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Abschied vom Fang: Erna und Ernst Erb ziehen ins Stöckli

Ernst und Erna Erb – eine Wirtelegende. Seit ihrer Vermählung im Jahr 1952, also während ganzen 58 Jahren waren die Erb’s gern gesehene Gastgeber in der Wirtschaft Fang am Rinderberg. Mit einer verständlichen Wehmut verlassen die beiden jetzt ihren geliebten Arbeits- und Wohnort auf knapp 1300 Meter über Meer. Sie wissen aber ihren Betrieb bei Johann Graf in guten Händen und freuen sich auf die weitere Zukunft im Mättelihaus in Zweisimmen. Ernst und Erna berichten aus ihrer rekordverdächtig langen Wirte-Karriere.

Ernst Erb: Gastgeber, Unterhalter und Jasspartner.

Ernst Erb: Gastgeber, Unterhalter und Jasspartner.

Ernst und Erna Erb – eine Wirtelegende. Seit ihrer Vermählung im Jahr 1952, also während ganzen 58 Jahren waren die Erb’s gern gesehene Gastgeber in der Wirtschaft Fang am Rinderberg. Mit einer verständlichen Wehmut verlassen die beiden jetzt ihren geliebten Arbeits- und Wohnort auf knapp 1300 Meter über Meer. Sie wissen aber ihren Betrieb bei Johann Graf in guten Händen und freuen sich auf die weitere Zukunft im Mättelihaus in Zweisimmen. Ernst und Erna berichten aus ihrer rekordverdächtig langen Wirte-Karriere.

Massenlager zu Fr. –.80 inkl. Holz

Schon zwei Jahre bevor Hans Gobeli seine Funischlittenbahn ab Oeschseite und das Restaurant Eggweid in Betrieb genommen hatte, eröffneten die Eltern von Ernst Erb die erste Skihütte am Rinderberg. In einem Prospekt aus dem Eröffnungsjahr 1934 ist zu lesen: «Rinderberg, Hornberg und Saanenland. Alkoholfreie Skiwirtschaft Fang, Zweisimmen, 1298 m.ü.M. Besitzer Jakob Erb, Fang. Massenlager auf Stroh zu Fr. –.80 inkl. Holz. Kochherd, Petrollicht, Ofenheizung. Letzte Einkäufe, Bahnstation, Postbureau Zweisimmen. Zugang auch von Oeschseite in ¾ Stunden. Ständiger Hüttenwart. Essen und Trinken erhältlich. Rettungsschlitten im Haus. Auskunft über Schneeverhältnisse: Familie Perren, Längachern, Tel. 9 12 17. Übungsgelände. Touren nach Rinderberg und Abfahrten nach Zweisimmen».

Engländer als erste Gäste

Der Start war harzig, berichtet Ernst Erb; «Wenn meine Eltern in den Jahren der Krise und des Zweiten Weltkriegs den Gästen neben der Tranksame auch noch eine Suppe verkaufen konnten, waren sie (und mit ihnen die sieben Kinder der Familie) überglücklich. Zur Hauptsache Gäste aus England, die in den Hotels Terminus, Krone und Bergmann logierten, kehrten in den ersten Jahren im Fang ein». 1952 lösten Ernst und Erna ihre Eltern ab. Marksteine waren 1956/57 der Bau der Gondelbahn Zweisimmen-Rinderberg, der die Erweiterung der Wirtschaft möglich machte und 1967 der von Erna erfolgreich abgeschlossene Wirte-Kurs. Bis zum Tode von Bruder Karl führte man gemeinsam auch noch den Landwirtschaftsbetrieb. Lange Zeit konnten im Fang auch Gruppen nächtigen. Zur Legende wurde auch Mutter Erb, die fast bis zu ihrem Tod im Alter von 99 Jahren Tonnen von Fondue-Brot zu mundgerechten Häppchen schnitt.

Gö’mer nu zum Römer

Zuerst führten Erb’s den Fang noch als alkoholfreie Wirtschaft, später wurde daraus ein Betrieb mit «Liquerpatent». Erst Jahre später, nach einem bürokratischen Hürdenlauf, wurde der Wirtschaft Fang auch das Alkoholpatent zuerkannt. Ernst Erb dazu: «Wirtekollege Harald Liebi sei Dank. Er hat sich bei der zögernden Gemeindebehörde für unser Anliegen stark gemacht. Der damalige Gemeindepräsident Gottfried Knubel schlug dann aber die Einführung eines Verkaufsschlagers vor. Der Zweier Weiss- oder Rotwein im Glas wurden fortan als «Römer» zum Verkaufsschlager im Fang. Ernst Erb hielt nicht viel von Weinhandels-Vertretern. Zur Degustation und zum Direkteinkauf seiner Weine reiste er lieber alljährlich zweimal zu seinen Lieferanten nach Yvorne und ins Wallis.

Fondue, Käseschnitten oder Bratwurst mit Rösti

Ernst Erb wusste die Gäste bei einem Glas Rotwein mit seinen Witzen bei Laune zu halten, sprang gerne als Jasspartner ein und behielt dabei den Überblick in der Gaststube. In der Küche dirigierte derweil Erna umsichtig das Geschehen. Hunderte von Käselaiben wurden zu köstlichem Fondue oder zu Käseschnitten verarbeitet. Tausende von herrlichen Bratwurst-Rösti-Portionen brutzelten in den Pfannen der einfach eingerichteten, aber blitzblanken Küche. Unterstützt wurden Erb’s in all den Jahren von tüchtigem Personal aus den verschiedensten Nationen. Erna und Ernst wissen nur Gutes darüber zu berichten: «Die Rekrutierung war eigentlich nie ein Problem und fehlende Deutschkenntnisse bildeten kein Hindernis für eine gute Zusammenarbeit. Man verständigte sich mit Händen und Füssen. Elsa, eine Frau aus Jugoslawien, arbeitete während 18 Wintersaisons im Fang. Noch heute pflegen wir gute Kontakte zu ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern».

Die Welt war zu Gast im Fang

Das gleiche, gute Verhältnis pflegten Erb’s mit ihren Gästen: «Wir kennen Familien, die in vierter Generation zu uns kommen. Ob aus Olten (der Eisenbahner Sportverein hielt im vergangenen Winter die 51. Fondue-Party ab) oder aus Bern, aus Holland oder aus Florida, immer wieder gab es ein grosses Begrüssungs-Hallo. In den letzten Jahren (nach der Ronda-Eröffnung) hat sich die Fang-Clientèle etwas geändert. Jetzt kehren vermehrt auch Gäste aus dem Saanenland und aus der Romandie im «Römer» ein.

Rotwein statt Weisswein

Dank der robusten Gesundheit durften sie den Fang so lange führen. Während Erna krankheitshalber kaum jemals einen Tag aussetzen musste, erlitt Ernst 1990 drei Herzinfarkte und erachtet es darum als Gnade, dass er wieder auf die Beine kam. «Die Ärzte haben mich aufgepäpppelt, aber dafür dass ich noch am Leben bin, war die Therapeutin verantwortlich. Sie hat mir damals die Umstellung von Weisswein auf Rotwein empfohlen…» lächelt Ernst verschmitzt. Sicher werden die beiden nicht ganz von der Fang-Bildfläche verschwinden. Sie freuen sich weiterhin, ihre lieb gewonnenen Gäste und Freunde im Fang zu einem gemütlichen Schwatz zu treffen. Gesprächsstoff wird vorhanden sein. In den 58 vergangenen Jahren hat sich in weinseliger Runde im Fang manch eine humorvolle Begebenheit zugetragen, die Diskussionsstoff bietet. Merci und alles Gute für die Zukunft! Ernst Hodel

Erna Erb: 58 strenge Jahre am Kochherd.

Erna Erb: 58 strenge Jahre am Kochherd.

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Erstellt:
03.11.2010, 17:44 Uhr
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