Diemtigtal

Naturpark, Landwirtschaft und Agrarpolitik – ein Widerspruch?

Tagtäglich sind wir Landwirte mit Gesetzen und Vorschriften konfrontiert, die uns oftmals unverständlich sind und in uns das Gefühl der totalen Überwachung durch Kontrollorganisationen und nicht zuletzt durch den Staat auslösen. Dabei wollen wir doch nichts anderes, als hochstehende Produkte erzeugen und dabei ein angemessenes Einkommen erwirtschaften, welches uns auch längerfristig hilft, auf unseren Betrieben die notwendigen Investitionen tätigen zu können, um so schliesslich überlebensfähige Betriebe an unsere Nachfolger zu übergeben. Ist das ein so hoher Anspruch von uns an die übrige Bevölkerung?

Dass mit der Zustimmung der Gemeindeversammlung zum Regionalen Naturpark Diemtigtal in der Landwirtschaft auch das Gefühl aufkam, dass damit noch schärfere Vorschriften in Kraft treten als diejenigen, die uns schon tagtäglich in der Arbeit behindern, ist nicht anders als selbstverständlich. Solange in der Naturparkkommission mit Barbara Karlen, Arnold Wiedmer, Bruno Reber, Mike Schletti sowie meiner Wenigkeit ein grosser Teil der Sitze durch Leute besetzt wird, die selber in der Landwirtschaft tätig sind, besteht diese Gefahr nicht. Jedoch bedingt es, dass bei allfälligen Rücktritten dieser Leute sich auch wieder Landwirte zur Verfügung stellen, um in der Kommission Einsitz zu nehmen und die Stimme der Landwirtschaft vertreten.

Spannende Perspektiven bieten sich mit der Produktevermarktung über das Produktelabel aus dem regionalen Naturpark. Die Produktevermarktung über das Projekt «AlpLeben» ist aufgegleist. Für den Agrotourismus läuft das Projekt «AlpGenuss» und ganz neu ist eine Projektgruppe in der Erarbeitung der besseren Vermarktung der wertvollen Diemtigtaler Alpmilch. Um diese Plattformen nutzen zu können, braucht es ein aktives Mitmachen der interessierten Landwirte; scheut euch nicht aktiv auf die verantwortlichen Leute zuzugehen! Gerade im Zusammenhang mit der neuen Agrarpolitik bietet der Naturpark spannende Aussichten, insbesondere bei den neuen Biodiversitätsbeiträgen auf Alpweiden, wo vom Naturpark schon gewisse Vorleistungen erarbeitet wurden, damit das Diemtigtal von Anfang an von diesen interessanten und – gemessen an unserer grossen Fläche – vermutlich auch umfangreichen Direktzahlungen profitieren kann. Für die Auslösung der Landschafts-Qualitätsbeiträge wird überprüft, ob der Naturpark als regionale Trägerschaft anerkannt wird. Auch hier werden wir bereit sein, wenn die neuen Gesetze in Kraft treten. So können wir für unsere Landwirte Gefässe öffnen, die an anderen Orten noch einige Zeit verschlossen bleiben werden. Der Regionale Naturpark Diemtigtal ist auf die Landwirtschaft angewiesen, pflegt sie doch die Landschaft und bietet für die Touristen die traditionellen Anlässe wie Viehschauen, Alpaufzüge und vieles mehr.

Der Naturpark ohne Landwirtschaft ist unvorstellbar! Für mich ist der Naturpark und die Landwirtschaft kein Widerspruch, sondern ein Zusammengehen und ein voneinander Profitieren, das jedoch nur gelebt werden kann, wenn beide Seiten aktiv aufeinander zugehen und einander respektieren!

Ich wünsche allen Lesern einen schönen, sonnigen Herbst mit vielen bunten Erlebnissen im Diemtigtal.

Martin Wiedmer, Landwirt, Gemeinderatspräsident Diemtigen

Zum Artikel

Erstellt:
04.10.2012, 00:00 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 26sec
Kommentare