Energiewende durch Wasserkraft?

Energiewende durch Wasserkraft?

In einem sehr umfassenden Artikel zeichnet Walter Zeller die Geschichte der Wassernutzung im Simmental nach, was ich mit Interesse gelesen habe. Dass es aber unter dem Stichwort «Energiewende» einfach im selben Stil weitergehen soll, ist mehr als fragwürdig. Wir müssen uns die Grössenordnungen vor Augen halten: Auch mit einem nur einigermassen ökologisch verantwortbaren Ausbau der Wasserkraft könnten höchstens zehn Prozent des AKW-Stroms ersetzt werden (2,5 von 25 Terrawatt), und auch das nur unter teilweiser Missachtung von Landschaftsschutz und Bundesverfassung (Rothenthurm-Artikel). In anderen Bereichen kann ein Mehrfaches an Strom eingespart oder sehr viel schonender produziert werden. Zum Beispiel liegt alleine bei der Effizienzsteigerung (optimierter Einsatz der Energie ohne Komforteinbusse) ungleich viel mehr drin (19 Terrawatt) als beim Ausbau der Wasserkraft.

Warum wird dann so viel gebaut und zerstört für so wenig Wasserkraft und so wenig gefördert (auch an Arbeitsplätzen) für so viel Sparmöglichkeiten? Das mögen alle für sich selbst beantworten.

Sicher ist: Ohne den Fehlanreiz der KEV würde niemand an der Laubegg 50 Millionen oder mehr (Bausumme plus Bundessubvention) verbauen. Das Werk wäre ohne KEV völlig unwirtschaftlich. Die KEV-Regelungen sollen im Herbst im Parlament diskutiert werden, Ständerat Luginbühl möchte dabei eine führende Rolle spielen. Er als CEO der KWO wie auch NR Urs Gasche (CEO BKW, also der eigentlichen Bauherrin an der Laubegg) haben sich recht kritisch geäussert zum Kosten-Nutzen-Schaden-Verhältnis bei kleinen Wasserkraftwerken, zumindest im Vergleich zu anderen Möglichkeiten, von denen auch Herr Zeller eine anspricht (Stufe Weissenbach von Garstatt bis Erlenbach).

Für mich steht jedenfalls fest: Wir haben ganz andere, mehrfach ergiebigere und schonendere Technologien für die Energiewende als das fortgesetzte Zubetonieren unserer Bäche, Flüsse und Wasserfälle.

Nur kurz zum weiten Thema Speicherung: Schon heute muss viel AKW-Strom (Bandenergie) zeitweise zwischengespeichert werden. Wenn der mal wegfällt, stehen dieselben Kapazitäten zur Verfügung, um die Schwan-kungen von Fotovoltaik usw. auszugleichen. Und auch hier gibt es zusätzlich ganz andere Technologien, die viel zu wenig gefördert werden.

Ein weiterer Satz in dem Artikel hat mich sehr beschäftigt: «Der Wasserfall bleibt erhalten». Stimmt das wirklich? Auch das überlasse ich dem Urteil der Leserinnen und Leser (siehe Bilder und Kommentare). Gusti Pollak, Boltigen

Ob die «Fotomontage» von 1m³/sek. wirklich nur einen guten Drittel von 2,8 m³/sek zeigt? Das Restwasser dürfte noch dürftiger ausfallen und ist neun mal weniger als der Durchschnitt des intakten Falls (übers ganze Jahr, inklusive Winter).

Abbildungen aus den Konzessionsgesuchs-Unterlagen von Simmentaler Kraftwerke/BKW. Jetzt im Sommer wird der grosse Brocken in der Bildmitte beidseitig um- und teilweise überspült.

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Erstellt:
02.08.2013, 00:00 Uhr
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