Jubiläumsfeier 50 Jahre Pro Simmental

Ernst Zbären nach 50 Jahren Einsatz zum Ehrenmitglied ernannt

Zahlreiche Vereinsmitglieder und vier ehemalige Präsidenten feierten am Samstag, 10. Januar in Zweisimmen das 50-jährige Bestehen des Vereins Pro Simmental. In einer Zusammenfassung zeigte Ernst Zbären das Geschehen der letzten 50 Jahre mit einem Bildervortrag eindrücklich auf. Jürg Wittwer übernahm als ehemaliger Präsident die Ehrung von Ernst Zbären und Kilian Gobeli gab einen Ausblick auf die Zukunft.

Von Fabian Kopp

Volkskundgebung auf dem Mannenberg gegen den Rawiltunnel.

Volkskundgebung auf dem Mannenberg gegen den Rawiltunnel.

Eröffnet wurde der Jubiläumsnachmittag am letzten Samstag im Kirchgemeindehaus Zweisimmen von Kilian Gobeli. Zahlreiche Mitglieder folgten der Einladung, sodass der Raum fast schon zu klein war. Auch wenn es im Winter eher ungewöhnlich ist, Alphörner zu hören, gehören diese doch zu einem Stück Heimatgeschichte, so Kilian Gobeli. Die beiden Alphornbläserinnen Irene Zahler und Erna Freidig aus der Lenk stimmten so auch mit ihren Klängen auf den feierlichen Nachmittag ein. Im kleinen Saal des Kirchgemeindehauses beeindruckten die grossen Instrumente mit ihren voluminösen Tönen. Das zeigte, dass diese Hörner eigentlich nicht in ein Zimmerinstrument sind, sondern eher in die freie Natur, eben auf die Alp gehören.

Rückblick von Ernst Zbären –
dem «unbequemen» Fürsprecher
für die Natur

Nach der Eröffnung blickte Ernst Zbären auf die letzten 50 Jahre zurück. Ernst Zbären ist Mitgründer und langjähriger Kämpfer für den Schutz des Simmentals. Der Naturliebhaber, Wanderer, Fotograf und Alt-Grossrat weiss die Schönheiten des Simmentals zu schätzen und will sie erhalten. Pro Simmental wurde gegen den geplanten Autobahnbau gegründet.

Wie Zbären im Vortrag erklärte, war die Autobahn aber nicht der erste Versuch, die Alpen via Rawil zu überqueren. Bereits 1930 war eine Strasse via Iffigenalp mit einem Tunnel von 21 Kilometern und mit zehn Prozent Steigung geplant. Lachend meinte er zu diesem Projekt, wahrscheinlich wären in einem Tunnel mit dieser grossen Steigung alle an den Abgasen erstickt. Die Gesamtkosten wurden damals auf 2,3 Millionen Franken geschätzt.

Als die Autobahn N6 als Verbindung erstmals ins Spiel kam, war Ernst Zbären im letzten Schuljahr und ein begeisterter Velofahrer. Zu Beginn fand er die Idee toll, mit dem Velo Touren bis ins Wallis machen zu können.

An einer Kundgebung trafen sich 1966 die Vertreter der beiden Kantone (Wallis und Bern) in Zweisimmen, um das Projekt vorzustellen. Damals galt jedes zusätzliche Auto als Fortschritt, entsprechend waren zuerst die meisten im Tal dem Projekt gegenüber positiv eingestellt. Schnell zeichnete sich aber ab, dass die Natur im Simmental durch die Autobahn stark gefährdet und der Lebensraum zerstört worden wäre. Das Simmental wäre keine Tourismusregion mehr, sondern hätte nur noch als Zubringer fürs Wallis fungiert.

Erfolgreicher Protest gegen den Bau der N6 als Verbindung ins Wallis

Am 12. Mai 1976 lud Pro Simmental zur Pressefahrt vom Bahnhof Spiez ins Simmental bis an die Lenk ein. Die Pressevertreter erschienen zahlreich und der Naturkenner Ernst Zbären führte sie an die entsprechenden Orte, wo die Autobahn die intakte Natur im Tal zerstören würde. Dieser Anlass hatte grossen Erfolg und die N6 war nun schweizweit ein Thema. Es wurden die Kleber «N6 Nie» gedruckt und überall aufgeklebt. Viele Ältere können sich noch an die Aufkleber erinnern. Mit einer Petition gegen die N6 wurden etwa 100 000 Unterschriften gesammelt – sie war ein grosser Erfolg. Die Mitglieder trafen sich zur grossen Volkskundgebung auf dem Mannenberg. An der Lenk war damals bereits beim Tunneleingang Wald gerodet worden. Die Mitglieder von Pro Simmental pilgerten an diesen Ort und pflanzten zahlreiche Bäume zum Protest.

Die Walliser liessen sich aber nicht von der Opposition im Simmental beeindrucken. Sie waren mit ihren Sondierstollen bereits 3236 Meter in den Berg vorgestossen. Dann trafen sie mehrere Wasseradern und etwa vier Millionen Kubikmeter Wasser liefen durch den Stollen aus. Die Bohr- und Sondierarbeiten für den Tunnel führten zur starken Entwässerung, die wiederum Felsbewegungen im Untergrund verursachte. Das Tal senkte sich um 11 Zentimeter, und die Mauer des Stausees Lac de Tseuzier bekam Risse.

Im Dezember 1986 lehnten dann sowohl der National- als auch der Ständerat das Projekt ab.

Damit war das grosse Ziel erreicht und der Verein überlegte, ob er sich wieder auflösen sollte. In einer Abstimmung votierten aber 95 Prozent für die Beibehaltung des Vereins.

«Man muss die kleinen Naturwunder im Tal nur sehen»

In seinem Rückblick zeigte Ernst Zbären auch zahlreiche Bilder unseres schönen Tales. «Es gibt so viele kleine Naturwunder im Tal, man muss sie nur sehen», so der leidenschaftliche Fürsprecher für die Natur. So konnte er als Naturfotograf schon bei dem Kampf gegen die N6 die Bevölkerung mit seinen Fotos überzeugen. Auch am Jubiläumsnachmittag zeigte er eindrücklich, wie die Klimaerwärmung unserem Gletscher zusetzt und wie viel Eis auf dem Plaine Morte bereits weggeschmolzen ist. Zbären weiss nicht, ob unsere Gletscher noch zu retten sind. Denn statt dass die Welt zusammensteht und versucht die Erwärmung zu stoppen, «führen Russland und Amerika Krieg in ihren Nachbarländern», ärgert er sich über die Dummheit dieser Politiker.

Der aktuelle Vorstand von Pro Simmental: Vizepräsidentin Katharina Thiele, Kilian Gobeli (Sekretär und Kassier) und Catrin Linke.

Der aktuelle Vorstand von Pro Simmental: Vizepräsidentin Katharina Thiele, Kilian Gobeli (Sekretär und Kassier) und Catrin Linke.

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Erstellt:
15.01.2026, 00:30 Uhr
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