40. Alpabfahrt St.Stephan – ein Stück Heimat in der ehrlichsten Form

Wenn St. Stephan zur traditionellen Alpabfahrt einlädt, reisen Menschen aus der ganzen Schweiz und von überall her an, um dieser traditionellen und echten Züglete beizuwohnen. So auch am 12. September, als rund 2000 Einheimische und Gäste bei prächtigem Spätsommerwetter den Weg auf den Festplatz fanden, um der 40. Alpabfahrt beizuwohnen: Vier wunderschön geschmückte Viehherden dankten es und bewältigten den meist langen und anspruchsvollen Weg von den Alpen im Dürrenwald Richtung ihrer Vorweiden in stolzer Schönheit.

Von Luzia Wyssen

Alpabfahrt St. Stephan 2026

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© Luzia Wyssen

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Bereits um elf Uhr wuselte es vergangenen Samstag auf dem Festplatz im Areal der HwR AG und die vielen Helfenden standen in den Startlöchern: Die Getränke waren gekühlt, das Bratgut und der Raclettekäse standen in der bestens organisierten Festwirtschaft bereit und die reich ausgelegten Märitstände mit einheimischem Kunsthandwerk und regionalen Produkten standen den hinströmenden Gästen Spalier. Die Arisgruess-Örgeler begrüssten die Ankommenden mit ihren volkstümlichen Klängen, derweil Speakerin Veronika Zumbrunnen-Zeller in wunderschöner Berner Tracht laufend umsichtig informierte, was auf dem Festgelände läuft und jede herannahende Zügleten einzeln vorstellte.

Abschied vom Alpsommer
mit Glocken und Blumen

Die Küherfamilien hatten für diesen grossen Moment schon zuvor immens viel Vorarbeit geleistet – und waren in einen der wohl strengsten Tage des Jahres schon vor der Morgendämmerung gestartet: Vieh stallen, melken, putzen, schmücken und sich selbst ins Sonntagsgewand kleiden, bevor die mehrstündige Züglete gestartet werden kann. Tage davor hatten die Familien in stundenlanger Arbeit den Blumenschmuck mit geschickten Händen gebunden – jede Züglete hat dabei ihr eigenes und ganz spezielles Erscheinungsbild: Mit Sommerflor und Sonnenblumen, kleinen Tannli und Melkstühlen wird der aufwendige Blumenschmuck gestaltet – jeder ist ein Unikat und ein eigentliches Kunstwerk – und die Tiere scheinen ihn mit Stolz zu tragen.

Und so kam das Vieh reich geschmückt und mit abgestimmtem «Zügelglüt» aus dem Waldstück ennet dem Flugplatz herunter – wie schön das treichelte und hallte! Begleitet wurden die Viehherden jeweils von ihrer «gsundigeten Chüjerfamilie» – die meisten in Tracht und Cheesrock – welche alle Hände voll zu tun hatten, das Vieh durch die eng stehenden, fotografierenden und filmenden Zuschauenden hindurchzuführen. Für Mensch und Tier ein untrügliches Zeichen, dass sie vom beschaulichen Älplerleben weit oben auf den Alpen unterhalb des Flöschhorns Abschied genommen haben und wieder runter in die ruhelosere Talzone kommen. Die einzigartig schön und liebevoll geschmückten Zügleten gaben so dem grossen Tag einen festlichen Rahmen und bildeten den glanzvollen Höhepunkt der 40. Alpabfahrt.

Zwei Zügleten von Munis angeführt

Die Menschenmenge unten im Tal war am «Plangen» und lief der ersten Züglete der Dürrenwaldstrasse entlang entgegen: Und plötzlich ging es Schlag auf Schlag: Kurz nach halb zwölf erschien die erste Züglete vom Ruefsstafel, gefolgt von einer Schar fröhlicher Kinder vorab der Zigerritz-Züglete.

Auch die Züglete von der Alp Flösch wurde von einer Schar Kinder und Geissen angeführt, derweil Klaus Eschler den noch jungen Muni «Dimitri» in stoischer Ruhe sicher durch die Menschenmenge leitete. Ueli Zimmermann von der Alp Laseberg führte seinerseits den sechsjährigen und 1200 Kilogramm schweren Muni «Titus» am Strick. Auch dieser mächtige Muni blieb ruhig – hatte er doch vor einigen Tagen an der OHA schon viel Publikumskontakt gehabt – beinahe ein Routinier, ist man versucht zu sagen. Da Zimmermanns das Vieh bereits seit Ende August in der Vorweide haben, machten sie einen Rundgang um den Festplatzvom Ruefsstafel und zogen anschliessend wieder Richtung Dürriweidli, was dem Publikum die Gelegenheit gab, die Züglete etwas länger und in der Gegenrichtung etwas gemütlicher unterwegs zu sehen, da es doch bald einmal ziemlich «obsi» geht.

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Erstellt:
17.09.2026, 00:30 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 36sec
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