Wimmis hat sein eigenes Dorfmuseum
Anlässlich einer Ausstellung im Restaurant TELL in Reutigen entdeckte der damalige Wimmiser Gemeinderatspräsident Rico Maier unter anderem eine Privatsammlung von alten Postkarten aus Wimmis. Diese konnte erworben werden und bildete den Grundstock für ein künftiges historisches Wimmis-Archiv.
Modell des Dorfs Wimmis
Eine anschliessend gegründete «Fachkommission für Dorfgeschichte und Heimatkunde» erhielt den Auftrag, die Geschichte des Dorfes auszuleuchten, Gegenstände, Bildmaterial und Akten aus Alt-Wimmis zu sammeln und fachgerecht zu archivieren. Alles unter der Optik, später ein Dorfmuseum einzurichten und die gesammelten Gegenstände dem interessierten Publikum zugänglich zu machen. Es setzte eine rege Sammeltätigkeit ein. Alles wurde gesammelt, was aus früheren Zeiten stammt und in irgendeiner Weise Bezug zu Wimmis hat.
Von der Motorspritze bis zum Haubitzengeschoss
Bis heute sind weit über tausend Gegenstände (in der Fachsprache Artefakten genannt) zusammengekommen. Dank der Weitsicht und dem Entgegenkommen des Gemeinderates können alle Gegenstände in sicheren Lokalitäten aufbewahrt werden. Von der alten Wimmis-Motorspritze bis zu hölzernen Heugabeln, Kinderwagen, Flegeln und Original-Haubitzgeschossen ist alles vorhanden! Ein spezielles Augenmerk widmet man dem Bildmaterial. Fotos aus Alt-Wimmis gibt es erst seit ca 1860. Einige bereits bekannte Post- und Ansichtskarten konnten gefunden werden. Stiche und Bilder aus der Zeit vor 1750 sind äusserst rar oder überhaupt nicht vorhanden! Bei der Durchsicht alter (und neuer) Familienalben kommt aber Erstaunliches zum Vorschein: Meistens ist neben der Ablichtungen unserer Grossväter und Grossmütter noch ein Stück Alt-Wimmis sichtbar. Diese Bilder sind für den Dorfforscher von unschätzbarem Wert. Wir hoffen, dass wir in der nächsten Zeit noch viele derartige Fundgruben – sprich Familienalben und Privatfotos – zur Verfügung gestellt bekommen. Nach der Reproduktion der für uns wichtig erscheinenden Bildern erhalten die Besitzer die Alben wieder zurück.
Fachgerecht und sicher
Damit das gesammelte Gut fachgerecht inventarisiert und archiviert werden kann, trat die Fachkommission für Dorfgeschichte (KDG) der kantonalen Vereinigung bernischer Museen bei. Damit besteht Gewähr, dass die Sammlung professionell aufgebaut und betrieben wird. À propos‚ sichere Lokalitäten: Alle Bürgerinnen und Bürger, welche die Abgabe von Artefakten unter der Bedingung von sicheren Lagerräumen in Aussicht gestellt haben können nun ermuntert werden, ihr Sammelgut der Institution zur Bewahrung zu übergeben!
Im Untergeschoss der Gemeindeverwaltung
Seit Bestehen der KDG hat sich diese mit dem Wunschziel einer «Wimmis-Stube» befasst. Alle hatten stets ein Museum in einem schönen, heimeligen, alten Haus im Kopf, so wie es sich in Spiez (Rebbaumuseum) oder in Erlenbach (Agensteinhaus) präsentiert. Viele Ideen wurden geboren und wieder verworfen, obwohl es in Wimmis einige zu diesem Zweck hervorragend geeignete Gebäude gibt! Schliesslich hat man insgesamt sieben Objekte herauskristallisiert, die individuellen Möglichkeiten und natürlich auch die entstehenden Kosten untersucht, welche ein solches Projekt verursachen würde. Aufgrund dieser Machbarkeitsstudie stellte sich heraus, dass nur bestehende, gemeindeeigene Lokalitäten in Frage kommen können. Die Einrichtung eines Museums in einem der bestehenden alten Gebäulichkeiten würden die zur Verfügung stehenden Mittel bei weitem übersteigen. Die Option der Einrichtung eines Dorfmuseums im Untergeschoss der Gemeindeverwaltung Wimmis hat sich somit als einzig machbare Version heraus kristallisiert. Es galt den in seiner Ursprungsversion nicht gerade «heimeligen» Betonraum zu einem ansehbaren «Gemach» herauszuputzen. Zudem stellte sich die zentrale Frage: Was wollen wir überhaupt zeigen? Den gesamten Sammelbestand auszustellen wäre unsinnig. Es würde kaum goutiert, wenn wir unsere Archivlager wie ein Trödlerladen vorzeigen würden. Die Sachlage und vor allem die Kleinheit des zur Verfügung stehenden Raumes zwangen uns einige Themen heraus zu kristallisieren.
Geheimgehaltenes wird öffentlich
Unser Dorf zeigt sich als eine wahre Fundgrube! Viele bislang offene Fragen können in unserem Museum beantwortet werden: An der Zeitwand können Sie entdecken, wie Wimmis zur Zeit von Moses oder von König Salomo ausgesehen hat. Wer waren die ersten Bewohner unserer Gegend und wo siedelten sie? Wann wurden Kirche und Burg Wimmis erbaut, und wie sahen die Gemäuer damals aus? Was haben die Römer mit Vindemias zu tun? Die Firma Nitro Chemie, alias eidg. Pulverfabrik + Wimmis offenbart die bislang unter strengster Geheimhaltung liegende Pulverfabrikation. Der Arbeitsort unserer Väter, von welchem nie etwas lautbar wurde, kann nun eingesehen werden! Auch die Festung in der Burgfluh aus dem 2. Weltkrieg offenbart ihre Geheimnisse! Wie gross war ein Geschoss, welches aus der Burgfluh verfeuert worden wäre und welches waren die Ziele «unserer» Kanonen?
Vom alten Glätteisen, über die «Unaussprechlichen» der damaligen Zeit, bis hin zu altem Weihnachtsschmuck oder Bildern von Ahnen und Zeitgenossen etc. ist alles zu «haben». Und um alles Gesehene zu verdauen und um gemütlich zu «dorfen» trifft man sich nach dem Museums-Rundgang im «Bären-Egge», unserem heimeligen Kultur-Café. Erich Liechti
Ausstellungsstücke