Februarkonzerte

Ein Rückblick

Auch dieses Jahr erlebte die Konzertreihe «Musik am Mittwoch» vom musikalischen Standpunkt her einen vollen Erfolg. Die Besucherzahlen hingegen waren an den vier Abenden sehr unterschiedlich. Konkurrenz erwuchs natürlich vielerorts – von Ereignissen in der nächsten Umgebung bis Vancouver…

Die beiden «Reisser»

Es ist sicher verständlich und erfreulich, wenn das Interesse der Zuhörerschaft beim Auftritt von weit herum bekannten Ensembles oder einheimischen Kräften gross ist. So war den Konzerten der «Musique Simili» und des Cantate Chores mit Reto Reichenbach ein überaus reger Publikumsaufmarsch beschieden.

Packend, beschwingt, abwechslungsreich und witzig wurde das Programm SOLySOMBRA von den drei Künstlerpersönlichkeiten Line Loddo, Juliette Du Pasquier und Marc Hänsenberger dargeboten. Phänomenal, was sie ihren Instrumenten und Stimmen entlockten!

Was für eine Virtuosität auf der Zigeunergeige, welch Temperament in den okzitanischen Gesängen, auf dem Piandoneon und der Bassgeige, was für phantasievoll – künstlerische Schattenspiele! Während einer Stunde war man total in Atem gehalten und dauernd von neuen Überraschungen begeistert.

Der bestens bekannte Pianist Reto Reichenbach riss uns vom Cantate Chor richtig mit durch die drei Liederzyklen von Haydn, Dvorák und Brahms. Er selber steuerte zwei «Zwischenhalte» bei mit Werken von Chopin und Brahms, perlend und virtuos die einen, aber auch innig, einfühlsam und verträumt die andern Stücke. In den Chorbegleitungen hatte Reto Reichenbach reichlich Gelegenheit, seine hochsensible Anpassungsfähigkeit und sein Gespür für differenzierte Tempi und Dynamik unter Beweis zu stellen.

Der Schreibende verzichtet hier aus sicher verständlichen Gründen auf eine Beurteilung der Chorleistung. Für uns war das Programm eine echte Herausforderung, denn Liederkonzerte dieses Umfanges sind äusserst anspruchsvoll und erfordern gewaltige Leistungen von allen Beteiligten.

Ein Höhepunkt, auch aus unserer Sicht, waren sicher die in tschechischer Sprache gesungenen «Klänge aus Mähren» von Dvorák. Wir sind froh, das Konzert im Juni im Cantorama Jaun nochmals wiederholen zu können.

Die beiden zu Unrecht eher «Verschmähten»

Was versteckt sich hinter dem Titel «Die schöne Magelone», wird sich wohl mancher gefragt haben – und blieb in Unkenntnis der Sache lieber zu Hause. Was sich aber in Ton und Wort für eine wundersame Geschichte ausbreitete, in der die Freuden und Leiden der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence erzählt werden, war ein grosses Erlebnis. Hanspeter Brand brachte mit seinem angenehm sonoren Bariton die unterschiedlichen Stimmungen der Lieder tief empfunden zum Ausdruck. Dorothee Keller überzeugte mit ihren deutlich und bewusst langsam gelesenen Texten. Der Pianist Hans Walter Stucki

schliesslich begeisterte die Zuhörenden als hervorragender Begleiter. Was er aus dem Flügel für Nuancen an Feinfühligkeit, aber auch an kraftvollen und rasenden Bewegungen zog, war absolut meisterhaft. Die «Musik am Mittwoch»-Reihe erfuhr ihren krönenden Abschluss mit dem Konzert des Ensembles «mit vier». Und es war tatsächlich eine musikalisch-qualitätvolle Krönung. Das Quartett spielte aus einem Guss, gestaltete die verschiedenen Sätze differenziert und hervorragend aufeinander abgestimmt. Die Vier steckten sich gegenseitig an zu intensiver Spielfreude, die sich auch in schelmischem Augenzwinkern bei besonderen Lieblingsstellen äusserte. Kaspar Zehnder trägt seine reiche künstlerische Erfahrung als Flötist und Dirigent ins Quartett, und er kann hier auf die drei Vollblutmusiker-Persönlichkeiten Charlotte Zehnder, Dorothee Schmid und Urs Fischer zählen, die sich alle familiär oder freundschaftlich sehr nahe stehen. So konnte im Lauf der Jahre ein verschworenes Ensemble entstehen, das auch in Zweisimmen wiederum begeisterte. Nebst den Werken von Mozart und Haydn gingen speziell die unbekannteren Programmteile, die Reger-Serenade und das Riesch- Quartett, zu Herzen.

Bilanz

Der besondere Dank der Konzertvereinigung Zweisimmen geht an die Musikerinnen und Musiker, welche unsere Konzerte mit bescheidenen Gagen ermöglichten. Auch im Jahr 2011 werden wir bestrebt sein, bei der vierte Auflage der Februarkonzerte ein abwechslungsreiches Programm anbieten zu können. Im März wird die diesjährige Reihe mit einem Konzert des «Fuare-Quintetts» zusätzlich bereichert. Es sei auf die späteren Vorschauen verwiesen.Klaus Burkhalter

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Erstellt:
25.02.2010, 08:39 Uhr
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