Zweisimmen Jazz

Hans Hassler Akkordeon solo – ein Abend voller Improvisationen

Das Konzert am vergangenen Samstag in der katholischen Kirche Zweisimmen brachte einem das Akkordeon von einer ungewohnten Seite näher. Hans Hasslers Solo-Auftritt war ein beeindruckender Abend virtuoser und überraschender Improvisationen.

Hans Hassler füllte den Raum der katholischen Kirche Zweisimmen mit überraschenden Akkordeonklängen. Bild: Markus Bachmann

Hans Hassler füllte den Raum der katholischen Kirche Zweisimmen mit überraschenden Akkordeonklängen. Bild: Markus Bachmann

Etwas Mut brauchte es schon, wer am vergangenen Samstag in der katholischen Kirche in das Konzert von Zweisimmen Jazz ging. Einige Leute hatten scheinbar diesen Mut, denn die Reihen waren beachtlich gut besetzt. Oder war es der «Gwunder», zu hören, was ausser Volksmusik, Klassik und Musette, sonst noch auf einem Akkordeon gespielt werden kann? Aus dem Programm und der Vorschau war zu erahnen, dass eben diese Musikstile wohl nicht zu hören sein würden. Denn Hans Hassler ist für eher ungewöhnliche Klänge bekannt.

Inspirationen aus dem Moment heraus

Andächtig und gespannt lauschten die Konzertbesucher der Klänge, die der Innerschweizer Künstler seinem Instrument entlockte. Nach dem ersten Stück stellte sich wohl manch einer die Frage, woher dieser Mann die Inspirationen nimmt, um so virtuos eine Stunde durchspielen zu können. «Aus dem Moment, der Ambience und Stimmung heraus», erklärte mir Hans Hassler nach dem Konzert. Mit ein Grund wohl auch, weshalb er keinen Kommentar abgab zu dem, was er spielen werde – weil er es gar noch nicht wusste!

Das erste Stück erforderte aufmerksames Zuhören, um sich nicht in der von Tonfragmenten bis zu orchestralen Melodiesalven reichenden Klangreise nicht zu verlieren. Dabei überraschte Hassler mit abrupten Themenwechseln, aber auch mit virtuoser Technik. Geschickt setzte der Künstler die vielen Register seines in Italien gebauten und üblicherweise in der russischen Volksmusik verwendeten Instruments ein. In seiner langen Improvisation liess er einmal Töne um einen gehaltenen Grundton kreisen, wie Atome um ihren Kern, gefolgt von einem über die Knöpfe brausenden Klanggewitter, dass man den Eindruck bekam, es würden gar vier Hände spielen, um danach wieder in ruhigeren Melodien zu versinken, in denen man Kompositionen von Leos Janacek zu hören glaubte.

Walzer mit «zu vielen» Tönen

Anfangs an Maurice Ravels Bolero erinnernd, schmückte Hans Hassler im zweiten, kürzeren Stück eine aus der Volksmusik stammende Walzermelodie mit witzigen Improvisationen aus. Kurz angespielt, liess er eigene Tonideen darin einfliessen, und den Walzer aufblühen, als hätte er zu viele Töne, um am Schluss wieder zur Grundmelodie zurückzukehren.

Hassler faszinierte nicht nur mit seiner Bühnenpräsenz, sondern präsentierte in diesem schönen Konzert die Vielseitigkeit und das Klangvolumen des Akkordeons auf beeindruckende Weise. Das Konzertpublikum war begeistert und verabschiedete den Künstler mit warmem Applaus. Kilian Gobeli

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Erstellt:
25.02.2010, 08:39 Uhr
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