Freunde der Musikalischen Sommer-Akademie Lenk

Viel Temperament, Charme und Virtuosität

Nachwuchskünstler präsentierten am Winterkonzert der Freunde der musikalischen Sommerakademie Lenk Brahms, Ysaÿe, Chopin und Schostakowitsch.

Das Klaviertrio So-Eun Kim (Violine), Olesya Urosova (Klavier) und Mathias Johansen (Violoncello) überzeugte mit grosser Leistung.

Das Klaviertrio So-Eun Kim (Violine), Olesya Urosova (Klavier) und Mathias Johansen (Violoncello) überzeugte mit grosser Leistung.

Jungtalente näher bringen

«Musse und Wohlwollen sind unerlässliche Voraussetzungen aller Kultur». Peter Burkhalter, Co-Präsident Freunde der Sommerakademie Lenk begrüsste am traditionellen Winterkonzert mit dem Zitat von Max Frisch. Die Musse stehe für die Jungtalente und für die gute künstlerische Leitung, das Wohlwollen für die Sponsoren und Gönner, die es brauche, damit alles funktioniert.

Das durch den Gönnerverein organisierte Konzert brachte unter dem Motto «Jungtalente, unsere Hoffnungsträger» Werke des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts näher, gespielt von Studenten der Sommerakademie Lenk.

Gleichwertige Duopartner

1865 schrieb Johannes Brahms den letzten Satz seiner Cellosonate Nr. 1 e-Moll op. 38 in der Kurstadt an der Oos. Im Lenkerhof alpine resort spielten der gebürtige Berliner, Mathias Johansen (Violoncello) und das russische Temperament Olesya Urosova (Klavier) die Sonate, welche Brahms mit 28 Jahren in der Verehrung für Beethoven komponierte. Cello und Klavier präsentierten sich als gleichwertige Duopartner. Brahms inspirierte sich nach Beethovens neuartiger Form. Fein abgestimmt wirkte das Zusammenspiel, welches jedem Instrument seinen Spielraum lies. Der expressive erste Satz zeichnet sich durch vielfältige Thematik und dichte Stimmführung aus.

Es galt hohe technische Anforderungen zu überwinden, besonders im Klavierpart, die Urosova souverän meisterte. Leicht und tänzerisch wie ein Menuett folgte ein beschwingter Satz. Nach ernsteren Strukturen folgte in einer Fuge eine Reverenz sowohl an Brahms’grosses Vorbild Beethoven als auch an Bachs Kunst der Fuge. Es zeigte sich eine weltverlorene, geradezu resignative Stimmung. Eindrucksvoll gelang den Musikern die Umsetzung der Befindlichkeit des Spätromantikers.

Eigenwillig tiefe Interpretationen

Eine eigenwillig tiefe, teils harte aber korrekte Interpretation folgte in Eugène Ysaÿe’s Sonate für Violine Solo. Die Südkoreanische Nachwuchskünstlerin So-Eun Kim brachte selbstbewusst den individuellen Stil des Belgiers näher und liess spätromantische Einflüsse durchblicken. Das pianistische Nachwuchstalent Olesya überzeugte in der Ballade Nr. 4 in f-Moll. Sie vermittelte in musikalischen Geschichten die Faszination ihres klaren, unparfümierten Chopin-Spiels.

Eindringliche Wirkung eigene Tonsprache

Als Höhepunkt vereinten sich die Jungtalente zum Klaviertrio. Zupackend und leidenschaftlich interpretierten sie Dmitri Schostakowitsch e-Moll-Klaviertrio Nr. 2. Lyrisch wirkten Flageolets des Cellos, die gedämpfte Violine und der melodische Verlauf. Rhythmisch frisch belebt folgte ein spannungsvolles Allegro. Feierliche Schönheit und Tiefe folgte im empfindsam gespielten Largo. Das Trio liess das Werk nach leidenschaftlich, kühnen Steigerungen, ausgreifenden und emporwachsenden Gestaltungen in Stille ausklingen. Das Publikum honorierte die grosse Leistung mit kräftigem Applaus. Heidy Mumenthaler

So-Eun Kim Solo-Violine in der Sonate von Eugène Ysaÿe

So-Eun Kim Solo-Violine in der Sonate von Eugène Ysaÿe

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Erstellt:
07.01.2010, 08:00 Uhr
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