahmen des Projekts TANZkompakt.

Als Auftakt zum neuen Schuljahr hatten alle vier Klassen der Oberstufe Lenk an zweieinhalb Tagen die Gelegenheit, Kultur einmal anders zu erleben, einmal selber Kultur zu schaffen. Cristina Teuscher, die freischaffende Tänzerin ist, und der Musiker Franz Klee, der als Pianist, Komponist und Dirigent tätig ist, erarbeiteten mit den Schülern ein Programm, das als Höhepunkt in einer DVD-Aufnahme gipfelt.

Das Klassenzimmer als Bühne

Als ich das Klassenzimmer von René Müller betrete, sitzen die 17 Schüler der 8. und 9. Klasse etwas gelangweilt da und hören den Ausführungen der beiden Künstler zu. Diese besprechen sich untereinander, was als nächster Schritt zu proben sei, welche Gruppe was üben soll. Cristina Teuscher weist eine Gruppe an, slow motion zu üben: Man lässt sich fallen, robbt unter den Pulten durch, steht wieder auf, alles extrem langsam, wie eine Schnecke, wie eine Schlange, die sich träge bewegt. Wie schwierig eine an sich simple Anweisung umzusetzen ist, lernen die Schüler am eigenen Körper kennen: Was macht man mit den Armen? Keine zackigen, heftigen Bewegungen. Alles ganz, ganz langsam. Das fällt gerade hyperaktiven Menschen sehr schwer. Eine andere Gruppe übt Stillsitzen: Arme auf dem Pult, mit den Fingern langsam und leise trommelnd, immer lauter, immer schneller, mit den Fäusten hämmernd, dazu konstant den eigenen Namen murmelnd, rhythmisch, repetitiv, die Augen fixiert auf einen Punkt geradeaus, völlig konzentriert, bis die Posaune das Signal zum erlösenden Abbruch bläst.

Szenische Darstellung eines Schulalltags

Noch einmal von vorn, immer und immer wieder. Herr Klee ist nicht zufrieden: «Wenn das noch einmal passiert, raste ich aus!» Einige Schüler murren leise. Also, noch einmal. Diesmal klappt es schon besser, aber noch nicht reibungslos. Herr Klee: «Warum hat das nicht geklappt?» Betretenes Schweigen. Ein Schüler meldet sich: «Weil wir nicht konzentriert waren.» Nochmals von vorn. Die Akteure strengen sich an, plötzlich klappt es. Das Lob der Künstler bringt die Schüler zum Strahlen. Jeder bemüht sich, seine Rolle voll konzentriert zu spielen. Erstaunlich, wie die Jugendlichen mitleben, Vorschläge einbringen, Fragen stellen: «Söue mer de im Züg umeseckle wi nes gschtürmigs Wäschpi?» Ich muss das Lachen verkneifen; die Schüler jedoch nehmen ihre Arbeit sehr ernst. Jetzt gilt es, das Einstudierte zu einem Ganzen zusammenwachsen zu lassen. Jeder gibt sein Bestes, auf einmal wird dem Betrachter klar, was da entsteht. Die Hauptprobe ist fast perfekt, wie im richtigen Theater. Wäre sie perfekt, bedeutete das Pech für die Premiere. Nach der Pause wird die Kamera die szenische Darstellung aufnehmen – ich bin nicht mehr dabei, gehe aus dem Schulhaus, beeindruckt, mit wie viel Einsatz und gutem Willen die Lenker Jugendlichen mitgemacht haben. Kathrin Moilliet

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Erstellt:
01.09.2010, 22:29 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 24sec
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