Panflötenkonzert zum Abschluss des Festivals

Ungewohnte Klangerlebnisse im Panflötenchor

Am frühen Freitagabend, 29. Juli 2022 zeigten sie, was sie gelernt hatten. Cirka 70 Teilnehmer und Lehrer, darunter internationale Stars wie Liselotte Rokyta, Sandra Dobler und Jacob Schenk, gaben das Abschlusskonzert des Panflötenfestivals 2022. Unerwartet gross war das Interesse der einheimischen Bevölkerung. Die Kirche in Lenk war bis auf den letzten Platz besetzt.

Von Marietta Boyd

Monika Nef und Jörg Frei im überzeugenden Duo.

Monika Nef und Jörg Frei im überzeugenden Duo.

Es fing an mit dem grossen Chor. Unterstützt von Felix Kölla am ElektroPiano und dirigiert von Lise-Anne Schwander begannen die fast dreissig Panflötenspieler mit «Sailing» von Rod Steward. Der exotische Klang rückte die gut bekannte Melodie in neues Licht – und trotz der grossen Anzahl an Instrumentalisten klang der Flötenchor erstaunlich rein. Später derselbe Effekt mit dem Song «Green, green grass of Home» von Tom Jones. Um das Konzert aber nicht monoton werden zu lassen, folgte gleich eine Solo-Gitarren-Nummer mit Marco Friedmann. Dann der Song «Springtime», bei dem sich der Panflötenchor in einen von Vögeln bevölkerten Wald verwandelte. Es war, als hätten die Amseln endlich eine richtige Melodie pfeifen gelernt.

Exotisches Instrument in der Volksmusik

Und dann zeigte Sandra Dobler dem Publikum, wie Schweizer Volksmusik mit der Panflöte gespielt wird: Begleitet von der Kirchenorgel kamen leicht und lüpfig das «Rugusseli» und der «Schottisch» daher und bereitete das Publikum darauf vor, mit «Fly away», wieder vom Panflötenchor gespielt, endgültig abzuheben.

Neue Dimensionen

Nun brachte Jacob Schenk noch die Dimension Sehnsucht in das Konzert mit seinem kräftigen Solo-Flötenspiel und seiner vollen Singstimme. Georg Masanz begleitete ihn auf dem Klavier.

Der Panflötenchor gab darauf ein «Gebet» zum Besten und zusammen mit den Anfängern wurde «Freude schöner Götterfunken» gespielt. Nicht nur, um noch eine spirituelle Ebene hineinzubringen, sondern auch, weil die Melodie aus langsam und rhythmisch unkomplizierten Noten besteht.

Künstler und Lehrer

Ein weiteres Highlight folgte mit dem als Panflöten-Duo aufgeführten «Abendglocken», gespielt von den beiden Organisatoren Jörg Frei und Monika Nef, eindeutige Meister ihres Faches. Und plötzlich standen wieder einige auf und nahmen ihre Flöten hervor. Diesmal ging es um die Bass- und Bariton-Flöten, die aus grösseren Rohren gemacht werden und schwieriger zu spielen sind. Nach einer ganzen Woche spezifischem Training mit Jörg Frei klappte das aber sehr gut. Auch das anspruchsvolle rumänische Orchesterwerk «Dorul de la Murfatlar», welches das Festival-Thema war, wurde sehr schön vorgetragen.

Dann aber waren die Profis wieder an der Reihe und haben das Publikum regelrecht weggeblasen. Liselotte Rokyta und Jacob Schenk spielten ein «Abendlied» von Joseph Rheinberger. Das war so schön, schon fast Heilmusik! Es konnte fast nicht übertroffen werden vom Astor Piazzolla-Werk, das vom Trio Wildstrubel, Jörg Frei, Marco Friedmann und Georg Masanz vorgetragen wurde und nicht nur in vollster Präzision daherkam, sondern in sich so wunderbar funktionierte, Schwung, Leichtigkeit und Sehnsucht vereinte.

Die sehnsüchtige Geigenstimme in der gepflegten Zigeunermusik von Piazzolla mit der Panflöte zu spielen, war so passend, so schön leidenschaftlich und trotzdem leicht.

Zum Schluss haben alle zusammen ein Volksmusik-Potpourri gespielt, das das Publikum zum Mitsingen und Mitklatschen animiert hat. Die Stimmung war auf dem Höhepunkt. Der Abschiedsgruss der Panflötisten ist übrigens ein Winken mit der Flöte.

Die Panflöte – vom Klang beeindruckt und verführt

Nachgefragt, warum die Teilnehmer am Panflötenfestival gerade die Panflöte und nicht die Querflöte oder die Blockflöte gewählt haben, waren die Geschichten sehr ähnlich: Einmal jemanden spielen gehört, fasziniert gewesen, Flöte gekauft.

Wie viele Zuhörer in Lenk werden diese Geschichte teilen? Die Berner Oberländer sind noch nicht so stark vertreten in der «Panflöten-Familie». Da das Festival 30 Jahre lang in Davos stattfand, waren viele Ostschweizer dabei. Deshalb sehen die Veranstalter im Berner Oberland hohes Potenzial an Neueinsteigern.

Eine brauchbare Flöte kostet etwa eineinhalb Tausend Franken, kann aber auch nur mal gemietet werden. Die Flöten von Jörg Frei gehören zu den besten, die man in der Schweiz kaufen kann. Das kommt daher, dass der ursprüngliche Orgelbauer fasziniert ist vom Rohrton. «Die Panflöte ist die Mutter der Orgel», sagt er und tüftelt weiter, den Ton noch schöner hinzukriegen.

Als Zugabe spielen alle miteinander nochmals «Freude schöner Götterfunken».

Als Zugabe spielen alle miteinander nochmals «Freude schöner Götterfunken».

Der Abschiedsgruss der Panflötisten ist ein das Winken mit der hochgehaltenen Flöte.

Der Abschiedsgruss der Panflötisten ist ein das Winken mit der hochgehaltenen Flöte.

Die Kirche Lenk ist bis auf den letzten Platz besetzt.

Die Kirche Lenk ist bis auf den letzten Platz besetzt.

Lise-Anne Schwander dirigiert den Panflötenchor.

Lise-Anne Schwander dirigiert den Panflötenchor.

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Erstellt:
04.08.2022, 00:00 Uhr
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