«Lenk by night»

Ich konnte im Jahr 1962 unser neuerstelltes Ferienhaus im Simmengütli an der Lenk beziehen. Damals war das Dorf ein verschlafenes Nest, das im Winter eine Sesselbahn auf das Leiterli vorweisen konnte und für die ältere Generation das Bellevue mit einem «Tee dansant». Als Kinder war uns das egal; wir genossen das Landleben mit Ausflügen und Räuberspielen. Später, als Teenager, blieben wir allerdings der Lenk fern, da es uns in die Lokale von Thun, Bern oder Interlaken zog, weil es an der Lenk nichts gab.

Mit der Zeit entwickelte sich die Lenk zu einem attraktiven Ferienort, wo auch den Jugendlichen etwas geboten wird. Das Angebot an Bergbahnen wurde stark vergrössert, es wurde ein Hallenbad gebaut und ein Kino stand zur Verfügung. Zudem konnte man je nach Alter die Abende im Pub, im Hirschen oder im Wildstrubel verbringen.

Den Quantensprung erlebte die Lenk allerdings erst mit der Eröffnung des Tipis und des Bazars mitten im Dorf. Nun mussten ich und meine Kinder am Abend nicht ins Unterland fahren, wenn wir den Ausgang geniessen wollten. Im Gegenteil, es kamen jetzt sogar Gäste aus dem Unterland in den Ausgang an die Lenk! Die Öffnungszeiten des Tipis – während der Woche bis 22 Uhr und am Wochenende bis 23 Uhr – scheinen mir und meiner Familie zwar etwas kleinkariert. Wir wünschten uns tägliche Öffnungszeiten bis 23.30 Uhr, wie das in anderen Lokalen üblich ist. Wer geht schliesslich vor Mitternacht ins Bett, wenn er in den Ferien weilt? Wenn nun gewisse Feriengäste reklamieren, es gebe zu viel Lärm, möchte ich dagegen stark protestieren. Ich bin der Meinung, dass «etwas laufen» muss, wenn ich in den Ferien bin und das ist natürlich auch mit Geräuschen verbunden. Wer die absolute Ruhe sucht, ist in einem Winter-Ferienort wie der Lenk nach meiner Meinung fehl am Platz. Es gibt genügend Orte, wo abends Grabesruhe herrscht. Alle meine vielen Bekannten, die an der Lenk Ferienwohnungen besitzen oder mieten, sind bestimmt meiner Meinung. Der Gemeinderat sollte die kleinkarierten Meckerer ja nicht ernst nehmen. Bevor sie Massnahmen zur Beschränkung der Öffnungszeiten des Tipis beschliessen, sollten sie die Feriengäste befragen, aber nicht die Gästevereinigung, weil die nicht repräsentativ ist. Vielleicht kommt dann der Gemeinderat zum Schluss, dass man die Öffnungszeiten sogar noch verlängern sollte! Ich hoffe jedenfalls auf eine weiterhin fortschrittliche und weltoffene Zukunft der Lenk, damit auch meine Grosskinder einmal sagen können: Ar Länk fägts!Peter Baumann, Thun und Lenk

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Erstellt:
21.02.2013, 00:00 Uhr
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