Renovation Pfarrhaus
Pfarrhaus als Kulturdenkmal – wieder ein stolzes Herrschaftshaus
Die erste energetische Sanierungsphase am über 500-jährigen Pfarrhaus der reformierten Kirchgemeinde Zweisimmen ist abgeschlossen. Die Bevölkerung durfte das renovierte, stattliche Gebäude besichtigen.
Architekt und Kirchenbehörden sind stolz auf die gelungene Pfarrhaussanierung. V.l.: Daniel Sumi, Vorsitzender der Baukommission, Heidi Hodel, Kirchgemeindepräsidentin, Architekt Matthias Trachsel und Peter Hunziker, Baukommission.
In Zweisimmen bildet die reformierte Kirche zusammen mit dem Pfarrhaus, dem Beinhaus, dem Kirchgemeindehaus und dem Friedhof eine Einheit. Die zum harmonischen Kirchenbezirk gehörenden Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Bauherrin Heidi Hodel, als Präsidentin des Kirchgemeinderates: «Mit der Neubesetzung der Pfarrstelle ergab sich die Gelegenheit eine erste Phase der Renovationsarbeiten vorzunehmen. Die Residenzpflicht schreibt vor, dass der Ortspfarrer im Pfarrhaus wohnen muss.» Seit Jahrzehnten wurde am Pfarrhaus baulich nichts mehr gemacht. Im Anschluss an den sonntäglichen Gottesdienst für «Gross und Chly» standen die Türen zum «neuen» Pfarrhaus offen.
Energetische Sanierung sinnvoll
Bereits im August 2009 wurde das Atelier Werkidee Trachsel von Architekt Matthias Trachsel aus Zweisimmen zu einer Projektstudie beigezogen. Die umfangreiche Gebäudeanalyse sah eine energetische Sanierung der Gebäudehülle vor, trotz des 80 bis 90 Zentimeter dicken Mauerwerkes. Auch der Innenausbau benötigte eine Auffrischung. Desgleichen waren Türen und Fenster in einem schlechten Zustand. Nach Angaben des weggezogenen Pfarrer Holger Finze haben Pfarrhaus und Kirchgemeindehaus an gemeinsamer Heizung einen sehr grossen Heizölverbrauch. Vom Dorfbrand im Jahre 1862 blieben die Kirchengebäude verschont. Beim Brand im Dachgeschoss des Pfarrhaus 1940 wurden auch die darunter liegenden Geschosse beeinträchtigt.
Gebäude, Amtsräume und Wohnung
Vor rund acht Monaten begann die erste Sanierungsphase mit der thermischen Dämmung der Fassade. Fast gleichzeitig wurden alle Fenster ersetzt, deren Nischen gedämmt. Eine weitere Massnahme war im obersten Stockwerk Zimmer-seitig die wärmetechnische Isolierung des Dachbodens. Architekt Matthias Trachsel: «Die energetischen Sanierungsmassnahmen wurden vom archäologischen Dienst des Kantons Bern begleitet. Besonders aufwändig war das Auftragen des Dämmungsputzes mit Einbezug der ursprünglichen Gebäudestruktur und den Fenstern im Barockstil.» Von den ganzen Massnahmen erwartet Trachsel eine Energieersparnis von ca. 50 Prozent. Auch innerhalb des stolzen Herrschaftshauses waren nebst dem Einbau einer neuen, zeitlosen Küche verschiedene Unterhaltsarbeiten angesagt. Alle ursprünglichen Parkett- und Riemenböden wurden freigelegt, abgeschliffen und geölt. Dazu bekamen Wände, Decken und Holzwerk in allen Zimmern einen neuen Farbanstrich. Architekt Trachsel: «Die vielfältigen Sanierungsarbeiten der ersten Etappe wurden zur Hauptsache durch Firmen im Tal ausgeführt. Die Kosten belaufen sich auf rund 650 000 Franken.»
Nächste Etappe steht bevor
In einem nächsten Schritt soll die Öl-Heizung durch eine Pellet-Heizung ersetzt werden. Auch die parkähnliche Gartenanlage soll neu gestaltet werden. Dabei muss auch der Sickerleitung rund ums Haus ein Augenmerk geschenkt werden. Dazu Daniel Sumi als Vorsitzender der Baukommission: «Zum zeitlichen Ablauf, ob 2012 oder 13 wissen wir noch nichts Konkretes. Zum einen stand nun der Termin zum Wohnungsbezug von Pfarrer Günter Fassbender im Vordergrund, ein anderer Punkt sind die uns zur Verfügung stehenden Finanzen.»Fritz Leuzinger