18 Rehkitze: Opfer abgeschotteten Akademikertums

Der Bericht über die 18 getöteten Rehkitze, welche durch zu enge und eingewachsene Halsbänder beinahe erstickt wurden, schockiert in mehrerer Hinsicht: Als Bäuerin, die von Tierschutzkreisen und der Verwaltung permanent unter Generalverdacht steht, für die Tiere nicht optimal zu sorgen, erschreckt mich dieser Bericht, erschrecken mich die Aussagen der Universität Zürich, erschreckt mich die Tatsache, dass der Leiter der Studie seinen Job ungehindert weiterführen kann, erschrecken mich verharmlosende Beschreibungen wie «…wurden fachgerecht erlegt.». Zweitens empört mich, mit welch unterschiedlichen Messlatten in Sachen Tierschutz operiert wird. Wenn ein Bauer schmutzige, aber gesunde Tiere im Stall hat (Fall Roger Herrmann Madiswil), werden ihm die Tiere sofort weggenommen, seine Existenz wird ruiniert, man sperrt ihn in die psychiatrische Klinik, verbietet ihm, eigene Tiere zu halten und er kommt vor Gericht.

Pflegt ein Bauer sein krankes Tier homöopathisch und versucht alles, um das Tier zu heilen, wird er vor Gericht geschleppt wegen Tierquälerei (Fall im Tösstal Kanton Zürich). Wenn der Uni Zürich eine derart katastrophale, tierquälerische Schlamperei passiert, diskutiert man lediglich über ungeeignete Halsbänder.

Es braucht keine wissenschaftliche Studie, um herauszufinden, dass der Luchs die Königsrolle im Wald ungehindert besetzt, infolge mangelnder natürlicher Feinde und die Rehe deshalb unter Dauerstress leben. Dafür müsste man nur diejenigen befragen, die ihren Berufsalltag in der Natur verbringen, vielleicht nicht studierte AkademikerInnen, aber Menschen, die sehr viel wissen und beobachten. Es bleibt beim Lesen dieses Berichtes einmal mehr Wut, Empörung, Ohnmacht.

18 Rehkitze sind Opfer mangelnder Kommunikation zwischen Menschen mit hohem sozialen und solchen mit niedrigem sozialen Rang, welche mindestens soviel Bildung aufweisen, wenn auch in anderer Form. Hätte man diese Leute vorher miteinbezogen, wäre von Anfang an klar geworden, dass man Wildtieren keine Halsbänder anzieht, weil es schlichtweg zu gefährlich ist, wie Bruno Petroni, BZ Journalist treffend ausführt. Das zu merken braucht eine gute Vorstellungsgabe wie auch gutes Gespür für Wildnis und Tiere, die darin leben. Dies lernt man mit Sicherheit nicht am PC im Büro oder in der Studierstube.

Solange aber in unserer Gesellschaft der soziale Rang, akademische Bildung usw. derart einseitig gewichtet wird, werden solche Schlampereien weiterhin passieren, weil nicht das ganze Wissen gebraucht wird, sondern nur die eine Hälfte. Mich macht das wütend und traurig zugleich. Magdalena Schatzmann,

Bäuerin und Musikerin, Diemtigen

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Erstellt:
12.09.2013, 00:00 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 12sec
Kommentare
Patrick Gautschy 13.11.201319:41 Uhr

Volle Zustimmung!!