«Eine sonderbare Betrachtungsweise»
Die Erdöl-Lobby hat wieder einmal den Zweihänder ausgepackt und grobes Geschütz aufgefahren. In ganzseitigen Inseraten stellt sie Wärmeverbünde in Frage, welche sehr oft mit nachwachsendem, CO2-neutralem Holz aus der Region betriebenen werden. Diese würden uns, im Gegensatz zur Ölheizung, in unserer Wahlfreiheit einschränken und sowieso nur auf Anschlusszwang beruhen. In der Schweiz sind rund 2500 grosse oder kleine, mit Schnitzeln oder Pellets betriebene Holz-Wärmeverbünde in Betrieb. Einen Anschlusszwang kennen nur die allerwenigsten. Der überwiegende Teil der Liegenschaften wurde freiwillig angeschlossen, weil ihre Besitzer bewusst den Weg aus dem fossilen Alltag hin zu einer nachhaltigen und erneuerbaren Energieversorgung suchten. Und weil sie eben nur in einem Wärmeverbund langfristige Wärmelieferverträge mit indexierten Wärmepreisen angeboten erhielten, und damit weitgehend unabhängig sind von extremen Preisschwankungen. Zwischen 2011 und 2014 lag der Erdölpreis in der ganzen Schweiz durchgehend über 1 Franken pro Liter, die Preisschwankungen waren innerhalb eines Jahres mit rund 10 Prozent minim.
Im Vorgang dieser Stabilitätsperiode stieg der Ölpreis zwischen Januar und Dezember 2007 von 70 Rappen auf 1.10 Franken pro Liter, und zwar bei allen Lieferanten. Wie stand es in dieser Zeit um die im Inserat beschworene Wahlfreiheit des Hauseigentümers, der sein Haus mit Öl beheizt. Die Steigerung um fast 60 % in einem knappen Jahr ist heute scheinbar vergessen.
Den Wärmeverbünden wird weiter vorgeworfen, dass die Fernleitungen sehr gut gedämmt sind. Erstens sind das gesetzliche Vorschriften und zweitens langfristige Investitionen, welche letztlich die Verluste minimieren und damit einen günstigen Wärmepreis ermöglichen.
Das gleiche gilt für die Kombination von Holz- und Ölheizung bei Wärmeverbünden. Dies macht sowohl wirtschaftlich als auch emissionsmässig sehr grossen Sinn und zeigt, dass fossile Energie die Erneuerbaren durchaus ergänzen kann. Diese Symbiose ist auch ein bedeutender Faktor der Energiestrategien von Bund und Kanton.
Ob Wärmeerzeugungen als Einzel- oder Gesamtlösungen realisiert werden, spielt für das lokale Gewerbe eine untergeordnete Rolle. Erfahrungsgemäss bleibt auch bei Wärmeverbundlösungen der grösste Teil der Arbeit in der Region. Anders sieht die Wertschöpfungsbilanz bei den Energieträgern aus. Von 100 Franken ausgegebenen Energiekosten bleiben beim Holz praktisch 100 % in der Region, beim Öl «wandern» über 60 % ins Ausland ab.
Die Fernwärme in diesem Masse in Frage zu stellen ist unsinnig und anmassend. BeoHolz steht voll hinter der bisherigen, bewährten Praxis, die Umwelt dankt den Erneuerbaren.
Fazit: Bei genauerem Hinschauen entpuppt sich das Inserat als Rohrkrepierer! Hanspeter Abbühl, Därstetten
Vorstand BeoHolz
Erich von Siebenthal, Gstaad,
Nationalrat, Präsident BeoHolz