Generalversammlung der Bergbahnen Destination Gstaad (BDG)

Eklat nach der Generalversammlung BDG: Beratungsfirma Trimea wirft das Handtuch

Die von 184 Aktionären besuchte Generalversammlung der Bergbahnen Destination Gstaad war geprägt von Ohnmacht, Enttäuschungen, geringer Transparenz, kritischen Fragen von Aktionären und unterschwelligen Vorwürfen zwischen Verwaltungsrat und Hauptaktionären (Gemeinden). Einzig der neugewählte Präsident Bruno Kernen, verbreitete Optimismus und Aufbruchstimmung. Offensichtlich ist jedoch der angelaufene Restrukturierungsprozess ins Stocken geraten. Zwei Tage nach der Versammlung hat die SZ erfahren, dass sich die vom Steuerungsausschuss engagierte Beratungsunternehmung Trimea, per sofort zurückgezogen hat. «Die Dringlichkeit der von uns vorgeschlagenen Sanierungsmassnahmen wollen gewisse Leute nicht wahrhaben» teilte Hans-Ueli Schläppi zum abrupten Ausstieg mit.

Die Körpersprache während der Begrüssungsadresse sagte alles: Der scheidende Präsident Richard Kummrow hat mit der BDG abgeschlossen. Er brachte noch einmal seine Enttäuschung über die Unmöglichkeit zum Ausdruck, das BDG-Schiff auf einen wirtschaftlich erfolgreichen Kurs zu steuern. Zum grössten Aktionärsvertreter, dem Saaner Gemeinderatspräsidenten Aldo Kropf gewandt, fragte er lakonisch: «Wann nehmen denn die Gemeinden endlich öffentlich Stellung?»

Aus Gästen sollen Freunde werden

Die Ohnmacht war auch bei Direktor Armon Cantieni spürbar. «Das Resultat ist hoch unbefriedigend. Die Liquiditätsprobleme haben sich in diesem Sommer verschärft, und weitere Sparmassnahmen müssen eingeleitet werden», musste er zugeben. Inzwischen habe die Administration mit der Verkleinerung der Geschäftsleitung von sechs auf 4,2 Stellen ein Sparzeichen gesetzt. Die umgesetzten Innovationen (Snow Park Hornberg, etc.) hätten zu Mehrfrequenzen von jungen Gäste geführt, das Kombi-Abonnement mit den Alpes Vaudoises sei gut verkauft worden und die Gastronomie überzeuge durch mehr Authentizität (Berghaus Wispile). «Aus Gästen sollen Freunde werden» lautet das neue Motto der BDG.

Nächste zwölf Monate über die Runde bringen

Dass Buchhaltung keine exakte Wissenschaft ist, zeigte die Präsentation die Rechnung durch den neuen Leiter Finanzen Jürg Brönnimann. Der Jahresverlust, der in den Einladungen zur GV noch auf 2,8 Millionen beziffert war (OR-Rechnungslegung) beträgt (nach GAP FER-Rechnungslegung) nun noch 2,1 Millionen. An der kritischen Finanzlage ändert das allerdings nichts. Stefan Andreas, leitender Revisor der KPMG attestierte der Gesellschaft aufgrund der vorgelegten Liquiditätsplanung: «Die kommenden zwölf Monate können noch über die Runde gebracht werden, aber so kann kein Unternehmen über Jahre existieren». Die immer wieder kritisierten Verbuchung der Investitionsbeiträge in der Erfolgsrechnung kommentierte er mit der Bemerkung: «Diese Zuflüsse sind nicht an Investitionen gebunden, darum landen im BDG-Topf». Die wenig transparente Buchungsart lässt die AktionärInnen im Ungewissen, welche Zahlungen unter «Übrige Erträge oder Betriebserträge» verbucht werden.

Der neue Präsident will Gas geben

Nachdem die Versammlung dem Jahresbericht, der -rechnung und der Entlastung der Organe grossmehrheitlich zugestimmt hatte, standen die Wahlen an. Alle bisherigen und die beiden neuen VR-Mitglieder Rolf Beyeler und Simon Bolton wurden in globo und mit einer einzigen Gegenstimme bestätigt, beziehungsweise wiedergewählt. Bruno Kernen wurde mit Applaus in das nicht einfache Präsidentenamt gehievt: Er stellte in seiner Antrittsrede fest: «Der Gstaader Slogan «Come up – slow down» gilt nur für Gäste; wir Einheimischen müssen Gas geben. Die rasche Umsetzung der Restrukturierungs-Rosskur ist unsere Hauptaufgabe. Als erstes werde ich mit den wichtigsten Landeigentümern in persönlichen Gesprächen über Reduktionen der Entschädigungen verhandeln». Er forderte weiter zur Unterstützung und zu mehr regionalem Denken auf: «Nicht unsere lokalen Eigeninteressen, sondern die Wünsche und die Bedürfnisse der Gäste gilt es zu erfüllen».

Gebremst von Bürgern und Politik

Unter Verschiedenem meldeten sich dann doch noch die VertreterInnen der Grossaktionäre. Aldo Kropf, Gemeinderatspräsident von Saanen gab sich selbstkritisch über das Scheitern des Projekts Konzentration: «Schauen wir nicht nur den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung sondern uns alle an. Die Umsetzung des Konzepts wurde gebremst durch Bürger und Politik. Der jetzt eingeleitete, schmerzhafte Restrukturierungsprozess ist von der Unternehmung selber zu erarbeiten. Wir stehen aber hinter dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung. Ende November wollen wir aufzeigen, wie es nach dem gescheiterten Konzept Konzentration weitergehen soll».

Diese Haltung bestätigte auch Anne Speiser, Gemeinderatspräsidentin aus Zweisimmen. Sie stellte sich aber gegen einzelne Sparvorschläge (wie etwa die vorgesehene Schliessung des Eggweid-Skilifts am Rinderberg): «Zuerst muss eine Gesamtschau der BDG-Zukunft vorgelegt werden. Mit der Haupt-Einstiegspforte in die Ski-Destination ist sehr sorgfältig umzugehen».

Ernst Hodel

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Erstellt:
12.09.2013, 09:00 Uhr
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