Der Curling-Skip aus Matten ist in Vancouver dabei

Skip Toni Müller: Warten auf den Olympia-Einsatz

Toni Müller: Mit noch nicht 26 Jahren stehen dem Curling-Skip aus Matten/St. Stephan noch viele Türen offen.

Toni Müller: Mit noch nicht 26 Jahren stehen dem Curling-Skip aus Matten/St. Stephan noch viele Türen offen.

In diesen Tagen hat das Olympische Curling-Turnier, mit der Round Robin unter den zehn qualifizierten Teams begonnen. Im Einsatz steht dabei auch der Simmentaler Skip Toni Müller. Seine Aufgabe ist allerdings delikat. Läuft es dem Schweizer Team gut, wird er die Ersatzbank drücken, läuft es schlecht, so wird er kurzfristig und auf ungewohnter Position eingesetzt werden. Ziel des Teams ist ein Halbfinalplatz und eine Medaille. Die SIMMENTAL ZEITUNG hat Toni Müller vor seinem Abflug nach Kanada, am Rande der Schweizer Meisterschaften (die er mit seinem Team Baden regio auf Platz drei beendet hat) über seine Hoffnungen und Gefühle befragt.

Wie sind Sie zum Curling gekommen?

Thomas Griessen hatte per Inserat zu einem Schnupperkurs auf die Kunsteisbahn Lenk eingeladen. Mein Bruder nahm an diesen Trainings teil und konnte mich, obwohl ich damals noch stark mit dem Fussballspielen beim FC Obersimmental beschäftigt war, von dieser Sportart überzeugen.

Sie hatten schon als Junior Erfolg!

Ich trainierte als Junior beim Curling Club Lenk. 2004 durfte ich zusammen mit Nik Hauswirth, Andy Aegler und dem Solothurner Andreas Klauwenbösch den Schweizer Meistertitel bei den Junioren feiern. Das war der eigentliche Startschuss für unsere Karriere. Ein Jahr später wurden wir Fünfte an der Junioren-Weltmeisterschaft im italienischen Pignerolo. Das Turnier galt als Hauptprobe für das Olympische Curling-Turnier von Turin.

Warum der Wechsel nach Adelboden?

Ich wollte mich weiterentwickeln und nahm darum ein Angebot des Adelbodner Skips Björn Zryd an. In diesem Team durfte ich nach dem Karrierenende von Björn seine Nachfolge als Skip antreten. Mit Adelboden gewann ich 2007 meine erste Medaille an den Schweizer Meisterschaften der Elite. Dank Siegen über das Team von Olympiateilnehmer Ralph Stöckli gelang uns auch die Qualifikation für die Europameisterschaft in Füssen, die wir mit dem vierten Rang abschlossen.

Sie sind Weltmeister im Mixed-Double. Wie kam es dazu?

Mixed-Double-Teams bestehen aus je einer Dame und einem Mann. Gespielt wird mit je fünf Steinen. Der internationale Curling-Verband hat Mixed-Wettkämpfe eingeführt, mit dem Ziel dass ab 2014 eine weitere Curling-Diszplin olympisch wird. Zusammen mit Irène Schori – auch sie Ersatzspielerin im Schweizer Damen-Curlingteam von Davos – selektionierte man mich 2008 für die Weltmeisterschaften und wir wurden gleich Weltmeister. Dieser Erfolg bedeutete die Qualifikation für die WM 2009, die wir wiederum mit dem Titelgewinn abschliessen konnten. Nun werden wir im April in Russland versuchen, den Titel ein weiteres Mal zu verteidigen. Im Vordergrund steht aber meine Curling-Karriere bei den Männern.

Von Adelboden wechselten Sie zu Baden regio. Wie kam es dazu?

Der Wechsel hatte ähnliche Gründe wie bei Adelboden. Skip Andy Schwaller suchte Verstärkung und einen Nachfolger als Skip des Teams von Baden regio. Zweimal wurden wir nun Dritte an den Schweizer Meisterschaften, verpassten aber das hochgesteckte Ziel einer Olympia-Qualifikation.

Nun sind Sie trotzdem in Vancouver dabei. Warum?

Ralph Stöckli, von Basel regio, hat uns auch schon «ausgeholfen» und ich durfte im Gegenzug schon an der letzten WM als Ersatzmann in seinem Team mitwirken. Weil diese Zusammenarbeit sehr gut geklappt hat, hat mich der Verband nun auch für das Olympiateam «Stöckli» mit Skip Markus Eggler nominiert. Ein Grund dürfte auch sein, dass ich auf allen Positionen einsetzbar bin.

Welche Aufgaben hat ein Ersatzmann in einem Curlingteam?

Die Aufgabe besteht vor allem in der Beobachtung der anderen Teams und der Eisverhältnisse. Dann gibt es viele Aufgaben vor, während und nach den Spielen (Material, Getränke, Zwischenverpflegung, usw.). Ein Ersatzmann kann auch viel zum guten Teamgeist beitragen. Natürlich würde ich selber auch gerne zum Einsatz kommen, aber das wäre nur der Fall, wenn es einem der anderen Teammitglieder schlecht gehen würde. Das hoffe ich im Interesse des Teams ja nicht.

Welches sind die schwierigsten Gegner in Vancouver?

Die Teams von Gastgeber Kanada, dann Schottland, Schweden und Norwegen müssen zu den Favoriten gezählt werden. Aber jede Mannschaft, die sich qualifiziert hat (Frankreich, Deutschland, China, Dänemark und die USA) wird zuerst geschlagen sein müssen. Ich kenne alle Mannschaften von Turnieren her sehr gut und bin überzeugt, dass die Schweizer ehrenvoll abschneiden werden.

Welches Ziel hat sich das Schweizer Curlingteam in Vancouver gesetzt?

Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Interviews werden wir bereits gegen Dänemark, die USA und gegen Schottland gespielt und hoffentlich gesiegt haben. Unser primäres Ziel ist die Qualifikation für die Halbfinals. Anschliessend ist alles möglich. Eine Finalteilnahme gegen Gastgeber Kanada vor ausverkauftem Haus würde uns wohl ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Ernst Hodel

Abonniert auf die Bronce-Medaille an den Schweizer-Meisterschaften: Toni Müller und sein junges Team von Baden regio.

Abonniert auf die Bronce-Medaille an den Schweizer-Meisterschaften: Toni Müller und sein junges Team von Baden regio.

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Erstellt:
18.02.2010, 00:00 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 19sec
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