Die Landi kauft den Dorfladen an der Lenk
Die 76 anwesenden Genossenschafterinnen und Genossenschafter hatten vergangenen Freitagabend in der Simmental Arena in Zweisimmen an der Generalversammlung der Landi Simmental-Saanenland neben den statuarischen Geschäften auch über ein geplantes Gesamtinvestitionsvolumen von rund 2,7 Millionen zu befinden. Die Mitglieder setzten nach regen Diskussionen die Ampel für die Kreditanträge auf grün – ein Vertrauensbekenntnis in die Landi.
Für ihre langjährigen Dienste in der Landi wurden geehrt: Jürg Knutti für 20 Jahre, Beatrice Gfeller und Debora Perreten für 10 Jahre, Fiona Flück für 15 Jahre, Markus Eymann für 25 Jahre und Niklaus Sulliger für 10 Jahre.
© Ueli Zürcher
«Das Gesicht unserer Landi sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!» – dies die Eingangsworte des Präsidenten Jonathan Trachsel. Knapp 90 Personen stellen tagtäglich in den verschiedensten Bereichen die Zufriedenheit der Kundinnen und Kunden sicher. Im Weiteren blickte er aus Sicht der Landwirtschaft auf ein solides Jahr zurück. Die meisten Produzentinnen und Produzenten sehen sich seit Monaten jedoch mit einem ausgesprochen tiefen Milchpreis konfrontiert, dessen Gründe weit über die Bauernbetriebe hinaus gesucht werden dürfen. Er appelliert, nach Möglichkeit mit regionalen Verarbeitern und Vermarktern zusammenzuarbeiten, da bei diesen der Preissturz kaum spürbar sei.
Dorfladen Lenk steht zum Verkauf
Der Dorfladen an der Lenk wird aktuell durch Regula und Martin Läuchli betrieben, welche beabsichtigen, im kommenden Jahr in den Ruhestand zu treten. Die Erbengemeinschaft Rieder als Besitzerin des Gebäudes, welches neben dem Ladenlokal noch über eine 4,5- und 5,5-Zimmerwohnung, sowie einer weiteren Parzelle mit Parkplatz und Grünfläche verfügt, beabsichtigt einen Gesamtverkauf. VOLG wurde erstinstanzlich angefragt, ob ein Kaufinteresse bestehe. Die Detailhandelskette ist nach Vorgaben des Mutterhauses, der fenaco verpflichtet, mit der örtlichen Landi abzuklären, ob von deren Seite ein Interesse bestehe, die Liegenschaft zu kaufen und die Verkaufsstelle zu betreiben.
Nach einer Besichtigung, sowie einer Wirtschaftlichkeitsprüfung durch VOLG wurde entschieden, das Kaufangebot weiter zu verfolgen. Der Verkaufspreis wurde mit 1,8 Millionen Franken als äusserst fair bezeichnet. Die Landi würde im Weiteren mit rund 400000 Franken für eine Auffrischung des Ladenlokales sowie der Erstbestückung rechnen. Der Laden würde als VOLG betrieben und wäre verkaufsflächenmässig vergleichbar mit jenem in Boltigen.
Was geschieht in der Landi Boden mit dem Lebensmittelsortiment?
Die Verantwortlichen der Landi sehen vor, bei einem allfälligen Kauf des Dorfladens das gesamte Lebensmittelsortiment dort zu konzentrieren und im Boden lediglich noch den herkömmlichen Landi-Laden zu betreiben. Cairoli stellte klar, dass in der aktuellen Form die Landi im Boden nicht wirtschaftlich geführt werden könne. Bei einer Auslagerung des Lebensmittelsortiments könnte die Verkaufsfläche auf das Erdgeschoss beschränkt, und so die Effizienz gesteigert werden. Die Flächen im Obergeschoss könnten umgenutzt, oder vermietet werden.
Standen die Mitglieder dem Kauf des Dorfladens ebenfalls sehr positiv gegenüber, löste die Idee der Aufhebung des Lebensmittelsortiments im Boden doch emotionale Diskussionen aus. So wurden Bedenken geäussert, dass mit der Konzentration der Lebensmittel auf den Dorfladen dies kurz-mittelfristig das Ende der Landi im Boden bedeuten würde. Ebenso werden die optimalen Parkmöglichkeiten im Boden, im Vergleich zum Dorfkern Lenk gerühmt.
Dem Antrag eines Mitgliedes, welches den Kreditantrag im Umfang von 2,2 Millionen zum Kauf der Liegenschaft sowie der Auffrischung des Ladenlokales zur Annahme empfahl, wurde gefolgt. Jedoch musste sich die Landi verpflichten, die Konzentration der Lebensmittel auf den Dorfladen zu überdenken und einen Entscheid vorgängig nochmals der Generalversammlung zu unterbreiten. Der Antrag wurde einstimmig angenommen, bei zwei Enthaltungen.
Anna Gschwind, Aussendienstmitarbeiterin der Landi machte im Anschluss die Anwesenden darauf aufmerksam, dass ab dem 1. Januar 2027 gemäss Bundesbeschluss, Bäuerinnen und Bauern nur noch Pflanzenschutzmittel beziehen dürfen, wenn sie über die Ausbildung EFZ verfügen und die Fachbewilligung Pflanzenschutz eingefordert haben. Die Einforderung muss bis zum 30. Juni 2026 erfolgen, da sonst eine Prüfung dafür abgelegt werden muss.
Nun, die Zukunft bleibt sowohl für die Produzentinnen und Produzenten wie auch für die Landi Simmental–Saanenland spannend, wie auch herausfordernd.
Geschäftsführer Mario Cairoli und Präsident Jonathan Trachsel hatten allen Grund zum Anstossen: Die Versammlung gab grünes Licht für die Kreditanträge.
© Ueli Zürcher