Konzert des Cantate Chors

Festliches Zweisimmen mit tschechischer Musik

«Festliches Prag», so ist das diesjährige Programm der Dezemberkonzerte des Cantate Chors überschrieben. Am vergangenen Sonntag Abend zauberten Chor, Orchester und Solisten festliche Stimmung in die Kirche Zweisimmen mit Werken von Jan Dismas Zelenka und Franz Xaver Brixi.

Dirigent Klaus Burkhalter dankt dem Solisten Wojtek Wesranowski.

Dirigent Klaus Burkhalter dankt dem Solisten Wojtek Wesranowski.

Was ist das Geheimnis dieser Musik, dass sie auch Jahrhunderte nach ihrem Entstehen die Menschen fesselt, erfreut und bewegt? Auch wenn das Wesen der Kunst letzten Endes unergründlich bleibt, gibt es hier schon einige Anhaltspunkte und «Begründungen». Sowohl bei Zelenka als auch bei Brixi sind Volksmelodien der Boden, auf welchem die kunstvollen Kompositionen gewachsen sind; es sind volkstümliche Melodien, im besten Sinne des Wortes, bereichert, verfeinert und erhöht durch das musikalische Genie der beiden grossen tschechischen Tonschöpfer.

Qualitativ und quantitativ hohe Anforderungen an den Chor

Dem Chor wird einiges an Ausdauer und Durchhaltevermögen abverlangt, ebenso in Sachen Präsenz und Aufmerksamkeit. In manchen Teilen sind Chor und Solisten zusammen im Einsatz, z.B. im Kyrie und Gloria der Missa Dei Patris von Zelenka. Mit diesen zwei Teilen aus dem grossen Werk wurde das Konzert eröffnet.

Es ist aber kein leichtes «Einlaufen»; diese zwei Messeteile sind schon rechte «Brocken». Nach dem schwungvoll-energischen Beginn im Orchester erleben wir den breit strömenden Klang des Chors, der dann in der nachfolgenden Fuge ein erstes Mal richtig gefordert wird. Auch wenn vielleicht hie und da in Sachen prägnanter Artikulation noch etwas mehr möglich gewesen wäre (z.B im «Cum Sancto Spiritu von Zelenka) muss gesagt werden, dass der Chor seine Sache mit Bravour gemeistert hat, und dass vor allem die sehr schöne Ausgeglichenheit der Stimmregister und der satte Klang in den lyrischen Teilen in bester Erinnerung bleiben werden.

Ausgewogenes Solistenquartett

Das Solistenquartett mit Beatrice Ruchti, Sopran, Astrid Pfarrer, Alt, Tobias König, Tenor und Christian Marthaler, Bass, zeigte in den wenigen Teilen, wo alle vier beteiligt waren einen wunderbar homogenen Klang.

Beatrice Ruchti konnte aus dem Vollen schöpfen. Sie präsentierte sich in Hochform. Mit ihrer glockenhellen Sopranstimme sang sie die perlenden Läufe locker und brillant, bewährte sich (wie immer, ist man versucht zu sagen) in den Duetten mit der Altistin und in allen anderen solistischen Aufgaben.

Die Leistung von Astrid Pfarrer verdient allergrössten Respekt und uneingeschränkte Bewunderung. Obwohl durch eine Erkältung und stimmliche Indisposition etwas eingeschränkt, sang sie wunderschön und war, einmal mehr, absolut überzeugend in Ausdruckskraft, gestalterischer Intensität und innerer Anteilnahme. Gerade von diesem Letzteren wünschte man sich noch etwas mehr bei Tobias König, dessen schönes Timbre sich in den Ensemblestellen wunderbar mit dem Gesamtklang der vier Solisten vermischte. Zum ausgewogenen Klang des Solistenquartetts trug auch die runde und weiche Stimme des Bassisten Christian Marthaler das Ihrige bei.

Man kann sich fragen, ob er bei seinem Solo nicht zu weit «nebenaus» stand. In der Mitte wäre er in näherem Kontakt mit der Instrumentalbegleitung gewesen.

Wojtek Wesranowski: Selbstverständliche Souveränität

Im Konzert Nr. 4 in D-Dur für Orgel und Orchester von Franz Xaver Brixi erlebten wir Wojtek Wesranowski als Solisten. Es beginnt mit festlichen Fanfaren. Die werden abgelöst durch bewegliche, quirlige Läufe der Orgel, und in diese hinein fallen Akkordschläge des Orchesters. Im langsamen Satz hören wir weihnachtliche Klänge, Ruhe und Sanftheit herrschen vor. Der schnelle dritte Satz beginnt wieder mit festlichen Trompetenklängen, ehe das Solo-Instrument wieder zum Zuge kommt. Der Aufbau ist wie im ersten Satz: Lineares Fortschreiten der Orgel mit Akzenten des Orchesters, das vielleicht zeitweise etwas laut war gegenüber der kleinen Orgel. Zur Leistung des Solisten Wojtek Wesranowski lässt sich nichts sagen, als: brillant, souverän!

Klaus Burkhalter als Detektiv

Fast wie eine spannende Detektivgeschichte kommt es einem vor, wenn man vernimmt, auf welchen Wegen und Umwegen Klaus Burkhalter die Partituren der Pastoralmesse von Franz Xaver Brixi gefunden hat. Via Musikalienhändler, Internet, Interpreten, die das Werk schon gesungen hatten, Priestern und Bibliothekaren der Klöster Ensdorf und Ottobeuren – nach dieser Odyssee kamKlaus Burkhalter an die Adresse des Brixi-Spezialisten Friedrich Hägele in Deutschland und damit zur Partitur der Pastoralmesse. So erlebte Zweisimmen eine Schweizer Erstaufführung dieses Werkes. Diese ganze Geschichte zeigt auch wichtige Charaktereigenschaften von Klaus Burkhalter: Neugier, Ausdauer, Optimismus und Zähigkeit. «Nid lugglah gwinnt».

Das Orchester der Zweisimmer Konzerte

Unter der Leitung der Konzertmeisterin Charlotte Zehnder agierte das Orchester zuverlässig und spielfreudig, mit klaren und energischen Gesten geführt vom Dirigenten. Wenn einige wenige Anfänge nicht ganz hundertprozentig klappten, liegt es weder am Dirigenten, noch am Orchester, sondern ganz einfach an der Tatsache, dass zum Proben sehr wenig Zeit zur Verfügung steht. Umso höher ist die Gesamtleistung einzuschätzen. Die Zuhörer verliessen die Kirche bereichert, erfreut und richtig eingestimmt in die kommende Weihnachtszeit. Peter Schläppi

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Erstellt:
13.12.2012, 00:00 Uhr
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