Vom Wunderglas und der alten Petrollampe:

Begleitet von Walter Eschlers Mundart-Literatur auf dem Spazierweg

Angesichts des trüben Wetters und der niedrigen Temperatur war es erstaunlich, dass mehr als zwei Dutzend Interessierte der Einladung zum Literarischen Spaziergang in Zweisimmen folgten. Sie wurden belohnt von zwei amüsanten Mundartgeschichten von Walter Eschler, vorgetragen von Myrtha Haldi aus Mannried.

Myrtha Haldi liest Walter Eschlers Geschichten in akzentfreiem Mannrieder Dialekt.

Myrtha Haldi liest Walter Eschlers Geschichten in akzentfreiem Mannrieder Dialekt.

Der literarische Spaziergang war einer der Programmpunkte der von Dr. Beat Michel und Noëlle-Therese de Kostine organisierten Veranstaltung «Literarischer Herbst, Gstaad». Auf ihrem Weg vom Bahnhof über die Lischerenbrücke, entlang der Grossen Simme ins Dörfchen Blankenburg und zum Schloss wurden immer wieder Verschnaufpausen eingeschaltet und die Ohren gespitzt: Myrtha Haldi aus Mannried trug an lauschigen Plätzen «Gschichti us em obere Simetal» aus dem 1983 erschienenen Buch «Alpsummer» von Walter Eschler vor.

Gschichti us em obere Simetal

Die Mundartgeschichten des ehemaligen Zweisimmer Versicherungs-Generalagenten sorgten auch auf diesem Rundgang für viel Schmunzeln. Dem bekannten Theaterautor und Mundartschriftsteller Walter Eschler ist es immer wieder gelungen, seine Beobachtungen über das Leben der Simmentaler Bevölkerung in kreative Geschichten zu fassen. Die am Simme-Ufer gelesene Geschichte vom «Wunderglas» ist eine köstliche Familiensaga mit vielen Irrwegen, Wendungen, Windungen und einem glücklichen Ausgang. Mit «Di alti Petrollampe» zeichnet Walter Eschler das Bild einer bauernschlauen Frau, die dem vermeintlich noch schlaueren «Hützer» (Antiquitätenhändler) gewachsen ist.

Stoff für Hörbücher!?!

Myrtha Haldi erwies sich einmal mehr als die ideale Interpretin der Werke von Walter Eschler. In ihrem ausgeprägten und träfen Mannrieder-Dialekt verlieh sie den Werken des Amtsrichters Walter Eschler eine ganz besondere Note:

Auf dem Spaziergang ist den erfreulich zahlreich anwesenden bewusst geworden: Mundart-Literatur ist viel einfacher zu hören als zu lesen. Darum: Die Geschichten von Walter Eschler, gelesen von der Mannriederin, müsste es eigentlich auch als Hörbücher geben. Und; mit technischen Mitteln sollte es möglich sein, die Geschichten entlang der Simmentaler Spazierwege - direkt an den vom Mundartschriftsteller beschriebenen Schauplätzen seiner Geschichten zu geniessen!

Eine weitere Veranstaltung findet am Sonntag 22. September auf Schloss Blankenburg statt: Dabei steht der Berner Schriftsteller Rudolf von Tavel im Mittelpunkt.

Literarischer Spaziergang via Betelried-Dörfli zum Schloss Blankenburg.

Literarischer Spaziergang via Betelried-Dörfli zum Schloss Blankenburg.

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Erstellt:
19.09.2013, 00:00 Uhr
Lesedauer: ca. 1min 54sec
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