Kantonsübergreifende Schulausbildung

Kantone Waadt und Bern ermöglichen gymnasiale Ausbildung im jeweils anderen Kanton

Schülerinnen und Schüler aus den Regionen Saanenland (BE), Obersimmental (BE) und Pays-d’Enhaut (VD) können ihre gymnasiale Ausbildung ab dem Schuljahr 2026/2027 im jeweils anderen Kanton absolvieren. Dies sieht eine geplante interkantonale Vereinbarung zwischen Bern und der Waadt vor. Sie stärkt die Zweisprachigkeit in der Region, fördert den Dialog zwischen den Sprachgemeinschaften und ermöglicht einen pädagogischen Austausch über die Kantonsgrenzen hinaus.

Von Kantone Bern und Waadt

Frédéric Borloz, Petra Schläppi, Christine Häsler und Christoph Däpp informierten am 20. Februar im Schulzentrum Ebnit, Gstaad, über die geplante kantonale Vereinbarung.

Frédéric Borloz, Petra Schläppi, Christine Häsler und Christoph Däpp informierten am 20. Februar im Schulzentrum Ebnit, Gstaad, über die geplante kantonale Vereinbarung.

Seit 2004 besteht auf der Sekundarstufe I ein Abkommen des Kantons Bern mit dem Kanton Waadt. Dieses erlaubt Schülerinnen und Schülern aus dem Pays-d’Enhaut, für ein Schuljahr die Volksschule der Gemeinde Saanen zu besuchen. Anders war die Situation bisher auf Gymnasialstufe: Jugendliche aus dem Pays-d’Enhaut konnten das Gymnasium in Gstaad nur in einzelnen Fällen besuchen. Voraussetzung dafür war jeweils ein Gesuch an den Kanton Waadt.

An der Medienkonferenz vom Freitag, 20. Februar im Schulzentrum Ebnit in Gstaad informierten Regierungsrätin Christine Häsler (Bildungs- und Kulturdirektorin des Kantons Bern), Staatsrat Frédéric Borloz (Chef des Departements für Bildung und Berufsausbildung des Kantons Waadt), Petra Schläppi (Gemeindepräsidentin von Saanen) und Christoph Däpp (Schulleiter Standort Gstaad des Gymnasiums Interlaken) über die neue kantonale Vereinbarung. Mit der geplanten interkantonalen Vereinbarung zwischen den Kantonen Waadt und Bern für den Besuch der gymnasialen Ausbildung in der Abteilung Gstaad des Gymnasiums Interlaken oder des Gymnasiums in Aigle wird der Zugang nun erleichtert. Schülerinnen und Schüler können den gesamten gymnasialen Bildungsgang in der Sprache des Partnerkantons absolvieren. Es handelt sich dabei um ein freiwilliges Angebot.

Vereinbarung gilt
in zehn Gemeinden

Die Vereinbarung gilt für Schülerinnen und Schüler, welche die Aufnahmebedingungen beider Kantone erfüllen und ihren zivilrechtlichen Wohnsitz in den bernischen Gemeinden Saanen, Gsteig, Lauenen, Lenk, St. Stephan, Boltigen und Zweisimmen oder den waadtländischen Gemeinden Rougemont, Château-d’Oex und Rossinière haben. Sie erhalten damit ab dem Schuljahr 2026/2027 die aussergewöhnliche Möglichkeit eines mehrjährigen Bildungsaufenthalts in einer anderen Sprachregion.

Vielschichtige Vorteile

Die interkantonale Vereinbarung ist eine grosse Chance für die Zweisprachigkeit in der gymnasialen Ausbildung in dieser Region. Sie ermöglicht es, vertiefte Kompetenzen in der jeweils anderen Sprache zu erwerben. Zudem fördert sie den interkulturellen Dialog zwischen den Sprachgemeinschaften und stärkt das gegenseitige Verständnis der Sprachkultur und die regionale Zusammenarbeit. Dadurch entsteht ein nachhaltiger pädagogischer und kultureller Austausch zwischen den beiden Regionen. Auch der Schulalltag erfährt eine Bereicherung.

Tradition der Zweisprachigkeit
wird fortgeführt

Sowohl die Gemeinde Saanen als auch die Kantone Bern und Waadt begrüssen das Abkommen ausdrücklich. Regierungsrätin Christine Häsler, Bildungs- und Kulturdirektorin des Kantons Bern, betont die Bedeutung der interkantonalen Vereinbarung: «Damit wird die Tradition der Zweisprachigkeit und des gegenseitigen Verständnisses zwischen den beiden Sprachregionen des Saanenlands-Obersimmentals und dem Pays-d’Enhaut weitergeführt. Dies ist für den zweisprachigen Kanton Bern und seine Funktion als Brückenkanton besonders wichtig.»

Staatsrat Frédéric Borloz, Chef des Departements für Bildung und Berufsausbildung des Kantons Waadt, ist begeistert von der neuen Partnerschaft, die den Sprachaustausch zwischen Waadtländer und Deutschschweizer Schülerinnen und Schülern erweitert: «Eine zweite Landessprache zu lernen, stärkt den Zusammenhalt unseres Landes. Vor allem ermöglicht es jeder Schülerin und jedem Schüler, der oder die sich dafür entscheidet, die eigene Kultur zu bereichern und Kompetenzen auszubauen, die in der Berufswelt gefragt sind.»

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Erstellt:
03.03.2026, 16:19 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 26sec
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