Olympia-Abfahrt in Bormio mit Public Viewing in der Lothar Bar, an Zweisimmens Skipiste

Nach Franjo von Allmens perfekter Olympia-Abfahrt: «Das ist der Sieg!»

Mit einer sensationellen Fahrt begeisterte Franjo von Allmen vergangenen Samstag, 7. Februar seine Fans, die mitfieberten und sich riesig freuten, als er fehlerfrei ins Ziel kam – und zwar mit Bestzeit.

Von Luzia Wyssen

Die Franatiker im Freudentaumel: Live im Olympiaabfahrts-Zielraum in Bormio vor Ort wie auch beim Public Viewing in der Lothar Bar in Zweisimmen.

Die Franatiker im Freudentaumel: Live im Olympiaabfahrts-Zielraum in Bormio vor Ort wie auch beim Public Viewing in der Lothar Bar in Zweisimmen.

Um 11.50 Uhr war sich SRF-Experte Beat Feuz sicher: «Das ist der Sieg!» Mit sieben Zehnteln Vorsprung auf Marco Odermatt setzte sich der Boltiger an die Spitze. Die Konkurrenz war ausgesprochen stark – und so kamen die beiden Italiener Giovanni Franzoni und Dominik Paris zwar aufs Podest – aber nicht an Franjo von Allmen vorbei. Sie verdrängten jedoch die beiden weiteren Schweizer Marco Odermatt und Alexis Monney auf Rang 4 und 5 und damit vom Podest.

«Das ist unglaublich!»

Der Jubel in der Lothar Bar in Zweisimmen, dem Stammlokal von Franjos Fanclub, den Franatikern, war riesig und über das Dorf von Zweisimmen hinweg hörbar: «Wahnsinn», «Das ist unglaublich», war man sich einig und auch das Anstossen mit einem Franatiker-Shot durfte nicht fehlen.

Völlig entspannt und locker zeigte sich der erst 24-jährige Franjo nach seiner Siegfahrt später beim Interview, kurz nach der Siegerehrung, die nach der Olympia-Abfahrt direkt im Zielraum stattfand. Der SRF-Moderator vermisste die umgehängte Gold-Medaille. Franjo lachte: «Die ist bereits in einem Safe in Sicherheit gebracht. Sicher ist sicher. Ich bin ein kleiner Chaot, ich kenne mich. Und die, die mich kennen, können dies bestätigen.»

Ein Rennen für die Olympischen Geschichtsbücher

Aber zurück zur Olympia-Abfahrt: Nach der Fahrt mit Startnummer 7 übernahm Marco Odermatt mit 0,05 Sek. Vorsprung auf den zuvor gestarteten Alexis Monney die Führung. «Als ich die Ziellinie überfuhr, hatte ich das Gefühl, dass meine Fahrt richtig gut war. Deshalb war ich erstaunt, dass mein Vorsprung auf Alexis nicht grösser war», gab der vierfache Gesamtweltcupsieger später zu Protokoll.

Dann katapultierte sich mit der 8 der dritte Schweizer Franjo von Allmen aus dem Starthaus. Nach seinem Sieg in Crans-Montana wenige Tage zuvor ist sein Selbstvertrauen so gross, dass er nur schwer zu schlagen war. Tatsächlich gelang dem Abfahrtsweltmeister aus Boltigen eine nahezu perfekte Fahrt. Und so schwang der 24-Jährige im Ziel mit sieben Zehnteln Vorsprung auf Marco Odermatt ab.

Ein Triumph, für den der Simmentaler lange bangen musste

Und nun war das lange Warten angesagt – das FvA noch nervöser als zuvor beim Rennstart werden liess: Zumindest einmal geriet der gelernte Zimmermann danach tatsächlich nochmals gehörig ins Zittern: Und zwar während der Fahrt von Kitzbühel-Sieger und Lokalmatador Giovanni Franzoni. Die beiden Gleichaltrigen sind bereits über mehrere Saisons Rivalen – Franzoni schlug von Allmen zweimal an den Junioren-WM 2022: In der Abfahrt setzte sich Franzoni damals knapp vor von Allmen durch und auch in der Alpinen Kombination entschied der Italiener das Duell für sich; hier trennten die beiden gerade mal sechs Hundertstel. Dieses Mal konnte Franjo das Duell jedoch für sich entscheiden und Franzoni landete mit zwei Zehnteln Rückstand auf dem Silber-Platz – ein besserer Zeitpunkt als bei den Olympischen Spielen wäre kaum denkbar – ein Triumph, von dem der Simmentaler geträumt hatte.

Der 36-jährige Dominik Paris – Bormio-Spezialist und siebenfacher Weltcupsieger auf der Pista Stelvio – vervollständigte das Stockerl und stiess Odermatt vom Podest – auf Franjos Bestzeit verlor der Südtiroler jedoch eine halbe Sekunde – für «unseren 0,1 Tonnen-Mann» bestand keine Gefahr.

Schweizer Abfahrtsgoldmedaillen haben bei Olympia Tradition

Damit steht fest, dass Franjo von Allmen als fünfter Schweizer nach dem 77-jährigen Urner Bernhard Russi (1972), dem 63-jährigen Walliser Pirmin Zurbriggen (1988), dem 48-jährigen Unterwalliser Didier Défago (2010) und dem 38-jährigen Emmentaler Beat Feuz (2022) Olympia-Gold in der alpinen Königsdisziplin geholt hat. Rein sportlich betrachtet gewann von Allmen auf der ausgesprochen schwierigen und selektiven Rennstrecke vielleicht sogar die wertvollste Abfahrts-Goldmedaille in der Olympia-Geschichte, wenngleich die Pista Stelvio am Samstag etwas weniger anspruchsvoll war als auch schon.

«Ich träume immer noch davon, es war eines der grössten Rennen», blickte Russi im Après-Ski-Gespräch mit Blick-Experte Marcel W. Perren mit Hochachtung auf Franjo von Allmens Olympia-Abfahrt zurück. Russi war schlichtweg begeistert von Franjos Siegfahrt: «Sein Reifetest heute, ein anderer Franjo als zuvor.» Und auch Russis Bild des Tages sei ganz klar Franjos Sprung über den «Salto di San Pietro», bei dem er 53 Meter weit durch die Luft flog.

Auch der ansonsten mit sehr kritischem Blick analysierende Blick-Experte Marcel W. Perren war des Lobes voll: «Die Stelvio kann nicht besser gefahren werden, als Franjos es heute gemacht hat!», so der gebürtige St. Stäffner beeindruckt.

MvG über FvA

Auch ein anderer Oberländer Olympionike äusserte sich lobend zum Boltiger: «Ich war sehr überrascht, dass er das so runtergebracht hat – nicht, dass ich es ihm nicht zugetraut hätte. Aber Olympia hat immer eigene Gesetze», äusserte sich der Schönrieder Mike von Grünigen gegenüber blue Sport, der weiss, wovon er spricht, hat er doch selbst eine Olympische Bronzemedaille im Palmares. Die holte er an den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano im Riesenslalom. Dem 56-Jährigen fiel während der Fahrt von Franjo von Allmen auf, wie viel Tempo dieser generieren konnte. Das hängt auch mit der Risikobereitschaft des Simmentalers zusammen, die er laut Michael von Grünigen nicht erst seit gestern hat: «Er war schon als kleiner Bube so. Ich kenne ihn seit seiner Kindheit, er ist gleich alt wie unser jüngster Sohn und sie waren als Nachwuchsfahrer viel zusammen unterwegs.» Und für den ehemaligen Skirennfahrer ist mit Blick auf von Allmens Fahrt klar: «Wenn man Olympiagold gewinnen will, muss man angreifen können. Er konnte das abliefern und diese nötige Dosierung auspacken, zugleich das Limit suchen und die beste Performance bringen. Er ist mittlerweile mental sehr stark und strahlt das auch aus.» Er sagte aber auch, dass diese Stärke durch die Erfolge gereift sei.

Offensichtlich hat FvA für sich die richtigen Schlüsse daraus gezogen, bei der Olympia-Abfahrt geriet er jedenfalls kein einziges Mal in Turbulenzen: «Ich habe die Linie fast überall so getroffen, wie ich mir das vorgenommen habe, konnte den Speed in jede Passage schön mitnehmen. Ich habe an meiner Fahrt wirklich kaum etwas auszusetzen», betonte auch Franjo mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Und so schaffte Franjo von Allmen mit dem Sieg in der Olympia-Abfahrt Historisches: Nach dem Sieg des Schangnauers Beat Feuz vor vier Jahren in China gelang dem 24-jährigen Boltiger das Unglaubliche, das Olympiagold aus Italien in der Königsdisziplin erneut ins Bernbiet zu holen. Simmental und Bärnbiet First!

Die allererste Goldmedaille der XXV. Olympischen Winterspiele geht nach Boltigen!

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Erstellt:
05.06.2026, 11:06 Uhr
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