Vor 40 Jahren

Die Lawinenkatastrophe von Reckingen

Gestern vor 40 Jahren, am 24. Februar 1970, riss in Reckingen (Goms) die Bächital-Lawine 30 Menschen in den Tod. Still erinnert heute die Gedenktafel bei der Kirche. Im Schlaf wurden die 11 Einheimischen und die 19 Offiziere der M Flab Abt 54 vom weissen Tod überrascht.

Unter den Lawinenopfern waren Kinder und Erwachsene einheimischer Familien sowie 19 Offiziere der M Flab Abt 54.

Unter den Lawinenopfern waren Kinder und Erwachsene einheimischer Familien sowie 19 Offiziere der M Flab Abt 54.

Im ganzen Alpengebiet herrschte vor 40 Jahren schlechtes Wetter mit extrem starken Schneefällen. Reckingen im Goms bekam damals über 150 cm Neuschnee. Trotzdem fühlte sich damals niemand von einer Lawine bedroht. Schon gar nicht am 24. Februar 1970 frühmorgens um fünf nach fünf Uhr, als aus dem Bächital gewaltige Schneemassen auf das Dorf herunterstürzten. Die Lawine überraschte die schlafenden Leute. Ein riesiger und mehrere Meter hoher Lawinenkegel überdeckte den Dorfteil bis zur Kirche und bis über die Bahnlinie der Furka-Oberalpbahn hinunter. Vier Wohnhäuser und die Offizierskaserne mit insgesamt 48 Personen und einige weitere unbewohnte Gebäude wurden von den Schneemassen verschüttet und gänzlich zerstört.

18 lebend geborgen

Ohne geeignete Hilfsmittel, noch fehlten Schaufeln, begannen Zivilpersonen mit der wohl grössten Lawinen-Suchaktion. Aus der Truppenunterkunft im Nachbardorf Gluringen kamen die alarmierten Fliegerabwehrkanoniere und -richter, darunter auch solche aus dem Berner Oberland, der M Flab Abt 54 zu Hilfe. Eine Spezialistengruppe aus dem damaligen Zeughaus Zweisimmen (dem heutigen Ruag-Betrieb), die als Elektroniker, Mechaniker und Schussauswerter auf dem Flab-Schiessplatz tätig waren, erlebten das Naturereignis hautnah. Einige hatten im gerade noch verschonten Hotel Blinnenhorn ihre Unterkunft. Zusammen mit den Einheimischen und einigen Soldaten wurden meist mit blossen Händen bis zum Tagesanbruch 18 Verschüttete lebend geborgen. Glück im Unglück hatte ein einjähriges Kind, das unverletzt und eingebettet in seiner Wiege gefunden wurde. Für die verschütteten Kinder und Erwachsenen einheimischer Familien wie auch für 19 Offiziere, einer davon aus Thun, kam aber jede Hilfe zu spät. Das letzte der 30 Lawinenopfer wurde trotz der gross angelegten Suchaktion erst nach vier Tagen geborgen. Während Monaten kamen militärische Einheiten und schwere Baumaschinen zum Einsatz, um die Überreste der Katastrophe zu beseitigen. Der überwachsene Teil eines verschütteten Wohnhauses erinnert wie ein Mahnmal mitten im damaligen Lawinenkegel. Fritz Leuzinger

Über 200 Jahre kam vorher keine Lawine mehr bis ins Dorf Reckingen. Wie ein Mahnmal erinnert diese überwachsene Ruine eines damals verschütteten Wohnhauses an die Naturkatastrophe.

Über 200 Jahre kam vorher keine Lawine mehr bis ins Dorf Reckingen. Wie ein Mahnmal erinnert diese überwachsene Ruine eines damals verschütteten Wohnhauses an die Naturkatastrophe.

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Erstellt:
25.02.2010, 08:39 Uhr
Lesedauer: ca. 1min 57sec
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