Leserbrief Abzockerei St. Stephan

Mit einigem Erstaunen habe ich den Artikel einer Besucherin aus Spiez gelesen, die sich über den Preis von acht Franken für eine Bratwurst beschwert. Darf ich Sie als «Unterländer», der zeitweise in Zweisimmen lebt und die Freundlichkeit der Leute, das Klima und nicht zuletzt die Preispolitik in meinem zweiten Heim geniesst, mal über diesen ominösen Preis informieren und wer alles daran verdienen will oder möchte.

1. Da wäre zuerst einmal der Tierhalter oder Züchter, der das Fleisch an den Metzger verkauft. 2. Der Metzger verarbeitet das Produkt, wobei noch einige Kosten für Zutaten anfallen, zum Beispiel Milchpulver, Speck, Därme, Eis, Gewürze und nicht zu vergessen die Arbeits- und Lagerkosten. 3. Der Standbetreiber für den Verkauf der Würste muss erst einmal seinen Stand aufbauen, Grill aufstellen, Holzkohle besorgen, für hygienische Verhältnisse sorgen und die ganze Infrastruktur besorgen. Natürlich auch eine Bewilligung bei der Gemeinde beantragen, die bestimmt auch nicht gratis ist, und nicht zuletzt möchte auch der Bäcker, der die knusprigen Brötchen liefert, etwas verdienen. 4. Um diesen Verkaufsplatz aufzustellen benötigt der Verkäufer vermutlich ein Transportmittel. Leider habe ich noch nie eine Tankstelle gefunden, die mir den Treibstoff gratis liefert. 5. Ein kleines aber wichtiges Detail ist auch das Wetterrisiko. Das trägt allein der Bratwurstverkäufer! Schlechtes Wetter, seine Familie isst für einige Wochen Bratwürste und sämtliche oben genannten Kosten fallen auf den Verkäufer .

Ein wenig gilt dasselbe auch für die Wirte der Bergrestaurants. Bei schönem Wetter in der Saison wird das Lokal von Besuchern gestürmt und bei Regen und Nebel kommt kein Mensch. Haben Sie vielleicht auch einmal darüber nachgedacht, dass der heutige Gast schon reklamiert, wenn einmal ein Artikel nicht mehr vorrätig ist. Wissen Sie, was eine Lagerhaltung zur Bewältigung aller Eventualitäten kostet?

Nicht zuletzt, wie kommen Getränke und die Speisen, die Sie geniessen, überhaupt auf 2500 Meter Höhe? Wer bezahlt den Schaden an Lebensmitteln und anderen verderblichen Waren bei einer Schlechtwetterperiode?

Wie Sie sehen, ist eigentlich alles eine Mischrechnung. Ich hoffe, noch oft ins Berneroberland kommen zu dürfen und freue mich auf das nächste Mal. Alex Bernhard, Hindelbank

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Erstellt:
26.09.2013, 00:00 Uhr
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