Schwingerweg und -Pavillon als Naturpark-Leuchtturm auf Springenboden
In Sachen Feierlichkeiten überbieten sich die Diemtiger immer wieder von neuem. Bei der Einweihung des Schwingerweges auf Springenboden war einzig der Wettergott nicht mit von der Partie. Als Gäste waren unter anderem der Nationalrat und OK-Präsident des Eidg. Schwingfestes in Burgdorf, Andreas Aebi und die beiden ehemaligen Schwingerkönige David Roschi und Harry Knüsel zugegen. Aus dem Muotathal reiste Ruth Marty, Präsidentin der Schweizer Frauenschwingerinnen an, und die männliche Schwingergilde vertrat der Oberländer Schwingerpräsident Ueli Stoller aus Frutigen. Schwingerkönig Kilian Wenger blieb es vorbehalten, die Türe zu «seinem» Schwinger-Pavillon zu öffnen. Der Schwingerweg auf Springenboden, nur wenige hundert Meter über seinem ehemaligen Wohnsitz, soll zum Leuchtturm im Angebot des Naturparks Diemtigtal werden.
Eröffnung Schwingerweg
Mit dem berührenden Jodellied «Es schöns Daheim» von Ueli Moor stimmten die Diemtiger Horejodler die Besucher auf den Festakt ein. Gemeindepräsident Hans von Allmen bewies alsdann seine Qualitäten als Naturpark-Botschafter: Humorvoll und in vier Sprachen (deutsch, englisch, italienisch und französisch) informierte er die Gäste über die Besonderheiten des Schwingsports. Nationalrat Andreas Aebi hatte bei seiner Festrede ein Heimspiel. Als Gantrufer steht er seit Jahren an der Springenboden-Steigerung im Einsatz. Der Alchenstorfer gratuliert den Naturpark-Verantwortlichen zur Erstellung des Schwingerwegs: «Ihr zelebriert das Thema in einem guten Sinn und bringt Natur, Kultur, Tourismus, Landwirtschaft und Wirtschaft unter einen Hut.» Aebi schlug auch eine Brücke vom Schwingsport als einer der acht wichtigsten Schweizer «Brands» (neben Fondue, Jassen, Alphorn, Feldschiessen, Vereinsleben, Konsumkultur und Trockenmauern) zu den vielen Sehenswürdigkeiten im Land: «In der Schweiz gibt es 157 UNESCO-Projekte und im Diemtigtal wechselt das Landschaftsbild alle dreissig Sekunden!» Als Präsident des Organisationskomitees für das Eidgenössische Schwingfest in Burgdorf nahm er die Gelegenheit wahr, über den Vorbereitungsstand des grössten Festanlasses in diesem Jahr zu informieren: «Tickets kann ich euch leider auch nicht organisieren!»
Aufschwung dank König Kili
Ueli Stoller, Oberländer Schwinger-Präsident überbrachte auch die Grüsse des nationalen und kantonalen Verbands: «Der Schwingsport hat nicht zuletzt dank Kilian Wenger einen erfreulichen Aufschwung genommen. Das Interesse der Medien ist gewaltig und von 2005 bis 2012 stieg die Zahl der Jungschwinger im Oberland von 139 auf 228 an.» Er verhehlte aber nicht, dass mit dem Erfolg auch Auswüchse verbunden seien: «Einzelne selbst ernannte Sportmanager schaden dem Schwingsport.»
Anregung aus der Bevölkerung
Als letzte äusserten sich Christian Germann, Präsident der Freunde des Naturparks Diemtigtal und Markus Mösching als Präsident der Naturparkkommission zum neuen Angebot auf Springenboden: «Das Projekt Schwingerweg ist ein gutes Zeichen für den demokratischen Weg im Aufbau des Naturparks. Es wurde uns aus der Bevölkerung zugetragen», sagte Christian Germann, dessen Arbeit, wie auch die der Projektverantwortlichen Gaby Speck, mit einer Schwingerhose gewürdigt wurde. Markus Mösching konnte schon auf nächste Naturpark-Errungenschaften hinweisen: «Der Schwingerweg mit seinem Pavillon ist ein Leuchtturm. Wir arbeiten aber auch am Projekt Grosswald, an der Öko-Beitragsverordnung und am Label für Alpmilch-Produkte.» Beide dankten den Sponsoren und allen, die ihren Beitrag zum Schwingerweg geleistet haben.
Uraufführung des Kilian-Wenger-Marsches
Die Bilder aller bisherigen Schwingerkönige, lebensgrosse Modelle von Kilian Wenger und Muni Arnold, Treicheln und Schwinger-Utensilien verzieren den neuen Schwingerpavillon. Bevor Kilian Wenger die Türe öffnen durfte, stand noch ein ganz spezieller Punkt auf der Traktandenliste. Daniel Kunz, Hirschenwirt von Oey, trug zusammen mit den Diemtigtaler Hexenschuss-Schwyzerörgelern den von ihm komponierten Kilian-Wenger-Marsch erstmals öffentlich vor. Auch das Gsässweid-Wirtepaar Margrit und Peter Neukomm trug zum Gelingen des Eröffnungsfestes bei. Sie spendeten das «Apéro riche» und dank der überdeckten Terrasse waren die Gäste vor der Unbill der Witterung bestens geschützt.
Ernst Hodel