Klusi-Quelle:

Trinkwasserschutz verlangt Veränderungen in der Alpwirtschaft

Die Klusi-Quelle ist seit Jahrzehnten das Herzstück der Wasserversorgung von Erlenbach. Ebenso sömmern hier oben viele Älpler ihre Tiere. Die strengen Auflagen von Bund und Kanton verlangen, dass wegen des Gewässerschutzgesetzes in der Grundwasserschutzzone S2 keine Landwirtschaft mehr betrieben werden darf. Lösungen müssen auf den Tisch, die Gemeinde versucht, eine gute Lösung für die Älpler zu finden.

Von Michael Schinnerling

Mehrere Familien bewirtschaften die Alpen Ober- und Unterchlusi seit Generationen. Ab 2031 dürfen sie die Gebäude in der Schutzzone nicht mehr benützen.

Mehrere Familien bewirtschaften die Alpen Ober- und Unterchlusi seit Generationen. Ab 2031 dürfen sie die Gebäude in der Schutzzone nicht mehr benützen.

Die hoch gelegene Quelle unterhalb des Stockhornmassivs liefert selbst in trockenen Sommern konstant zwischen 1400 und 1500 Liter Wasser pro Minute. Für Gemeinderatspräsident Thomas Klossner ist klar: «Das ist die beste Quelle, die Erlenbach hat.» Auf rund 1600 Metern über Meer gelegen, versorgt sie den grössten Teil der Bevölkerung zuverlässig mit hochwertigem Trinkwasser. Gleichzeitig bildet die Klusi-Quelle das hydrologische Fundament eines technisch anspruchsvollen Versorgungssystems. Die Anlage besteht aus drei Fassungssträngen, welche das Wasser in die Brunnstube Klusi-Quelle leiten. Diese übernimmt im geplanten Ausbauprojekt die Funktion eines Wasserschlosses und sorgt für einen konstanten Druckzustand in der neuen Druckleitung.

Doch die Klusi-Quelle ist nicht nur eine technische Anlage, sondern auch ein historisch gewachsener Lebens- und Arbeitsraum. Mehrere Familien bewirtschaften die Alpen Ober- und Unterchlusi seit Generationen. «Die Leute dort oben haben mit Herzblut gearbeitet, über Jahrzehnte, über Generationen», sagt Klossner. «Und jetzt kommt jemand und sagt: Lichter löschen, fertig. Das ist nicht einfach.»

(Ein Bericht zu dieser schwierigen Situtation erschien bereits am 13.7.2023 in dieser Zeitung).

Die Auflage:
Ende der Nutzung bis 2031

Die Vorgaben des Bundes sind klar. Nicht zonenkonforme Nutzungen müssen innerhalb von zehn bis zwanzig Jahren aufgegeben werden. Für die Alp Klusi bedeutet dies: «Die Nutzung in der Grundwasserschutzzone S2 muss man aufgeben», sagt Klossner. Der Kanton hat der Gemeinde eine Frist gesetzt. Bis 2031 müssen sämtliche landwirtschaftlichen Nutzungen in der Schutzzone S2 eingestellt werden. Ab 2032 dürfen die Gebäude nur noch als Abstellräume oder Schattställe ohne Abwasseranfall, Fütterung oder Düngerlagerung genutzt werden. Auch die Schmutzwasserleitung, die in den 1990er-Jahren durch die Schutzzone verlegt wurde, stellt ein Problem dar. «Unglücklicherweise hat man in den 90er-Jahren die Schmutzwasserleitung in die Schutzzone 2 verlegt. Das ist verboten.» Die Leitung muss aus der Schutzzone entfernt beziehungsweise umgelegt werden.

Die Gemeinde
übernimmt Verantwortung

Klossner betont, dass die Gemeinde nicht einfach wegschauen wollte. «Der Gemeinderat Erlenbach ist nicht tatenlos. Wir hätten auch sagen können: Es interessiert uns nicht, schaut selbst. Aber das wollten wir nicht.» Deshalb wurde eine Projektorganisation gegründet, in der Vertreter der Gemeinde, der Alpkorporationen, der Berechtigten sowie der ehemalige Regierungsstatthalter Christian Rubin vertreten sind. Die Gemeindeversammlung sprach einen Kredit von 300 000 Franken, basierend auf einer Marktwertschätzung der betroffenen Gebäude und Flächen. «Das hat uns die Richtschnur gegeben», sagt Klossner. Ziel ist es, die Liegenschaften innerhalb der Schutzzone zu erwerben und den Eigentümern eine faire Grundlage für Verhandlungen zu bieten. Gleichzeitig soll ausserhalb der Schutzzone ein neuer Standort für die Alpwirtschaft entstehen.

Betroffene Familien
und ein Gebiet voller Geschichte

Drei bis vier Familien sind direkt betroffen. Klossner nennt bewusst keine genaue Zahl. Die Alpflächen umfassen rund 560 000 Quadratmeter in der Oberchlusi und 160 000 Quadratmeter in der Unterchlusi. Für viele ist die Alp Klusi nicht nur ein Arbeitsort, sondern ein Stück Heimat. «Es ist ein wunderschönes Gebiet unter dem Stockhornmassiv», sagt Klossner. «Das geht einem schon nahe.»

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Erstellt:
07.08.2026, 00:30 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 30sec
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