Tag einer Patrouilleurin bei den Bergbahnen
Vom Puderzucker zum Pulverschnee
Sie ist zur Stelle, wenn andere Hilfe brauchen: Veronika Zumbrunnen-Zeller aus St. Stephan sorgt dafür, dass Skitage sicher sind. Und falls doch etwas passiert, hilft sie mit Herz und Seele den verunfallten Menschen auf der Piste – bei jedem Wetter.
Veronika Zumbrunnen-Zeller mit dem Rettungsschlitten rasch unterwegs zur Unfallstelle...
Der Tagesbeginn ist ritualisiert. Signaletik, Funkgerät, Notfallrucksack, ein kurzer Moment der inneren Kontrolle. Alles muss stimmen. Dann Gondel, Bergfahrt, Weitblick. Der erste Blick aufs Panorama ist jedes Mal ein kleines Geschenk. Doch die Ruhe währt nicht lange. Oben angekommen, geht es gleich los auf die erste Patrouillenfahrt. Veronika verantwortet die Sicherheit auf der Piste: Sie kontrolliert Netze, spannt Schutzmatten, richtet Wegweiser aus. Dabei reflektiert sie oft das Leben selbst. Manchmal geht’s nach rechts, manchmal nach links. Manchmal verzweigt sich die Piste, ein neuer Weg entsteht.
Vor ihrer Zeit im Schnee arbeitete sie als Confiseurin. Eine Mehlallergie zwang die ausgebildete Bäckerin zu einer Zusatzlehre in der Confiserie. Heute zieht sie Pistenlinien im Pulverschnee statt Zuckerlinien. Und doch versüsst sie noch immer den Tag von vielen Schneesportlern auf der Piste.
Wenn jede Minute zählt
Plötzlich piepst das Funkgerät! Ein Notfall, einige hundert Meter unterhalb der Bergstation: Ein Skifahrer ist gestürzt, bleibt am Boden liegen. Veronika macht sich mit dem Rettungsschlitten zügig auf den Weg. Im Rettungsrucksack hat sie die wichtigsten Hilfsmittel bei jedem Einsatz dabei. Ihre Bewegungen sind fokussiert, der Blick wach. Keine Hektik, aber zielgerichtet. Ihre Priorität ist klar: Den verletzten Gast aus der Gefahrenzone bringen und die Bergung organisieren. Schnell ist klar: Die Luftrettung wird angefordert. Bis der Helikopter eintrifft, erfolgt die Erstversorgung ruhig und einfühlsam. Mit wenigen Worten und ihrer empathischen Präsenz beruhigt Veronika den Patienten, bis die Rega an der Unfallstelle eintrifft.
Zeit zum Runterfahren
Nach der Bergung schreibt sie den Rapport auf der Rückfahrt zur Bergstation. Die Gondel gleitet durch die liebliche Schneelandschaft, das erdet Veronika besonders nach dramatischen Momenten. Sie nimmt sich Zeit, bevor der nächste Auftrag ruft. Mit der Kamera fängt sie Szenen ein; nicht für Likes, sondern für die Seele. Fotografieren ist neben dem Backen ihre grosse Leidenschaft: Schnee, der im Gegenlicht tanzt. Ein Windhauch, der ein Netz zum Schwingen bringt. Und manchmal ein Güetzi – auf einem Pistenschild platziert und mit einem Augenzwinkern fotografiert. Kleine Dinge, grosse Wirkung.
Wenn der Tag sich neigt und die Schatten länger werden, kehrt sie zurück zur Bergstation. Dort ein Schluck Tee, den Blick nochmals über das Panorama schweifen lassen, ein Güetzi zum Zvieri: Es ist ein stiller Moment, aber nicht einsam. Die Schneesportler:innen auf den Pisten, die Landschaft, das Licht – all das verbindet sich zu einem Bild.
Veronikas Geschichte ist nicht laut. Doch sie hallt nach und zeigt, was Fürsorge bedeutet. Zwischen Rettung und Rücksicht, Kameradschaft und Konzentration: Der Zauber eines Alltags ist viel mehr als seine Routine. Ein Tag wie Schnee: flüchtig – und doch bleibend im Gedächtnis.
... und geniesst am Feierabend das Bergpanorama in der Abendsonne bei einem Kaffee und selbstgebackenen Güetzi.