Polit-Abend St. Stephan 2012

SVP-Nationalrat Oskar Freysinger trug Politik lyrisch vor

Am Polit-Abend in St. Stephan, organisiert von den SVP-Sektionen St. Stephan und Lenk, konnte Kilian Wyssen fünf Nationalräte begrüssen. Neben parteipolitischen Diskussionen, überzeugte Oskar Freysinger mit humorvollen Beiträgen wie mit dem Thema «Die Schweiz ist kein Land, sondern eine Idee».

Polit-Abend St. Stephan 2012

/
Das Handorgelduett Zeller-Zeller eröffneten den Abend musiklisch.
Das Handorgelduett Zeller-Zeller eröffneten den Abend musiklisch.
Jodlergruppe Simmenfall
Jodlergruppe Simmenfall
Oskar Freysinger
Oskar Freysinger
Grossrat Thomas Knutti (Mitte) empfingen die SVP-Nationalräte Nadia Pieren (link...
Grossrat Thomas Knutti (Mitte) empfingen die SVP-Nationalräte Nadia Pieren (links) und Albert Rösti (rechts).
SVP-Sektionspräsident von St. Stephan, Kilian Wyssen (Mitte) nahm die Nationalrä...
SVP-Sektionspräsident von St. Stephan, Kilian Wyssen (Mitte) nahm die Nationalräte Andreas Aebi und Erich von Siebenthal in die Zange.
Kilian Wyssen, SVP-Sektionspräsident St. Stephan
Kilian Wyssen, SVP-Sektionspräsident St. Stephan
Osakar Freysinger steht Grossrat Thomas Knutti und Sektionspräsident Kilian Wyss...
Osakar Freysinger steht Grossrat Thomas Knutti und Sektionspräsident Kilian Wyssen Rede und Antwort.
Musikalischer Abschluss der Jodlergruppe Simmenfall.
Musikalischer Abschluss der Jodlergruppe Simmenfall.

Am vergangenen Freitagabend sind viele Besucher dem Aufruf der SVP gefolgt und füllten beinahe die ganze Mehrzweckhalle in St. Stephan. Wie üblich begann der Abend mit einer traditionellen, kulturellen Einstimmung. Zu Beginn spielte das Handorgelduett Zeller-Zeller, das auch beim Essen musikalisch begleitete.

Danach eröffnete die Jodlergruppe Simmenfall aus Lenk, pünktlich um 20 Uhr mit Jodelgesängen den Abend. Normalerweise wär’s das dann mit «kulturellen Beilagen». Diesen Abend jedoch trumpfte die SVP lyrisch ganz gross auf. Die sonst für ihre Kulturnähe bekannten linken Parteien wären neidig geworden, denn der Walliser Nationalrat Oskar Freysinger machte den Abend unvergesslich.

Die Agrarpolitik und Energiestrategie

Die Nationalräte Andreas Aebi, Erich von Siebenthal, Nadia Pieren und Albert Rösti diskutierten über das politische Geschehen und stellen sich einigen Fragen. In der politischen Diskussion war vor allem die kommende Agrarpolitik ein wichtiges Thema. Die AP 14/17 deckt nach Ansicht von Andreas Aebi die Bedürfnisse der Bauern bei weitem nicht ab. Nationalrat Erich von Siebenthal sieht dies pragmatischer. Auch er hätte gerne mehr erreicht, kann aber mit dem sich zurzeit abzeichnenden Kompromiss auch leben: Leider war mehr nicht möglich, durch die Geschlossenheit der SVP konnte jedoch einiges erreicht, beziehungsweise schlimmeres verhindert werden. Bauern mit mehr als 20 ha werden sich auf die neuen Bedingungen einstellen und etwa gleich viel wie heute verdienen können. Für kleinere Betriebe wird es allerdings schwer. Es wichtig, dass es zusätzlich noch Tierbeiträge gibt. Auch Nadia Pieren und Albert Rösti betonten, dass vor allem Kleinbetriebe für die Landschaftspflege wichtig seien und es sonst für den Tourismus negative Folgen haben werde.

Nationalrat Albert Rösti ist nicht überzeugt von der vom Bundesrat postulierten Energiestratetgie 2050. Sie sei eine Fahrt ins Ungewisse. Der Import von Atomstrom aus dem Ausland oder der Bau eines Gaskombikraftwerks sind schlechte Alternativen. Die Umweltverbände sind unglaubwürdig, weil sie sich widersprechen.

Die Schweiz ist eine Idee

Der zweite Teil des Abend mischte die sonst trockene Politik auf und zeigte, wie Politik und Gesinnung auch unterhaltsam und interessant dargeboten werden kann. Nationalrat Oskar Freysinger begeisterte das Publikum von Beginn weg.

Zuerst referierte Freysinger über das Thema: «Die Schweiz ist kein Land – die Schweiz ist eine Idee». «Die Schweiz ist 42 000 km² klein, zum grössten Teil mit Bergen und Felsen gesegnet, auf denen die Touristen so lange herum kraxeln, bis sie ihnen tiefer vorkommen als der Schweizer Franken.» «Fusst die Schweiz auf reiner Selbstgefälligkeit, wie die Linke behauptet? Müssen wir uns immer wieder selber bestätigen, dass es unser Land überhaupt noch gibt, weil manche Künstler immer wieder behaupten, sie existiere nicht? Nein, in Tat und Wahrheit ist die Schweiz viel mehr als ein Land! Denn ein Land kann man kaufen, erpressen, bekämpfen oder erobern. Nicht aber eine Idee! Bevor die Schweiz zu dem wurde, was sie heute ist, war sie eine Idee.»

Die aktuelle Europapolitik beschreibt Nationalrat Freysinger folgendermassen: «Seit einiger Zeit ist das Land gefährdet – es ist gefährdet, weil die Idee gefährdet ist, die es begründet hat. Die Schweiz steht neustens da, wie ein Stachelschwein ohne Stacheln, weil uns der Glaube an uns selbst abhanden gekommen ist.» «Den Globalisierungsfanatikern ist die Schweiz selbstverständlich ein Dorn im Auge. Sie liefert der Welt den Beweis, dass es eben auch anders geht – dass Fremdbestimmung vermeidbar ist. Darum will man die Schweiz durch die automatische Übernahme von EU-Recht in die EUSSR einbinden.»

Mit folgenden Worten beendete der politische Lyriker Oskar Freysinger sein Referat und erntete grossen Applaus: «Eines bleibt, eines widersteht immer, weil es zeitlos ist und universale Geltung hat: Die Idee, die dahinter steht. Die Idee, dass der Mensch Teil eines grösseren ist. Die Idee, dass der Mensch selber denken und sein Schicksaal selber bestimmen kann. Dass die wahre Macht niemandem gehört, weil die einzig wahre Macht auf Erden, das Leben selber ist. Die Idee dass Leben und Liebe eins sind. Und dass nur die Liebe die Macht verleiht, die Dinge nachhaltig zu verändern, weil die Macht der Liebe nicht in Besitz genommen werden kann, sondern nur erlebt werden kann. Denn das Sein ist ewig, das Haben jedoch zeitlich beschränkt. Dafür steht unsere Schweiz. Sie ist eher ein geistiger, statt ein geografischer Raum. Sie ist ein Tor zum Unendlichen und sie wird es bleiben, solange wir daran glauben. Solange wir uns dafür einsetzen und solange wir im Kleinen pflegen, was wir uns im Grossen wünschen. Die Schweiz hat nur einen Feind: Unsere Feigheit, unsere Niedergeschlagenheit und unsere Nachlässigkeit. Sie verdient aber unseren Mut, unseren unerschütterlichen Glauben und unsere vorbehaltlose Unterstützung. Denn sie ist der politische Samen, dem eine demokratischere, respektvollere, planetarische Zukunft entspriessen könnte. Es lebe die Freiheit, es lebe die Schweiz und der Steinträger auch noch dazu.»

Polit-Abend St. Stephan 2012

/
Das Handorgelduett Zeller-Zeller eröffneten den Abend musiklisch.
Das Handorgelduett Zeller-Zeller eröffneten den Abend musiklisch.
Jodlergruppe Simmenfall
Jodlergruppe Simmenfall
Oskar Freysinger
Oskar Freysinger
Grossrat Thomas Knutti (Mitte) empfingen die SVP-Nationalräte Nadia Pieren (link...
Grossrat Thomas Knutti (Mitte) empfingen die SVP-Nationalräte Nadia Pieren (links) und Albert Rösti (rechts).
SVP-Sektionspräsident von St. Stephan, Kilian Wyssen (Mitte) nahm die Nationalrä...
SVP-Sektionspräsident von St. Stephan, Kilian Wyssen (Mitte) nahm die Nationalräte Andreas Aebi und Erich von Siebenthal in die Zange.
Kilian Wyssen, SVP-Sektionspräsident St. Stephan
Kilian Wyssen, SVP-Sektionspräsident St. Stephan
Osakar Freysinger steht Grossrat Thomas Knutti und Sektionspräsident Kilian Wyss...
Osakar Freysinger steht Grossrat Thomas Knutti und Sektionspräsident Kilian Wyssen Rede und Antwort.
Musikalischer Abschluss der Jodlergruppe Simmenfall.
Musikalischer Abschluss der Jodlergruppe Simmenfall.

Zum Artikel

Erstellt:
25.10.2012, 00:00 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 30sec
Kommentare