Armeehelikopter in Aktion

Donnerstag, 15. August: Ein sonniger Spätsommertag, etwas dunstig zwar, aber doch ideal geeignet für Bergwanderungen. Auch auf der Engstligenalp ob Adelboden herrscht reger Wanderbetrieb. Am frühen Nachmittag kann man Leute beobachten, die in Richtung Ammerte- und Chindbettipass auf- oder absteigen. Neben den Glocken der weidenden Jungrinder sind kaum weitere Geräusche zu hören. Am Nachmittag endet die Stille, ein Militärhelikopter vom Typ EC 635 fliegt den Grat über dem Nordwestrand der Engstligenalp an. Der Grat ist bekannt als idealer Aufenthaltsort für Gämsen, weil er kaum von Berggängern besucht wird. Auch heute halten sich die Grattiere dort oben auf. Um derartige Nebensächlichkeiten kümmern sich Helikopterpiloten kaum. Sie sind unterwegs, um das freie Vaterland zu verteidigen. Dazu muss offensichtlich auf dem höchsten Gratpunkt, dem Rotstock, gelandet werden. Der Helikopter setzt zur Landung an. Doch nun gibt es für die Gämsen nur noch eines. Der Helikopter versetzt sie in Panik. In wilder Flucht stürzen sie sich in der Falllinie hangabwärts. Im obersten Abschnitt ist der Hang ungemein steil und mit Felsen durchsetzt. Ohne einmal innezuhalten, flüchten die Tiere über 300 Höhenmeter nach unten. Und es würde nicht erstaunen, wenn sich die Kerle im Helikopter an den fliehenden Tieren ergötzen würden. In den vergangenen Jahrzehnten durfte ich tausende von Gämsen in ihrem alpinen Lebensraum beobachten. Aber noch nie musste ich eine derart panische Flucht mit anschauen. Ernst Zbären, St. Stephan

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Erstellt:
22.08.2013, 00:00 Uhr
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