SVP verhilft dem Berner Jura zu fragwürdigem «Sonderzüglein»

Anlässlich der Juni-Session im Grossen Rat gab es sonderbare Entscheide. So forderten die bernjurassischen Grossräte geschlossen, dass die Führerprüfungen für Autofahrer in Tavannes stattfinden müssen.

Der Regierungsrat hat diese Forderung abgelehnt, weil es pro Arbeitstag im Durchschnitt nur etwa zwei solche Prüfungen gibt, und nur vier Fahrlehrer im Berner Jura auf Tavannes basieren. Zudem muss bei einer Prüfungsabnahme sowieso nach Biel gefahren werden, um die Kandidaten richtig beurteilen zu können.

Es ist daher unverständlich, dass eine Anlaufstelle in Tavannes existieren muss, wenn der nächste Prüfungsort Orpund bei Biel nur zwölf Fahrminuten von Tavannes entfernt ist.

Sonderbares geschah dann im Grossen Rat. Die völlig überrissene teurere Lösung für eine unnötige Forderung aus dem Berner Jura fand die Unterstützung einer Mehrheit der SVP Fraktion. Die SVP Fraktion mit fast allen SVP Grossräten aus dem Berner Oberland wurde damit zum Steigbügelhalter für ein weiteres Sonderzüglein aus dem Berner Jura.

Ein solcher Entscheid ist finanz- und regionalpolitisch falsch, denn wenn man eine Bevorzugung einer Gegend übertreibt, wird der Zusammenhalt des Kanton Berns nicht gefördert, sondern er wird gefährdet. Ein solches Gebaren unterstützt genau die Kräfte, die es nicht bedauern würden, wenn der Jura nicht mehr zum Kanton Bern gehören würde… und eventuell wollen die Separatisten ja genau das erreichen. Aus diesem Blickwinkel wird der vordergründige Erfolg zu einem Eigentor für den Berner Jura. Ob mit der Unterstützung solcher Forderungen der zukünftige SVP Regierungsrats-Sitz im Berner Jura gesichert werden kann, werden die nächsten Wahlen zeigen. Will das Volk so viele Sonderrechte für den Berner Jura, oder hat da jemand am Volk vorbei politisiert?

Peter Eberhart,
Grossrat BDP, Erlenbach

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Erstellt:
28.06.2012, 00:00 Uhr
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