Bekommt die Stockhornkette einen Luxusgipfel?

Investoren aus Katar wollen Luxusresort auf dem Bürglengipfel bauen

Nach Sawiris Projekt in Andermatt, planen Investoren aus Katar auch auf dem Bürglengipfel der Alp Morgeten ein neues Luxusresort. Laut Projekt soll das Hotel das Stockhorn um 21 Meter überragen.

Plan des Hotelprojekts auf dem Bürglen. Es soll ein Luxusresort entstehen.

Plan des Hotelprojekts auf dem Bürglen. Es soll ein Luxusresort entstehen.

Araber scheinen an den Schweizer Alpen Gefallen zu finden. In Andermatt investierte der Ägypter Sawiris Millionen in ein Luxusresort. Nach Auskunft der Gemeinde Oberwil planen Investoren aus Katar auf dem bekannten 2165 Meter hohen Skitourenberg «Bürglen» in der Stockhornkette ein Luxusresort.

Mit dem 46 Meter hohen Terrassenbau würde «Bürglen» den bisher höchsten Gipfel – das Stockhorn – um 21 Meter überragen. Wie schon in Andermatt wurden auch bei diesem Luxusresort Liegenschaften des VBS in die Planung einbezogen. Nebst dem Boden der Alpkorporation Morgeten soll auch die sich unter dem Gipfelbereich befindende grosse Bunkeranlage als Technik- und Spabereich umgenutzt werden. Für die Wellnessanlage soll offenbar die Schwefelquelle des geschlossenen Schwefelbergbades wie auch das Thermalwasser des ehemaligen Grand-Hotels Weissenburgbad hochgepumpt werden. Ausschlag für die Standortwahl hat offenbar die Nähe zur Hauptstadt Bern, zum Flughafen Bern-Belpmoos, zur Stadt Freiburg (beide ca. 25 km Luftlinie) und Genf (110 km) gegeben. Vom nördlichsten Voralpengipfel «Bürglen» hat man eine atemberaubende Rundsicht. Bei klarem Wetter bietet sich in nördlicher Richtung eine Rundsicht vom Genfersee bis nach Basel. In südlicher Richtung sind die Gipfel der Hochalpen vom Matterhorn bis zum Titlis sichtbar. Die Erschliessung für den Bau und Betrieb der Anlage soll durch einen 700 Meter langen Schräglift aus der Schwefelbergpochte geschehen, der die 540 Meter Höhendifferenz in vier Minuten überwindet. Das Zielpublikum sind wohlhabende internationale Gäste mit einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis.

Der «Bergvogt» gibt Auskunft

Wir hatten Gelegenheit, von einem Vertreter der Alpkorporation Morgeten, dem «Bergvogt» Christian Haueter, weitere Informationen zu erhalten.

Wie sind die Investoren aus Katar zum Standort «Bürglen» gekommen? Ein Bekannter von uns war die letzten Jahre als Botschafter in Doha, Katar tätig. Er hat die Kontakte hergestellt.

Warum der Gipfel von Bürglen? Diese Gegend besitzt nicht den Glamour von St. Moritz oder Gstaad. Den Glamour nicht, aber die Authentizität und das Potential. Vor hundert Jahren generierten die drei Bäder Schwefelbergbad, Gurnigelbad und Weissenburgbad 90 000 Übernachtungen in der besten Saison! Das Gurnigelbad war damals das grösste Hotel der Schweiz. Im Orient-Express gab es einen direkten Wagen nach Mühleturnen. Auch heute sind Morgetenpass und Bürglen beliebte Wanderziele.

Besteht ein Bedürfnis nach einem solchen Grossprojekt? Die Gemeinden Oberwil, Guggisberg und Rüschegg befinden sich in einer strukturschwachen Region mit Abwanderung. Mit einigen Wölfen, Schafen und Kühen kann eine Region auf Dauer nicht überleben. Dieses Projekt kann einen Impuls geben. Es dient auch der besseren sozialen Durchmischung in der Region, in der Asylunterkunft in Riggisberg wohnen die Kriegsflüchtlinge, im Luxusresort auf Bürglen die Steuerflüchtlinge.

Erwarten Sie keinen Widerstand? Doch! Die fünfte Landessprache, die «Einsprache» wird es geben. Bürglen liegt ausserhalb jeder Bauzone, an der Perimetergrenze des Naturparks Gantrisch. Ein Zugvogel könnte sich am Hotelkomplex das Genick brechen oder ein Anwohner aus Biel oder Bern könnte durch Lichtreflexe gestört werden usw. Es wird mehr Einsprachen geben als Applaus. Der wird allenfalls von den Baurechtsjuristen kommen.

Wie ist die Rechtslage? Komplex! Die Alpkorporation muss dem Verkauf mit zwei Drittel der Nutzungsrechte und zwei Drittel der Stimmberechtigten zustimmen. Die Alpschaft Schwefelberg muss ebenfalls einverstanden sein. Es sind zwei Gemeinden in zwei Amtsbezirken betroffen und die Bunkeranlage im Untergrund ist im Besitz des Bundes. Ich erwähne nur die 16 Amtsberichte, eine Umweltverträglichkeitsprüfung, Zonenplanänderungen, Lex Friedrich und die Zweitwohnungsinitiative.

Hat das Projekt überhaupt eine Chance? Gerade das Projekt Sawiris in Andermatt und Bertarellis Kauf der Bergstation Rellerli in Gstaad zeigt, dass die emotionale Bindung an Gesetze parallel zur Höhe des Investitionsvolumens abnimmt. Mit anderen Worten, es wird eher möglich sein auf Bürglen 475 Millionen für ein Luxusressort zu verbauen, als eine Bewilligung für ein kleines Ferienhäuschen am gleichen Standort zu erhalten.

Was genau ist geplant? Geplant ist ein unterirdisches Parkhaus in der Schwefelbergpochte mit einem Schräglift auf den Bürglengipfel. Der grosse Spabereich mit den hochgepumpten Mineralwassern des Schwefelbergbades und der Thermalquelle Weissenburg soll in der Bunkeranlage im Gipfel integriert werden. Der Hotelkomplex ist terrassenförmig den Konturen des Gipfels angepasst mit viel Glas und Beton, verblendet mit lokalem Gestein. Die Landschaft auf Bürglen soll zudem mit einem kleinen Bergsee und einer Alpin-Crossgolfanlage aufgewertet werden.

Wann und wo sind weitere offizielle Informationen erhältlich? Weitere Informationen sind auf der Gemeindeverwaltung Oberwil erhältlich, morgen Freitag findet im Alprestaurant Morgeten zudem eine Pressekonferenz statt.

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Erstellt:
01.04.2016, 00:00 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 14sec
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