Kantonale Wasserstrategie im Spannungsfeld zwischen Schützen und Nutzen

Die kantonale Wasserstrategie geht in Mitwirkung

Mit einer neuen Strategie will der Kanton Bern die wertvolle Ressource Wasser schützen und nachhaltig nutzen. Für den Ausbau der Wasserkraft sind rund 570 Kilometer der 12600 Kilometer Fliessgewässer im Kanton geeignet. Auf weiteren 770 Kilometern ist der Bau von neuen Kraftwerken nur mit Einschränkungen möglich. Nicht genutzt werden können rund 440 Kilometer Bäche und Flüsse.

Der Kanton Bern hat eine einheitliche Strategie für alle Fragen erarbeitet, die mit der Nutzung des Wassers durch den Menschen zusammenhängen. Die Strategie hat zum Ziel, die verschiedenen Ansprüche, die an das Wasser gestellt werden, bestmöglich aufeinander abzustimmen. Sie zeigt auf, wo sinn- und massvolle Nutzungen möglich sind und wo der Schutz Vorrang hat. Erarbeitet wurde die Wasserstrategie in einem partizipativen Prozess mit den beteiligten Organisationen. Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer hat die kantonale Wasserstrategie im Vorfeld der Mitwirkung am Freitag, 15. Januar 2010, an einer Medienkonferenz in Bern vorgestellt. Sie zeigte sich überzeugt, dass dank der Wasserstrategie künftige Entscheide zu «Wasserfragen» besser und schneller gefällt werden können, und dass diese Entscheide auch auf grössere Akzeptanz stossen werden.

Die kantonale Wasserstrategie gliedert sich in drei Teile, die sich mit der Wasserversorgung, der Wassernutzung und der Siedlungsentwässerung befassen. Der grösste Handlungsbedarf besteht im Bereich der möglichen Nutzung der Gewässer für die Stromproduktion. Von den insgesamt rund 12 600 Kilometer Fliessgewässer im Kanton ist der grösste Teil für die Stromproduktion nicht interessant. Rund 230 Kilometer werden bereits genutzt. Rund 570 Kilometer sind für die Stromproduktion grundsätzlich geeignet, auf weiteren 770 Kilometern ist der Bau von neuen Wasserkraftwerken nur mit Einschränkungen möglich. Auf den geeigneten Gewässerabschnitten ist eine Jahresproduktion von mindestens 300 Gigawattstunden Strom möglich. Dies entspricht einer Steigerung der Stromproduktion aus Wasserkraft um zehn Prozent. Nicht genutzt werden können rund 440 Kilometer Bäche und Flüsse, weil hier die Schutzanliegen überwiegen. Vor Nutzung bewahrt sollen insbesondere die Vereinigte und die Weisse Lütschine, die Zulg, der Lombach, das Schwarzwasser und die Sense sowie der Oberlauf der Emme.

Für die Trinkwasserversorgung steht im Kanton Bern genügend Grund- und Quellwasser zur Verfügung. In den Wachstumsregionen müssen zur Sicherung der Wasserversorgung neue Schutzzonen ausgeschieden werden. Mit einer Konzentration auf strategisch wichtige Fassungen will der Kanton die Versorgungssicherheit erhöhen. Der Zustand der bernischen Bäche, Flüsse und Seen hat sich dank leistungsfähiger Abwasserreinigungsanlagen gebessert. Noch zu hoch sind die Anteile des Fremdwassers und die Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft. Mit einem vorausschauenden Monitoring sollen die Gewässer besser geschützt werden. Handlungsbedarf besteht vor allem bei so genannten Mikroverunreinigungen. Mit der Förderung regionaler Zusammenschlüsse der Trägerschaften will der Kanton die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Trinkwasserversorgungen und Abwasserreinigungsanlagen weiter erhöhen.

Wasserstrategie des Kantons Bern
Karte Nutzungskategorien Wasserkraft

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Erstellt:
15.01.2010, 14:21 Uhr
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