Interview mit Cabaret Divertimento
Interview vom 7. Februar 2013 mit den beiden Cabaretisten Jonny Fischer (JF) und Manuel Burkart (MB) anlässlich ihrer Vorstellung «Cabaret Divertimento» im «Das Zelt» an der Lenk. Die beiden jungen Lehrer haben unkompliziert und in sympathischer Weise meine Fragen beantwortet.
Manuel Burkhard mit seiner Tochter und Jonny Fischer warten im DAS ZELT auf das Interview.
Herzlichen Dank, dass Ihr kurz vor der zweiten Vorstellung hier an der Lenk Zeit gefunden habt für ein Interview.
Ihr seid beide Lehrer, wollt Ihr mit Euren Aufführungen belehren?
MB Eigentlich nicht. Wir werden oft nach der «Message» in unseren Sketchs gefragt. Eine Message wollen wir schon übertragen, aber keinesfalls eine Belehrende. Wir wollen die Zuschauer ihren Alltag vergessen lassen und sie zum Lachen bringen.
JF Wir sind überhaupt keine Weltverbesserer. Die Leute, die uns zuhören, sollen abschalten können, den Alltag vergessen und mit uns herzhaft lachen, dann haben wir unser Ziel erreicht.
Du Manuel bist Mimiker, Gestiker, auch Pantomime. Alles ruhige Ausdrucksweisen. Auf der Bühne geht’s aber manchmal recht laut zu und her.
MB Ich bin der Bewegungspartner in unserem Duo und brauche die Pantomime, die Gestik um mich besser auszudrücken. In diesem Sinne bin ich kein klassischer Pantomime, fühle mich aber sehr wohl in meiner Rolle als Unruhestifter in der Bühnenrolle (mit Betonung auf Bühnenrolle).
Jonny Du bist ein Klassiker von der Ausbildung her, hast Ordnung und Disziplin in den Orchestern und Chören gelebt. Auf der Bühne gleitest Du sehr gerne aus der starren Form aus. Wie kam das?
JF Es stimmt, ich habe über Jahre in Chören und Orchestern mitgesungen und musiziert, musste in Disziplin und Ordnung meinen Beitrag leisten. Heute brechen wir mit Absicht aus der Starrheit aus, stellen die Sache holperig dar und bringen damit auch die Zuschauer zum Lachen. Der Zuschauer soll das Gefühl bekommen, dass wir über die gleichen Dinge stolpern wie er es im Alltag erlebt.
Wie entsteht eine Nummer bei Euch, spontan oder wohlüberlegt?
JF Es gibt verschiedene Ursachen, die bei uns zu einem Sketch führen. Manchmal treffen wir Situationen auf der Strasse, im Fernsehen oder auch im Radio, die uns anmachen. Wir versuchen dann die Situation zu persiflieren, darzustellen. Wir schaffen dann an der Situation, wollen aber eigentlich nicht, dass der Zuschauer das realisiert. Wir haben ein Drehbuch von 150 A4 Seiten, das wir auswendig gelernt haben. Mit Choreographen haben wir die Situation umgesetzt, haben Tänze einstudiert und geübt, bis der Ablauf für den Zuschauer erklärbar und humoristisch erscheint. Dort üben wir wie in einem klassischen Bühnenstück so lange bis alles perfekt sitzt. Dann brechen wir die Spitze und bringen das Geschehen dem Publikum näher, dann werden wir zunehmend spontaner.
Kann das bis zu einem Drittel gehen?
JF So genau möchte ich das nicht beziffern. Wir lassen die Spontaneität soweit zu, wie es für uns überblickbar bleibt. Wir versuchen dann das Publikum mit in die Szene einzubauen. Gestern hatten wir ein dankbares Opfer, das uns die spontanen Äusserungen leicht machte. Ich denke es wird immer mehr, je länger wir einen Sketch spielen.
Sprecht Ihr Interaktionen mit dem Publikum ab?
MB und JF Nein, noch nie. Eine Interaktion mit Personen muss aus unserer Sicht spontan geschehen. Der Ablauf wird dann als echt empfunden, wenn die Publikums-Teilnehmer auf der Bühne ihren Beitrag leisten können.
Wie verhindert Ihr, dass nach einer Pointe keiner lacht? Macht Ihr Testvorführungen?
MB Es ist sehr schwierig, neue Situationen zu testen. Wir führen bei einem neuen Programm Testvorführungen durch, beim jetzigen Programm waren es vier abendfüllende Programme vor vollen Sälen, bevor wir mit dem Programm an die breite Öffentlichkeit gelangten. Man spürt dann sehr rasch, was ankommt oder was durchfällt. Am Anfang fällt relativ viel weg. Nicht alles was uns gefällt, kommt beim Publikum an.
Ihr arbeitet viel mit eingeschnittenen Filmsequenzen. Warum?
JF Die Frage ist absolut berechtigt. Wir wollten schon immer mit den Medium Film arbeiten. Unsere kurzen Sequenzen haben aber einen konkreten Grund. Wir arbeiten mit Nummern Cabarets und wir müssen uns zwischen den Nummern umziehen. Aus der Not wurde eine Tugend, wir können unsere Publikums Präsenz verlängern und haben Zeit genug, uns auf die nächste Nummer vorzubereiten. Beim jetzigen Programm «Gate 10» haben wir uns vorgenommen, dass wir immer beide auf der Bühne sind, weil wir so am besten funktionieren. So spielen wir Dick und Doof, so ist es für uns auch am schönsten.
Machen die Zuschauer gerne mit, wenn sie von Euch angesprochen werden, hat sich noch keiner beschwert?
JF Nein, bis heute jedenfalls nicht. Ich hätte Mühe, in einer fremden Show auf die Bühne zu müssen. Wenn die Leute auf die Bühne kommen, sind sie immer sehr nervös. Dann schalte ich mein Mikrofon aus und spreche mit ihnen. Wen sie dann erfahren, dass sie auch beim Publikum gut ankommen werden, fallen die Bedenken und am Schluss sind sie mächtig stolz mitgemacht zu haben.
Was habt Ihr im Sinn, wenn Ihr die Deutschen auf die Schippe nehmt?
MB Wir nehmen die Deutschen auf die Schippe, weil wir zwei Deutsche im Team haben. Die nehmen uns das nicht übel.
Eure Karriere habt Ihr ausschliesslich in der Schweiz gemacht. Plant Ihr, wie «Emil» eine Deutschland-Tournee?
MB Die Anspielungen sind überhaupt nicht an die Adresse Deutschland gerichtet, sondern sind im Team entstanden. Eine Deutschland-Karriere würde für uns beide heissen, von neu anfangen und das wollen wir aus heutiger Sicht beide nicht. Ich habe eine Familie, die ich ungern über längere Zeit missen möchte. Vor zehn Jahren hätten wir das vielleicht noch gemacht, heute mögen wir das nicht mehr.
Euch wurde dreimal der «Prix Walo» verliehen. Wie habt Ihr das erlebt.
JF Als wir den ersten «Prix Walo» bekamen, hat uns noch keiner gekannt. Wir schritten über den roten Teppich und wurden zu keinem einzigen Foto angehalten, als gehörten wir nicht dazu. Nach der Verleihung hat sich das Blatt gewendet. Wir glauben, dass es zu einer Ernennung für einen Preis neben Können auch Glück und ein breites Publikum braucht, das an die erbrachten Leistungen auf der Bühne glaubt. Die Preise haben uns beide sehr gefreut.
Ihr tretet seit über einem Jahr vor ausschliesslich ausverkauften Häusern. Macht das nicht leichtsinnig?
JF Ich glaube bei uns spielt sich die Sache anders ab. Je mehr Leute unten an der Bühne sitzen, umso mehr fordert uns die Situation heraus, für so viele Leute nur das Beste zu leisten.
Habt Ihr Lampenfieber?
MB Am Anfang einer Show schrecklich, mit allem, was dazu gehört. Schlaflose Nächte, Durchfall usw. Wenn die Show dann einmal läuft, legt sich auch das Lampenfieber wieder.
Wie geht es weiter bei Euch?
MB Das derzeitige Programm geht bis Ende 2014. Bis Ende 2013 ist sie bereits weitgehend ausverkauft. Bis dahin geht es so weiter, dann werden wir sehen. Heute macht uns jeder Auftritt Spass. Solange das so bleibt, wollen wir auch weiter machen.
CF Wir sind eigentlich froh, wenn wir die nächsten zwei Jahre gesund bleiben und die Show durchziehen können.
Herzlichen Dank für das Interview. Für den heutigen Abend und für die weiteren Auftritte «Hals und Beinbruch» und wir hoffen, Euch in fünf Jahren auf den Brettern der Welt anzutreffen.