Marketingtipps an GST und BDG
Von 2000 bis 2004 habe ich in Blankenburg gewohnt und bei der VBG in Gstaad gearbeitet. Mir liegt die Region immer noch sehr am Herzen. Ich hoffe, dass mein Brief die Verantwortlichen motiviert, positive Lösungen zu suchen und die Region der ehemaligen VBG zu entwickeln. Wir wohnen in Lengnau und leider muss ich feststellen, dass unsere Freunde und Bekannte hier allesamt die Lenk vorziehen! Jeder, der an die Lenk fährt, fährt durch Zweisimmen; und jeder der dies tut, ist eine verpasste Chance für Zweisimmen. Wacht endlich auf und entwickelt dieses fantastische Skigebiet!
Über die Festtage waren die Schneeverhältnisse im Obersimmental und Saanenland wie überall in den Bergen alles andere als grandios. Umso überraschter waren wir über den Zustand des Lernparks in Zweisimmen; dieser war schlichtweg grandios! Ein riesiges Kompliment und Dankeschön an die Leute, welche sich dafür eingesetzt haben. Unsere Kinder haben die Zeit dort genossen! Schade, dass dieser nur von sehr wenigen Kindern besucht wurde. Auch die obere Sektion am Rinderberg war super zum Skifahren; genügend Schnee und gut präparierte Pisten.
Umso schwerwiegender fallen gewisse administrative Fehler auf:
Marketingtipp 1: Kommunizieren, was offen ist
Wenn fast alle Pisten geschlossen sind, wie diese Festtage, muss der Gast auf der Startseite sehen, was offen ist. Einfacher Fliesstext, manuell eingegeben (geht natürlich nur, wenn die Marketingleute arbeiten und nicht in den Ferien sind!). Auf den Tools auf der Gstaader-Homepage stand infolge des wenigen Schnees bei fast allen Pisten «geschlossen». Ja, das war nun mal so, dafür kann niemand etwas, das versteht jeder. Uns Gäste interessieren aber nicht die geschlossenen, sondern die offenen Pisten. Über offene Lernparks habe ich auf der Gstaader-Homepage überhaupt keine Infos gefunden, deshalb wohl auch die nur vereinzelten Kinder im Zweisimmener Lernpark. Ein Hohn gegenüber den Leuten, die sich dafür eingesetzt haben.
Marketingtipp 2: Tageskarte nur für die obere Sektion ist zu teuer
62 Stutz für eine Tageskarte nur für die obere Sektion am Rinderberg ist unverhältnismässig, um nicht zu sagen eine Frechheit; Wucher! Nach ein paar Tagen ist der Lernpark für einen Sechsjährigen natürlich keine grosse Herausforderung mehr. So habe ich unserem Junior versprochen, dass wir am letzten Tag in Zweisimmen auf die grosse Bahn gehen, dies in der Annahme, dass ich eine Tageskarte für einen vernünftigen Preis kaufen kann, wohl ca. 40 Franken. Für nur eine Sektion wäre das in etwa ein fairer Preis. Meine Frau brachte uns an die Talstation, Junior und ich gehen an die Kasse und müssen 62 Eier hinlegen! Nö, das geht nicht. Meine Frau war bereits weg und Junior habe ich versprochen auf den Rinderberg zu gehen, also bezahlst du halt. Aber eines ist klar: Die nächsten Skitage verbringen wir an der Lenk. Dort wird das Skigebiet entwickelt, steht neue Infrastruktur, waren diverse Pisten offen über die Festtage und es gab Tageskarten zu reduzierten Preisen. Dort sind Gäste willkommen!
Marketingtipp 3: Lernpark muss nicht gratis sein
Der Lernpark ist für Kinder unter neun Jahren gratis, das ist ja nett. Wenn ich aber unseren Dreijährigen begleite (so ein Dreikäsehoch braucht natürlich noch Hilfe) müsste ich eine Tageskarte für wiederum 62 Stutz kaufen. Er fährt etwa vier, vielleicht sogar fünf mal die Piste runter, dann ist «aus die Maus». Nach einer Mittagspause können wir am Nachmittag nochmals in den Lernpark, aber ihr versteht, dass ich dafür nicht 62 Franken bezahle. Gerne würde ich für den Lernpark pro Kind und Tag aber etwas bezahlen, alles muss nicht gratis sein. Zehn Franken pro Tag und Kind wären absolut gerechtfertigt und ich bin überzeugt, dass die Gäste dies respektieren würden.
Und jetzt geht’s in die Mathe-Stunde
Für unsere vier Tage habe ich 62 Franken für eine Tageskarte für die obere Sektion am Rinderberg bezahlt und bin darüber so verärgert, dass wir die nächsten Skitage an der Lenk verbringen werden. Hätten wir einen vernünftigen Preis (pro Kind und Tag Fr. 10.–, sprich drei Tage à 2×10.– und ein Tag à 1×10.–, also Total 70.–) und eine Tageskarte zum reduzierten Preis von 40 Franken gekauft, wären wir glücklicher und zufriedener und kämen uns gerecht behandelt vor und nicht wie ausgenommene Gänse, obwohl wir wesentlich mehr bezahlt hätten!
Für die Marketingfachleute bei der BDG und dem GST: Eines der vier «Marketing-Ps» bedeutet «Preis». Der Preis ist ein Marketingtool! Und wenn dieses Tool geschickt eingesetzt wird, kann man dem Gast sogar mehr Geld entnehmen und der akzeptiert das!
Schade, GST und BDG haben immer noch dieselben Ziele wie vor zwölf Jahren, als die Fusion durchgezwängt wurde und manch altverdienter Herzens-Tourisikter-/Bergbahner zutiefst beleidigt und gedemütigt wurde: Überall muss Gstaad draufstehen, alles muss schwarz/weiss sein, die Homepage muss vollautomatisch sein, anstelle eines Fliesstextes, der manuell eingegeben wird, und kein Verständnis für die Preistools einer Tourismus- und Skiregion. Schade. Frank Huber, Pieterlen