Schweizer Trio als würdige nationale Botschafter

Entzückend, geisterhaft, spannungsvoll: Das Festival-Konzert «Top of Schwitzerland III, präsentierte in Zweisimmen ein meisterhaftes Schweizer Trio, welches mehr Publikums-Aufmarsch verdient hätte. Es berührte mit Beethoven, Mendelssohn und «Alpentangomania» des Zürchers, Martin Wettstein.

Das Schweizer Klaviertrio entzückte am Menuhin Festival Gstaad in der Kirche Zweisimmen mit geisterhaftem, spannungsvollem und präzisem Zusammenspiel.

Das Schweizer Klaviertrio entzückte am Menuhin Festival Gstaad in der Kirche Zweisimmen mit geisterhaftem, spannungsvollem und präzisem Zusammenspiel.

Das Schweizer Klaviertrio mit Martin Lucas Staub, Klavier, Angela Golubeva, Violine, und Sébastien Singer, Violoncello, ist mehrfach Preisgewinnerin und zählt heute zu den interessantesten Kammerensembles seiner Generation. Es fragt sich nur, ob es ausländische Formationen sein müssen, um die Kirche Zweisimmen anlässlich des Menuhin Festivals mit Zuhörenden zu füllen? Das Ensemble und die delikate Programmwahl hätten mehr Publikum verdient gehabt!

Das Trio legte am Menuhin Festival Konzert unter «Top of Switzerland» unter Beweis, dass es auch nationale Talente im eigenen Land gibt. Die locker aufspielenden Musiker/in überzeugten ab den ersten Takten in Beethovens berühmten Geistertrio in korrekter, präziser und zugleich lockerer, frischer Manier

Zwei Welten trafen aufeinander

In «Alpentangomania» kam ein zeitgenössisches Werk zu Gehör, welches angenehm und spannungsvoll wirkte. Dem Zürcher Komponist Martin Wettstein gelang es, in einer explosiven Mischung zwei Welten zur verbinden: Der argentinische Tango und die Alpen. Dass der Komponist aus Zürich, Martin Wettstein, ein Extremist wie Beethoven ist, war nicht zu überhören. Extreme Dynamik von zarten Flageolets, temperamentvollen Akkorden bis raumfüllende, klangvolle Spielereien wie etwa wild draufgängerische Klavierpassagen mit viel Pedaleinsatz kamen zum Ausdruck. Experimentierende Effekte loteten die Möglichkeiten der Instrumente aus. Wie Regentropfen wirkten in die Flügelsaiten gelegte Papierseiten. Ländler, Zäuerli, Jodel bis zum Lied «der Schacher Seppli» trafen auf Tango.

Bunte Schattierungen, differenzierte Abstufungen

In Felix Mendelssohns stimmungsvollen Klaviertrio Nr. 2, c-Moll, kam nochmals zur Geltung, dass das Trio seit 15 Jahren auftritt. Die drei Künstler/in vollbrachten fast Unmögliches; sie verbanden eine breite Palette von perlenden Nuancen mit hinreissender Vitalität und der reichen Poesie zu einer ebenso noblen wie temperierten Harmonie.

Eindrücklich wartete das Trio mit einem sich allmählich von den tiefen Tonlagen in die Höhe treibenden Allegro auf. Den vollen Kontrast schöpften sie im entzückenden, friedlichen Andante aus, bis die Akkorde des flinken Scherzos folgten. Die charakteristische Klangsprache und kontrastreichen Akzente, die sich ebenso in der teils extremen Tempowahl niederschlugen, liessen aufhorchen. Hinzu kamen bunte Schattierungen und differenzierte Abstufungen. Das Zusammenwirken der Drei wirkte über jeden Zweifel erhaben. Und wie sie im schwelgerischen-taktigen Finale die jeweilige Stimmführung übergleiten liessen, zeugt von einer zauberhaften Eingespieltheit.

Heidy Mumenthaler

Das Schweizer Klaviertrio entzückte am Menuhin Festival Gstaad in der Kirche Zweisimmen mit geisterhaftem, spannungsvollem und präzisem Zusammenspiel.

Das Schweizer Klaviertrio entzückte am Menuhin Festival Gstaad in der Kirche Zweisimmen mit geisterhaftem, spannungsvollem und präzisem Zusammenspiel.

Zum Artikel

Erstellt:
05.09.2013, 07:48 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 07sec
Kommentare