Reisebericht des Cantate Chors Zweisimmen
Venedig, eine Stadt zum Staunen
Unvergesslich bleibt uns die «Weltstadt im Wasser», reich an Geschichte, Kunst und wunderbarer Architektur; unvergesslich auch die einmaligen kulturellen Höhepunkte, die wir während vier Tagen erleben durften. Klaus Burkhalter hat für unseren Chor diese tolle Reise organisiert im Hinblick auf die Dezember-Konzerte unter dem Titel «Venedig und seine Musik».
Das malerische Dörfchen Burano.
1. Tag: Erste Eindrücke, Vivaldi Konzert
Wir fahren mit dem EuroCity über den Damm, der Venedig mit dem Festland verbindet und staunen beim Anblick dieser Lagunen Stadt, die buchstäblich im Wasser steht und seit 1987 als Weltkulturerbe geschützt ist.
Der Kopfbahnhof, Santa Lucia, liegt unweit vom Canale Grande. Von da aus geht es nur noch zu Fuss oder per Schiff. Wir lassen uns vom Vaporetto, dem Wasserbus durch den Canale Grande bis nach «Giglio» fahren, in die Nähe unseres Hotels. Staunend lassen wir die vielen Bauten wie Kirchen, Paläste, Museen, Kanäle und Brücken aus mehreren Jahrhunderten und in verschiedenen Baustilen an uns vorbeiziehen. Wir begegnen unzähligen Gondeln, kleinen Motorbooten, Traghettos (Gondelfähren) und Wasserbussen.
Wir erreichen das Hotel zu Fuss, und schon bald erwartet uns Frau Kunz, Stadtführerin, um uns erste Eindrücke zu vermitteln. Während wir durch enge Gassen eilen und über Brücken steigen erfahren wir über die Ohrhörer Interessantes über die Geschichte Venedigs und seine Musik. Wir besuchen in der Kirche San Maurizio das kleine aber feine «Musea della Musica» mit seinen antiken Instrumenten und einer Ausstellung der 500-jährigen Geigenbautradition Venedigs.
Dank den Wärmelampen geniessen wir anschliessend unser wohlverdientes Nachtessen draussen, direkt am Canale Grande, in der Nähe der weltbekannten Ponte Rialto.
Ein unvergesslicher Höhepunkt zum Abschluss des Tages ist das Konzert der Kammermusikgruppe «interpreti veneziani» in der Chiesa San Vidal. Mit Temperament, ausdrucksstark und absolut perfekt spielen die sechs Musiker «Die vier Jahreszeiten» von Antonio Vivaldi u.a. Werke.
2. Tag: Stadt und Geschichte, San Marco
Frau Boffelli, Geschichtshistorikerin, führt uns bei Wind und Kälte durch enge Calli, Gassen, Campi, Plätze, über kleinere und grössere Brücken und Treppen, mal links herum, mal rechts herum und bringt uns die Geschichte der Stadt und der 1000-jährigen Republik Venezien, die heutigen Probleme und die Organisation der Infrastruktur Venedigs näher. Langsam können wir uns ein Gesamtbild dieser Weltstadt machen und sehen jetzt die wunderbare Architektur, den Bau, die Kultur und die Schätze dieser Stadt mit ganz andern Augen.
Etwas Zeit bleibt uns anschliessend noch zum Schlendern oder Aufwärmen. Sollen wir jetzt links über die Brücke oder rechts herum gehen? Wie kommen wir am schnellsten zum nächsten Treffpunkt, ohne uns zu verirren? Es gelingt nicht immer allen! Eine Gruppe lässt sich am Nachmittag das jüdische Ghetto näher erklären, die andere fährt zur Kirche «San Giorgio Maggiore.» Die Architektur und die Gemälde beeindrucken uns sehr und vom Kirchturm aus geniessen wir den schönsten Ausblick auf die Stadt und Lagune.
Auf Dorsoduro lassen wir uns trotz eisiger Kälte zur «weltbesten» Gelati verführen.
In der Scuola di San Rocco gehts weiter mit staunen: Drei Säle sind ausgestattet mit 60 Wand- und Deckengemälden von Jacobo Tintoretto. Sie erzählen uns Geschichten aus der Bibel, wir sind überwältigt.
Ein absolutes Highlight, unvergesslich, ausnahmsweise nur für uns organisiert, ist der Besuch abends in der byzantinischen Basilika San Marco mit Privatführung von Frau Boffelli. Bei ganz spärlicher Beleuchtung setzen wir uns mitten in der Kirche. Das Licht wird ausgeschaltet und nach und nach wieder ganz eingeschaltet und erleuchtet die Wölbungen und schliesslich den ganzen Dom. Und wieder staunen wir… es ist nicht in Worte zu fassen, das grösste zusammenhängende Mosaik der Welt leuchtet goldglänzend über uns. Wie in einem Bilderbuch erscheinen die Geschichten aus beiden Testamenten. Boden, Wölbungen und Wände sind mit Millionen von Mosaiksteinen überzogen. Wir nehmen uns Zeit, alles zu bestaunen. Abschliessend besuchen wir den Sarkophag des heiligen Markus, die Pala d’Oro, kostbarstes Einzelstück Venedigs, und die Krypta.
3. Tag: Inseln, Teatro a Palazzo
Der Vormittag steht zur freien Verfügung: Besuch des Fisch- und Gemüsemarktes, Lädele, Gondel- oder Schifffahrten. Einige besuchen die Insel Murano mit all den Glaskunstwerken und/oder Burano, die Insel der Klöppelspitzen und zugleich farbenfroheste Laguneninsel.
Nachmittags fahren wir mit dem Schiff nach Torcello und staunen einmal mehr: Golden leuchtet die innere Pracht der Kathedrale Santa Maria Assunta, im ältesten Bauwerk der Lagune.
Ein ganz besonderer Leckerbissen erwartetet uns abends im Palazzo Barbarigo Minotto Die Oper «Il Barbiere di Siviglia» von G. Rossini wird in ganz besonderer Art aufgeführt: Jeder Akt findet in einem andern Raum des Palazzos statt. Mit Bravour spielen vier Musiker für ein ganzes Orchester. Die insgesamt fünf SängerInnen und SchauspielerInnen erleben wir im wahrsten Sinne des Wortes hautnah, sei es mit dem Staubwedel, der über einige Köpfe streicht oder sei es mit dem Sänger, der Einzelne mit lauter Stimme ganz direkt ansingt. Es ist eine tolle Gelegenheit, einmal einen Palazzo von innen zu erleben: Die riesigen Räume, die Möbel, die Gemälde, die Stukaturen, die Leuchter aus Muranoglas, die Vorhänge, die Treppen, die schiefen Böden…
4. Tag: Gran Teatro La Fenice, Heimreise
Mit Audio-Geräten ausgerüstet lassen wir uns die lange Geschichte des Theaters erklären. Wir staunen über den Prunk des grandiosen Theatersaales und die unzähligen vergoldeten Logen, wie wir sie bis jetzt noch nirgends so gesehen haben. Von der prunkvollen Königsloge aus geniessen wir eine Probe von Dido und Aeneas von H. Purcel, man könnte stundenlang zuschauen… Im Theaterbistro gönnen wir uns noch einmal einen «Spritz» (typisches venezianisches Getränk) und lassen den von Klaus Burkhalter einmalig organisierten Kurzaufenthalt in Venedig ausklingen. Mit vielen unvergesslichen Eindrücken fahren wir wieder heim zu. Für ein paar Glückliche bleibt noch ein weiterer Tag in Venedig zur Verfügung .
Herzlichen Dank an unsere beiden Führer Klaus Völlmin und Klaus Burkhalter. Sophie Jaggi
Morgenstimmung am Canale Grande.
Die Stadtführerin Frau Bofelli erklärt dem Cantate Chor die Schönheiten der Stadt Venedig.