Konzept Eventpolitik des Gemeinderates Lenk
Unter dem Titel «Klausur des Gemeinderates» stellt die Simmentalzeitung in der Nummer vom 13. Juni 2013 das «Lärmkonzept» des Gemeinderates Lenk vor. Bei der ersten Lektüre stellt sich grosse Erleichterung ein zu hören, dass sich der Gemeinderat tatsächlich mit den schon mehrmals kritisierten Lärmimmissionen an der Lenk auseinander setzen und für Abhilfe sorgen will. Bei der zweiten Lesung tritt allerdings rasch Ernüchterung ein, und es stellen sich mehr Fragen, als dass Antworten zu finden wären:
Die Lenk sei «kein Kurort mehr», sondern ein «Tourismusort». Das stimmt, werden in der Lenk doch keine Dämmer-, Liege- und Molkenkuren gegen Tuberkulose, Kretinismus und allgemeines Siechtum mehr angeboten und es gibt den klassischen «Kurgast» nicht mehr. Nur: Bedeutet das, dass in einem «Tourismusort» jederzeit Rambazamba in voller Lautstärke bis weit nach Mitternacht stattfinden soll? Bedürfnisse von ruhe- und erholungssuchenden Feriengästen, Pensionären und Familien, die weder «ehemaligen Kurgästen» noch abenteuerhungrigen Jugendlichen entsprechen und die nicht jeden Abend auf die Sause wollen, haben in diesem Konzept keinen Platz mehr?
Die Lenk sei auch ein «Ort für die Jugend mit ihrer Eventkultur». Schön. Da hat wohl niemand etwas dagegen. Nur: Ist denn ein «Event» zwingend mit ohrenbetäubendem Lärm verbunden, der hunderte von offenbar zweitklassigen Feriengästen am Schlaf hindert? Das ist nicht logisch. Es sei denn, der Wert eines «Events» messe sich an der verursachten Störung.
Es soll «für alle das gleiche Recht» gelten. Was heisst denn das? Der stille Bürger darf so laut sein wie der schrille, auch wenn er das gar nicht will? «Täter» haben das gleiche Recht wie «Opfer»? Eigenartig. Natürlich, der eine darf delinquieren, der andere darf leiden, beiden dürfen «gleichberechtigt» das tun, was zu ihnen passt. Autoraser «gleichberechtigt» wie Verkehrsopfer, Raucher «gleichberechtigt» wie Nichtraucher? Ich hätte erwartet, dass in einem «Lärmkonzept» so etwas wie «gegenseitige Rücksichtnahme» erwähnt würde.
Ein Veranstalter eines lärmintensiven Events könne vier Jahre gegen alle Auflagen verstossen, bevor sein Anlass nicht mehr stattfinden dürfe. Und der nächste rücksichtslose Veranstalter kommt bestimmt. Ob an der Lenk ganz allgemein so sanft mit Gesetzesbrechern umgegangen wird? Vor allem mit den einen, die etwas «gleichberechtigter» wären als die andern?
Vollends grotesk aber ist der Passus, in dem erwogen wird, «einen Akustiker zu beauftragen, der prüfen soll, ob die so genannten Dezibel auch mit der Lärmempfindung verbunden sind». Nun ja, dass ist natürlich eine spannende Frage. Eine ähnliche Frage wäre, ob am Thermometer gemessene Minustemperaturen etwas mit «Kälte» zu tun haben. Oder ob am Tachometer im Auto gemessene Geschwindigkeiten etwas mit der Schwere von allfälligen Kollisionen zu tun haben. Ob uns der Gemeinderat da nicht auf den Arm nehmen will?
So weit so gut. Es bleibt zu befürchten, dass der Berg daran ist, eine Maus zu gebären und alles so bleibt wie es war. D. h. dass die Lärm-Misere an der Lenk weiter andauert wie bereits bekannt. Auch das ist eine mögliche Form von Politik, nämlich so zu tun, wie wenn etwas geschähe. Ob der zugezogene «Moderator» und Rechtsanwalt auch seinen Preis wert war?
Ueli Corrodi,
Lenk+Hinterkappelen