«Grossrätliche Kritik am Winterdienst auf der Saanenmöserstrasse»

SZ Nr. 1/2 vom 10. Januar 2013

Es bleibt unklar, was die Interpellation und die Begründung mit Druck auf die Tränendrüse und von geradezu epischer Breite der Grossräte Bethli Küng, Hans-Jörg Pfister und Thomas Knutti, eigentlich soll. Vor allem, wenn man die entsprechende Antwort von Frau RR Barbara Egger in der gleichen Nummer liest. Was bezwecken die Interpellanten, die geradezu den Untergang des Vaterlandes beschwören? Schaumschlägerei, Stimmungsmache gegen eine Regierung, die mehrheitlich nicht dem politischen Lager der Interpellanten entspricht, Infragestellung der Würde und Kompetenz der zuständigen Regierungsrätin oder Ablenkung von eigenen Missetaten? Ich kann mich im Moment tatsächlich nicht daran erinnern, dass sich jene gegen die eidgenössische Unternehmenssteuerreform II oder gegen die kantonale Reduktion der Motorfahrzeugsteuern gestemmt hätten. Die notwendig gewordenen Sparmassnahmen sind die Folge des bösen Tuns. Dass diese alle treffen, entbehrt nicht einer gewissen Logik. Es dürfte doch relativ leicht nachvollziehbar sein, dass man dem Staat die notwendigen Mittel nicht nach Belieben vorenthalten kann und gleichzeitig Maximalleistungen im Spitalwesen oder in der Sicherheit erhält. Da kann etwas nicht aufgehen. Schon kleinere Kinder lernen, dass «der Fünfer und s’Weggli» nicht gleichzeitig zu haben sind. Dies dürfte doch auch für Grossräte gelten. Vollends bizarr aber wird die Begründung da, wo die Interpellanten den Schuldigen nach dem St. Floriansprinzip im weiteren Ausbau der «ungeheuerlichen Zentralverwaltung» dingfest machen. Aha. Heisst das, dass die Interpellanten die «Staatsverwaltung» nach den Vorschlägen von Grossrätin Bethli Küng von Bern abziehen und in einem «Halbkanton Oberland» und einer künftigen Hauptstadt Zweisimmen, Frutigen oder Interlaken ansiedeln möchten? Dass Thun zu einer solchen Missgeburt sein Einverständnis geben könnte, scheint schwer vorstellbar. Es ist aber nicht zu leugnen, dass damit die «ungeheuerliche Zentralverwaltung» in Bern erheblich verkleinert werden könnte, da u. a. so unmögliche Interpellationen wie die aktuell vorliegende nicht mehr behandelt werden müssten. Ob damit dem Kanton als Ganzes aber gedient wäre, muss wohl bezweifelt werden. Meines Erachtens wäre eine sachlichere und weniger effekthascherische Politik ehrlicher und nachhaltiger. Ueli Corrodi, Lenk

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Erstellt:
17.01.2013, 00:00 Uhr
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